Do, 23. Mai 2019
17.04.2019 19:06

Umweltfreundlich?

Ifo-Studie sieht Elektroautos als Klimasünder an

Wenn es so einfach wäre: Wir steigen um von Verbrennungsmotoren auf Elektroautos und alles wird gut. Doch weit gefehlt! Einer aktuellen Studie des Münchner Ifo-Instituts zufolge gelangt durch Elektroautos sogar noch mehr CO2 in die Atmosphäre. Von besonderer Umweltfreundlichkeit keine Spur, heißt es dort. Vor diesem Hintergrund wird die Stigmatisierung des Diesels regelrecht zur Farce.

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum und zugleich politisch so propagiert, dass Elektroantrieb bei Autos grundsätzlich umweltfreundlich ist. So wird auch der Stromverbrauch von Plug-in-Hybriden schlichtweg nicht mitgerechnet, wenn es um Verbrauchsangaben geht. Die Folge sind völlig unrealistische Normverbräuche von unter 2 l/100 km, obwohl tatsächlich teilweise zweistellige Litermengen auf 100 Kilometer durch die Leitungen fließen.

Und um die von der EU vorgeschriebenen Flottenverbrauchsziele zu erreichen und Strafzahlungen zu vermeiden, werden die Hersteller regelrecht gezwungen, möglichst viele Elektroautos zu verkaufen, egal ob es sich um kleine, sparsame Stromer handelt oder um 2,5-Tonnen-Kolosse wie den Tesla Model X oder den Audi e-tron.

Schlechtes Zeugnis für Elektroautos
Die Studie des Münchner Ifo-Instituts sagt nun: Elektroautos sind nicht nur nicht umweltfreundlicher als Dieselautos, sondern belasteten das Klima im ungünstigsten Fall sogar um bis zu 28 Prozent mehr. Im günstigsten sind es immer noch zehn Prozent, die ein Stromer schlechter dasteht.

Das nun veröffentlichte Papier vergleicht die CO2-Emissionen bei Betrieb und Produktion eines Tesla Model 3 mit denen eines ähnlich großen Mercedes C 220d mit Dieselmotor und kommt zu dem Ergebnis, dass das konventionelle Auto unterm Strich deutlich weniger Klimagas ausstößt.

Die Experten um den Ökonomen Hans-Werner Sinn kommen inklusive der Emissionen von Raffinerie und Transport auf einen Wert von 141 Gramm pro Kilometer. Der Elektro-Tesla hingegen stößt der Rechnung zufolge mit 156 bis 181 Gramm deutlich mehr CO2 pro Kilometer aus; berücksichtigt wurde neben den Emissionen bei der Herstellung des 75 kWh großen Akkus auch der CO2-Ausstoß bei der Gewinnung des Fahrstroms.

Herangezogen wurde der deutsche Strommix, der zu rund einem Drittel aus Ökostrom besteht. In Österreich sähe die Bilanz für Elektroautos etwas besser aus, da hier der Anteil erneuerbarer Energien gut doppelt so hoch ist.

Die Produktion der Tesla-Batterie belaste das Klima bereits mit elf bis 15 Tonnen CO2. Bei einer Haltbarkeit des Akkus von zehn Jahren und einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern im Jahr bedeute das alleine schon 73 bis 98 Gramm CO2 pro Kilometer.

Autoren sehen bewusste Täuschung
„Die Autoren kritisieren in ihrer Studie, dass der EU-Gesetzgeber die CO2-Emissionen von Elektroautos mit einem Wert von null in die Berechnungen der Flottenemissionen einfließen lässt. Dies suggeriert, dass Elektroautos keine Emissionen verursachen“, erklärt das Ifo-Institut. Die Wissenschaftler bezeichnen dies als (vermutlich „industriepolitisch zielgerichtete“) Täuschung. Die unvermeidliche Folge sei eine Enttäuschung in der Bevölkerung, „wenn sich die erhofften technischen CO2-Minderungen nicht einstellen“. Der ab 2030 vorgeschriebene CO2-Grenzwert von 59 Gramm pro Kilometer entspreche einem Verbrauch von 2,2 Liter Diesel oder 2,6 Liter Benzin je 100 Kilometer und sei „ingenieurtechnisch unrealistisch“.

Das batteriebetriebene E-Auto werde in den nächsten Jahren schwerlich in der Lage sein, einen Beitrag zur Minderung der deutschen CO2-Emissionen zu leisten, heißt es in der Arbeit. Stattdessen sprechen sich die Experten für mit Erdgas oder Bio-Methan betriebene Fahrzeuge aus - entweder mit Verbrennungsmotoren oder als E-Autos mit Brennstoffzelle.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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