24.04.2019 10:13 |

Schworen IS die Treue

Sri Lanka: Neun Attentäter, unter ihnen eine Frau

Neun Attentäter verübten die verheerenden Anschläge auf christliche Kirchen und Hotels in Sri Lanka und rissen 359 Menschen in den Tod. Acht von ihnen seien identifiziert, unter ihnen eine Frau, erklärte der stellvertretende Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene am Mittwoch. Die Massenmörder hatten vor ihren Gräueltaten dem IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Treue geschworen, wie ein von der Propagandaagentur Amaq verbreitetes Video zeigt. Zudem drohte der IS in einer weiteren Botschaft, dass sich Anschläge wie auf Sri Lanka „auch in den USA, Großbritannien und Frankreich wiederholen werden“.

Die Selbstmordattentäter waren wohlhabend und hatten im Ausland studiert. Die meisten von ihnen seien gebildet gewesen und hätten der oberen Mittelschicht angehört, sagte Vize-Verteidigungsminister Wijewardene. Einer der Attentäter habe vermutlich in Großbritannien und Australien studiert und sei danach nach Sri Lanka zurückgekehrt. Auch ein bekannter Hassprediger soll unter ihnen gewesen sein. Die Polizei hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass man bei erneuten Razzien weitere 18 Verdächtige festgenommen habe. Damit stieg die Zahl der im Zusammenhang mit den Anschlägen Festgenommenen auf insgesamt 58.

Angriffe erfolgten nahezu gleichzeitig
Sieben sri-lankische Attentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu gleichzeitig in drei Kirchen in mehreren Städten sowie in drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Ein weiteres Attentat auf ein Fünf-Sterne-Hotel scheiterte. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und einem Wohnhaus in Vororten Colombos. Bei der achten Explosion kamen laut Polizei die Frau, zwei Kinder und ein weiterer Verwandter eines der Attentäter sowie drei Polizisten ums Leben. Die Zahl der Toten lag nach Polizeiangaben vom Mittwoch bei 359 - unter ihnen mehr als 30 Ausländer. Mehr als 400 Verletzte wurden noch in Krankenhäusern behandelt.

Lage bleibt angespannt
Die Lage auf Sri Lanka ist besonders in der Hauptstadt Colombo angespannt. Auf den Straßen patroullieren schwer bewaffnete Sicherheitskräfte. Mittwoch früh sorgte eine weitere Explosion vor einem Kino für Aufregung, kurze Zeit später bestätigte die Polizei, dass ein verdächtig geparkter Motorroller kontrolliert gesprengt worden war. Die Polizei warnte die Menschen auf den Straßen über Lautsprecher auch vor verdächtigen Fahrzeugen oder Paketen.

USA: „Wussten im Vorfeld nichts davon“
Die USA dementierten unterdessen, vorherige Kenntnis von den Anschlagsplanungen in Sri Lanka gehabt zu haben. „Wir wussten nichts von diese Anschlägen“, sagte US-Botschafterin Alaina Teplitz dem US-Fernsehsender CNN am Mittwoch. Bei den Bombenanschlägen wurden mindestens vier US-Bürger getötet.

Ein Minister Sri Lankas hatte Anfang der Woche gesagt, Indien und die USA hätten seiner Regierung vor den Anschlägen Informationen zukommen lassen. Botschafterin Teplitz verneinte dies nun: „Ich weiß nicht, welche anderen Informationsquellen die Regierung Sri Lankas hat. Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir keine vorherige Kenntnis hatten“, sagte sie CNN. Die Regierung von Sri Lanka habe Fehler beim Sammeln und Weitergeben von Geheimdienstinformationen zugegeben.

Ermittlungen zu weiteren IS-Verbindungen
Der IS hatte am Dienstag die Anschläge für sich reklamiert. Zu möglichen IS-Verbindungen werde noch ermittelt, sagte Wijewardene. Die Regierung hatte eine wenig bekannte einheimische Islamistengruppe verantwortlich gemacht, mit ausländischer Hilfe die Anschläge verübt zu haben. Als Motiv vermutete die Regierung Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März. Es könnten noch Verdächtige auf freiem Fuß sein, erklärte Wijewardene. „Wir bitten die Leute, wachsam zu sein.“

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