In einer vorgezogenen Landesversammlung soll Kogler als neuer Spitzenkandidat sowie die folgenden Listenplätze fixiert werden. Die Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne) sprach von einer "richtigen Entscheidung für Kogler im richtigen Moment" und meinte, dass Willnauer seinen Rückzug "gerade noch früh genug" bekannt gegeben habe. Mit Kogler dürfe man sich "guten und ordentlichen Schwung" erwarten und keine "Wackelpuddingpolitik wie bei Rot und Schwarz", so Rücker weiter.
"Größte Aufholjagd der Geschichte der steirischen Grünen"
Seine Funktionen in Wien - Kogler ist stellvertretender Klubobmann und Bundessprecher, Nationalratsabgeordneter und Vorsitzender des Rechnungshofausschusses - will er bis zur Wahl am 26. September ausüben. Werden die Wahlziele erreicht, wolle Kogler seine Aufgaben in Wien weitgehend zurücklegen und in die Steiermark kommen. Er kündigte die "größte Aufholjagd in der Geschichte der steirischen Grünen" an. Grüne Arbeitsplätze sowie soziale Gerechtigkeit seien die Schwerpunkte des Wahlkampfes. Ziel sei es in erster Linie, einen "Grünen Pakt" abzuschließen - ob das als Regierungspartei oder vom Landtag aus gelingen soll, sei nicht entscheidend.
Kogler wolle mehr als nur eine "Ökolüge", wie sie die Volkspartei auf ihren Plakaten anpreise. Voves hingegen werbe mit sozialer Gerechtigkeit, die er laut Kogler jedoch nicht umzusetzen vermöge. Darum reiche der Grüne Spitzenkandidat beiden Großparteien die Hand zur Zusammenarbeit: "Uns ist egal, wer Erster wird". Verhindern will Kogler jedoch, dass Wähler "offenbar aus Frust über die Großparteien zu den Blauen" abwandern. "Wenn Blau/Orange was zu sagen haben, ruinieren sie ein ganzes Bundesland", verwies Kogler auf Kärnten und meinte weiter, dass "jede Stimme für die FPÖ ein Schaden für den Steuerzahler" sei. Die Grünen stünden für "Hoffnung statt Hetze" und er erwarte sich auch von den anderen Parteien mehr Mut. Als eine Notlösung sah sich der Grünen-Spitzenkandidat nicht.
SPÖ und ÖVP nehmen Kandidatur "zur Kenntnis"
Bei den beiden großen steirischen Landtagsparteien SPÖ und ÖVP nahmen die Chefs, Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) und LHStv. Hermann Schützenhöfer (ÖVP) den Wechsel des Spitzenkandidaten der Grünen vom Kabarettisten Jörg Martin Willnauer zum Landessprecher Werner Kogler "zur Kenntnis". Voves meinte am Montag im Pressefoyer nach der Regierungssitzung, man müsse mit jedem Spitzenkandidaten anderer Parteien leben können. Schützenhöfer sagte, er biete Kogler Zusammenarbeit an - wie anderen Parteien auch: "Für mich ändert sich nichts."
Abgesehen vom Statement der Kenntnisnahme kommentierten die Spitzen der Landesregierung den Wechsel durchaus launig. "Es ist ein klassisches Play-off, ich nehme die Herausforderung gerne an", so Voves. Schützenhöfer sagte, er nehme zur Kenntnis, dass "der Mann vom Klavier (Willnauer ist Musiker und Kabarettist) die Kandidatur zurückgelegt hat und der Außenstellenleiter aus Wien zurückkehrt". Grundsätzlich meinte Schützenhöfer, dass die beiden großen Parteien zusammenarbeiten sollten, unter Miteinbeziehung der kleinen Parteien, "weil die Probleme groß genug sind".
In der Einschätzung des Verhältnisses der Grünen zu den Großparteien lagen Voves und Schützenhöfer genau entgegengesetzt. Der SPÖ-Vorsitzende meinte, "zu 80 Prozent gingen die Entscheidungen der steirischen Grünen in den vergangenen Monaten in Richtung ÖVP". Schützenhöfer erklärte wiederum, die steirische Grüne Gruppe hätte in den vergangenen Monaten mit der SPÖ zusammengearbeitet.
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