08.07.2019 06:02 |

Intimoperation

Kein Grund für Schamgefühle!

Radfahren schmerzhaft, keine Erfüllung beim Sex, Angst, sich im Badeanzug zu zeigen: Wann eine Schamlippenverkleinerung sinnvoll ist. Eine Patientin berichtet, wie es ihr dabei ergangen ist.

Es geht nicht um fragwürdige Schönheitsideale. Auch nicht darum, Frauen sogar in Intimregionen einem Jugendkult zu unterwerfen oder ein unnatürliches Verhältnis zum eigenen Körper zu unterstützen. Zieht eine Frau eine Schamlippenverkleinerung in Betracht, hat sie meist schon einen langen Leidensweg hinter sich. „Tatsächlich benötigen Betroffene Empathie. Keine meiner Patientinnen kam bisher wegen übertriebener, rein ästhetischer Motivationen zur Schamlippenkorrektur“, bestätigt Dr. Daniela Rieder, Fachärztin für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie aus Wien. Das bestätigt auch Anna B. Sie hatte große Probleme mit der Asymmetrie ihrer inneren Schamlippen: "Ich bemerkte, dass sie sich in Situationen wie beim Sport, Sex oder Toilettengang als äußerst hinderlich erwiesen, hatte aber weder den Mut, noch eine Idee wo ich Beratung oder Hilfe bekommen könnte. Es wäre mir auch unangenehm gewesen mit meinem Gynäkologen darüber zu reden, da ich die Optik meiner Schamlippen keinesfalls mit einem Mann besprechen wollte."

Ausführliche Beratung bringt Klarheit
Nicht einmal bei ihren Freundinnen konnte die 61-Jährige etwas in Erfahrung bringen. Erst der Besuch bei ihrer Ärztin brachte Klarheit. Nach anfänglicher Unsicherheit und einem ausführlichen Beratungsgespräch, entschloss sie sich zur Labienkorrektur. „Bei der OP wurde mir dann genau erklärt, welche Schritte nun folgen, das hat mir die Nervosität genommen. Die Operation hat ambulant stattgefunden. Die Stiche für die Lokalanästhesie waren schon unangenehm, aber ich kann Ihnen sagen, eine Zahnbehandlung ist unangenehmer!“, berichtet die Patientin. Ihr großes Anliegen: anderen Frauen Mut zuzusprechen und ein Tabu zu brechen, das mit unnötigen Schamgefühlen und Ängsten einhergeht.

Starke Einschränkung der Sexualität, Probleme im Zuge der Regelblutung, Schmerzen während und nach sportlicher Betätigung stellen die Hauptgründe für derartige Eingriffe dar. Oft sind bestimmte Sportarten wie Radfahren oder Reiten gar nicht möglich, da sich die vergrößerten Schamlippen einklemmen. Zudem besteht erhöhtes Risiko für Infektionen und Pilzerkrankungen. Auch die psychische Belastung darf nicht unterschätzt werden. Es zeichnen sich im Bikini oder in engen Hosen deutliche Wülste ab, die manchmal sogar hervorquellen Wie eine Operation abläuft, beschreibt Dr. Rieder: „Es wird nur auf die natürliche Größe verkleinert und keine Straffung durchgeführt. Entweder unter Lokalanästhesie oder im Dämmerschlaf. Die Dauer des ambulanten Eingriffs beträgt etwa eine Stunde. 1-2 Wochen Schonung sollten eingeplant werden, die Nähte sind selbstauflösend. Nach etwa acht Wochen gilt das Areal als verheilt.“

Daten & Fakten
Viele Mythen ranken sich um das Thema Intimoperationen. Von „Designervagina“ oder „Vaginallifting“ ist hier vor allem die Rede. Doch seriöse Ärzte greifen nicht zum Skalpell, um „untenrum“ Schönheitsvorstellungen zu erfüllen oder einen verjüngten Eindruck der weiblichen Intimregion zu vermitteln. Die Schamlippen schützen den Eingang der Vagina gegen mechanische und Fremdkörpereinwirkung. Es sind Hautfalten bzw. -wülste von individueller Größe und Farbe. Die kleinen, inneren Schamlippen müssen nicht unbedingt unter den großen versteckt sein, sondern ragen oft sichtbar hervor. Wenn dies keine Beschwerden bereitet, gibt es auch keinen Handlungsbedarf. Die häufigste Intimoperation stellt dennoch die Labienkorrektur, bzw. Verkleinerung dar, vor allem bei Einschränkung der Lebensqualität und Schmerzen. Es wird die natürliche Funktion wiederhergestellt. Der Eingriff ist nicht gleichbedeutend mit Genitalverstümmelung!

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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