Keine Strafe!

Illegales Bordell in St. Johann: nur “Amateur-Zuhälter”

Tirol
21.04.2010 09:07
Ein Makler, zwei Hausfrauen, ein Masseur: Dieses Unterländer Quartett hat nicht den gesetzlichen Ansprüchen genügt, um am Landesgericht Innsbruck als Zuhälter oder "Prostitutions-Zuführer" verurteilt zu werden. Die Aktivitäten der "Möchtegern-Zuhälter" reichten für Schuldsprüche nicht aus.

Zwei Wohnungen in St. Johann hatte seit 2007 ein Makler laut Anklage neun Prostituierten zur Verfügung gestellt. Als "Massage-Institute". Der einzige echte Masseur, der in diesem Geschäft mitmischte, war ein Deutscher (52). Mit seiner Lebensgefährtin, einer weiteren Hausfrau und dem Immobilienmakler saß er in Sachen St. Johanner Bordell gemeinsam auf der Anklagebank.

Profi und Amateur zugleich: Als professioneller Masseur, der mit 23 Euro pro Stunde für echte Massagen nur etwa ein Fünftel der nicht ausgebildeten "Wonne-Masseusen" (Prostituierten) verdiente. Als "Zuhälter" allerdings weniger als ein blutiger Amateur.

Weil die Sex-Besucher dieser Etablissements sich untertags bei den hübschen Damen des Horizontalgewerbes serienweise die Türklinke in die Hand gaben, hatten sich einige Hausparteien mokkiert. Es folgten Hausdurchsuchungen, das Bordell flog auf. Die vier einheimischen Betreiber landeten auf der Anklagebank. Die Chefin, eine rumänische Professionelle, die laut Insidern als einzige reelle Chancen auf eine Verurteilung gehabt hätte, hatte es vorgezogen, zu flüchten.

Angeklagte erfüllen keine Zuhälter-Kriterien
Obwohl die Angeklagten etliche Tätigkeiten ausführten, die das Sex-Geschäft florieren ließen, wurde niemand verurteilt. Richter Hofer erklärte, warum: Keiner der vier erfüllt Kriterien für einen echten Zuhälter. Das ist ein gewalttätiger Schmarotzer, der nur kassiert, mit dem Porsche vorfährt, die Damen ausbeutet. Die Angeklagten dagegen mussten kräftig "buggeln", um wenig bis mittelmäßig zu verdienen: Mit Telefondienst, Organisieren, Einteilen, Wäsche waschen, Wohnung in Schuss halten.

Richter Hofer: "Dabei wurde der Makler, der sehr patschert agierte, von den Damen derart übertölpelt, dass er nichts mitbekam. Also ein Möchtegern-Zuhälter." Für Schuldsprüche reichte das nicht.

von Hans Licha, Tiroler Krone

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