25.06.2019 06:45 |

Unberührte Region

Västerbotten: Wildromantisches Stück Erde

Moltebeeren, Pilze, Lachs und Co. - jetzt im Mittsommer öffnet die Lappland-Region Västerbotten eine kulinarische Schatztruhe. Ein abenteuerlicher Streifzug durch Wälder und Wiesen Schwedens - inklusive Floßfahrt sowie Übernachtung in einer Baumkrone.

Die Geschichten rund um die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen von Selma Lagerlöf hat Jan-Erik Sjöblom als Bub wohl verschlungen. Der Traum vom Fliegen ist für den Schweden geplatzt wie eine Seifenblase. Doch einen anderen Wunsch konnte sich der lappländische Naturbursche im Alter verwirklichen: sein eigenes kleines Vogelnest - im Wipfel einer majestätischen Fichte. Die Idee einer voll ausgestatteten Holzkabine zwischen Ästen und Nadeln wurde ein Hit. Und die Zimmer im Baumhotel von Granö Beckasin sind mittlerweile lange im Voraus gebucht - aber das Warten lohnt sich! Denn ein einziger Blick aus luftiger Höhe über die von der Mitternachtssonne in ein Farbenmeer verwandelte Landschaft lässt selbst eingefleischte Strandurlauber zu Skandinavien-Fans werden.

Die Gegend rund um den Umea-Fluss ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Erkundungstour der auf charmante Art noch unberührten Ferienregion Västerbotten im nördlichen Teil Schwedens. Mit einem Holzfloß übersetzen wir das fischreiche Gewässer und landen trockenen Fußes auf der bewaldeten Seite des Ufers. Es duftet nach Föhrenharz und Wildkräutern. Jetzt im Hochsommer wird der Forst südlich des Polarkreises allmählich auch zur Speisekammer. Bald werden hier wieder die ersten Pilze, wie etwa die festfleischige Rotkappe, sprießen. Molte- und Moosbeeren reifen ebenso schon heran. Der Sauerklee hat längst Saison. Die Schätze der Natur lassen sich im Idealfall gleich bei einem Picknick verkosten. Am Lagerfeuer wird vom ortskundigen Ranger Christopher ein Elcheintopf mit Schwammerln und Speck im Kessel zubereitet.

Wem das zu deftig oder abenteuerlich ist, der kann sich freilich auch in den vielen Restaurants in der Gegend kulinarisch verwöhnen lassen. Dort werden regionale Spezialitäten wie zum Beispiel Rote Rüben in Heidelbeervinaigrette (Vorspeise), Seesaibling mit Dillrahm (Hauptgericht) und Zitronenmousse mit Rhabarber zum Dessert aufgetischt.

Den Segen von ganz oben für den weiteren Reiseverlauf holen wir uns ganz unten - in der vielleicht ungewöhnlichsten Kirche der Welt. 90 Meter unter der Oberfläche befindet sich im Bergwerk Thornégården eine Kapelle. „Seit 78 Jahren werden hier in der Mine Zink, Kupfer und Silber abgebaut“, schildert Geologe Hans Joachim Selbach beim Lokalaugenschein in der Grube, „doch am 29. November 1946 machte ein Kumpel eine wundersame Entdeckung“. Mitten im uralten Glimmerschiefer zeichnete sich im Lichtschein der Stirnlampe plötzlich eine Gesteinsformation als Christusgestalt ab. Der Fund machte Albert Jönsson über Nacht berühmt. Und das rund um die Jesusfigur eingerichtete Gotteshaus lockt seither Pilger in den Untergrund.

Die Kultur der Samen, früher auch Lappen genannt, ist in Västerbotten allgegenwärtig. Sie haben die Landschaft südlich der Arktis als Ureinwohner besiedelt. Nach einer wechselvollen Geschichte leben die Vertreter der mit besonderen Autonomierechten ausgestatteten Minderheit bis heute von der Rentierwirtschaft. Im Freilichtmuseum Gammplatsen in Lycksele lässt sich anhand von historischem Kunsthandwerk ein faszinierender Blick zurück in die Blütezeit des indigenen Volkes werfen.

Käse schließt den Magen - ganz speziell bei einer kulinarischen Rundreise. Doch wer auf dem Bauernhof von Pär Hellström und seiner Ehefrau Johanna in Skellefteå einen Einkehrschwung einlegt, bekommt eine ganz besondere Spezialität zum Verkosten. 14 Monate reift jeder Laib, bevor er aufgetischt wird.

2017 stand der Käse des Familienbetriebs auf dem Speiseplan der Gewinner des Nobelpreis-Dinners in Stockholm. Seither gibt es Angebote aus der ganzen Welt. Aber Pär will eigentlich nur eines: hier bleiben und weiter Käse machen. In Västerbotten, jenem wildromantischen Fleckerl Schwedens, das Einheimische und Gäste gleichermaßen in den Bann zieht.

Gregor Brandl, Kronen Zeitung

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