14.05.2019 08:00 |

Aggressivität steigt

Gegenüber Polizisten sitzen die Fäuste locker

Vom jugendlichen Störenfried bis hin zum brutalen Gewalttäter: Tag für Tag bekommen es Tirols Polizisten mit rabiaten Zeitgenossen zu tun. Bei Amtshandlungen kann es dann schon einmal ordentlich zur Sache gehen. Allein im Vorjahr verzeichnete die heimische Exekutive rund 200 Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt und zehn tätliche Angriffe.

Vergangenen Mittwoch in Fügen: In einer Sozialeinrichtung für Jugendliche spielten sich am Abend wüste Szenen ab. Ein 16-Jähriger rastete komplett aus – beschimpfte und bedrohte die Betreuerinnen aufs Massivste. Die Verantwortlichen wussten sich nicht anders zu helfen und alarmierten die Polizei. Als die Streife eintraf und den Burschen zur Rede stellen wollte, eskalierte die Situation. „Der 16-Jährige verhielt sich weiterhin aggressiv und verpasste einem Beamten mit dem Ellenbogen einen Schlag gegen die Schläfe“, so die Polizei.

Danach konnte der Verdächtige trotz eines Pfefferspray-Einsatzes die Flucht ergreifen. Diese war aber nur von kurzer Dauer. Er wurde im Ort geschnappt. Beruhigung? Fehlanzeige! Er rastete erneut aus, verletzte offenbar einen zweiten Beamten und bekam eine weitere Ladung Reizgas ab. Letztlich konnte er überwältigt werden. Festnahme!

Fast 200 „Widerstände“
Ein Einzelfall? Von wegen! Gewalt gegen Tirols Polizisten gehört leider fast schon zum Alltag. Laut der aktuellen Kriminalstatistik wurden im Vorjahr hierzulande 193 Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt verzeichnet. Im Vergleich zu 2017 ist das ein Plus von 21,4 Prozent. Gleichzeitig war dies der Höchstwert in den vergangenen fünf Jahren. Insgesamt gab es seit 2014 knapp 800 Fälle.

Darüber hinaus gab es im abgelaufenen Jahr zehn tätliche Angriffe auf Polizeibeamte. Erfreulich: 2017 waren es noch 24. Das entspricht also einem Rückgang von 58,3 Prozent. Im Fünf-Jahres-Vergleich wurden 2016 mit 29 die meisten Übergriffe verzeichnet.

Bis 5 Jahre Haft drohen
Einen Polizisten zu attackieren ist freilich – das sollte einem der Hausverstand schon sagen – nicht sonderlich schlau und kann für denjenigen, der seine Aggressionen nicht richtig im Griff hat, schwerwiegende Folgen haben. Die da wären: Wer einen Beamten tätlich angreift, dem droht schon einmal automatisch eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Noch härtere Sanktionen sieht das österreichische Strafgesetz vor, wenn ein Exekutivbediensteter durch einen gewaltsamen Angriff Verletzungen davonträgt. Je nach Schwere der Verletzung sind hierbei sogar bis zu fünf Jahre Gefängnis möglich. Auch im Fall des Deliktes Widerstandes gegen die Staatsgewalt drohen bis zu fünf Jahre.

94 Verletzte durch Gewalt im Vorjahr
„Tendenziell ist bei den Einschreitfällen eine sinkende Hemmschwelle sowie eine steigende Aggressivität gegenüber Polizisten feststellbar - um sich auch mit Gewalt zu wehren oder der Amtshandlung zu entziehen, was dann oft zu Verletzungen führt“, erklärte kürzlich ein Sprecher der Polizei im „Krone“-Gespräch.

Untermauert wird dies von einer Statistik des Innenministerium, die der „Krone“ vorliegt. Demnach wurden in Tirol im Zeitraum zwischen den Jahren 2015 und 2018 insgesamt 848 Polizisten im Dienst verletzt, 372 davon (das sind knapp 44 Prozent) durch Fremdeinwirkung. Blickt man nur auf das abgelaufene Jahr, so weist die Bilanz 221 verletzte Polizisten auf, wobei 94 Beamte (42,5 %) durch fremdes Verschulden verletzt wurden.

Hubert Rauth
Hubert Rauth
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