16.04.2019 11:20 |

Handwerker gesucht

Bereits 310 Millionen € für Notre Dame gespendet

Nur einen Tag nach dem verheerenden Brand der Kathedrale Notre Dame sind bereits 310 Millionen Euro für den Wiederaufbau zusammengekommen. Von zwei Unternehmerfamilien wurden insgesamt 300 Millionen zugesagt, die Region Ile-de-France, die größtenteils dem Großraum Paris entspricht, versprach am Dienstag eine Soforthilfe von zehn Millionen Euro. Ob diese Summe reicht, um das Wahrzeichen, das teilweise aus dem 13. Jahrhundert stammt, wiederherzustellen, steht allerdings in den Sternen.

Die beiden größten Luxusgüterkonzerne Frankreichs stellen gewaltige Summen zur Verfügung, um die Kathedrale im Herzen von Paris wiederaufzubauen. Die Milliardärsfamilie Pinault, die mit dem Unternehmen Kering hinter den Marken Gucci, Saint Laurent und Balenciaga steht, sagte 100 Millionen Euro zu und erklärte: „Diese Tragödie trifft alle Franzosen.“ Man wolle helfen, „schnellstmöglich diesem Juwel unseres nationalen Kulturerbes wieder Leben einzuhauchen“.

Weiterer Konzern sagte doppelte Spendensumme zu
LVMH verkündete schließlich Dienstag früh, sogar die doppelte Summe zu spenden. Der Konzern der Familie Arnault vertreibt unter anderem die Marken Moet Hennessy und Lois Vuitton und beschrieb das Flammeninferno als „nationale Tragödie“. Die Kathedrale sei ein Symbol Frankreichs, seines kulturellen Erbes und seiner Einigkeit.

Nicht nur Geld, sondern auch geeignete Facharbeiter nötig 
Doch um das Wahrzeichen wiederaufzubauen, wird es nicht nur Unsummen an Geld brauchen, sondern auch viel Zeit und auch geeignete Handwerker. Der Historiker und Chef der Touristenführer der Kathedrale, Michel Delaluche, meinte noch während Notre Dame brannte, dass es kaum Facharbeiter gebe, die in der Lage seien, einen so gewaltigen Dachstuhl aus Holz zu errichten. 13.000 Eichenstämme wären hierfür nötig - dazu müsse man mehrere Hektar Wald abholzen.

Dachstuhl wurde in Vergangenheit zwei Mal zusammengebaut
„Er wurde am Boden komplett zusammengebaut, die einzelnen Teile nummeriert, dann wieder zerlegt und oben auf dem Gewölbe wieder zusammengesetzt“, skizziert Delaluche den Aufwand dieses Unterfangens.

Der französische Präsident Emmanuel Macron zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass dies gelingen wird und versprach: „Wir werden Notre Dame gemeinsam wiederaufbauen.“ Dazu werde man „die größten Talente, auch von außerhalb unserer Grenzen, herbeirufen." Die Wiederherstellung des Pariser Wahrzeichens werde eine neue nationale Leistung werden. Jedoch sei das Schlimmste verhindert worden - sowohl die Fassade als auch die beiden Haupttürme haben der Katastrophe stangehalten. Das ganze Ausmaß des Schadens wird allerdings erst in den nächten Tagen feststehen.

„Schlimmstes verhindert, aber Kampf noch nicht gewonnen“
Macron betonte am späten Abend, das Schlimmste sei verhindert worden, denn die Fassade und die beiden Haupttürme seien nicht zusammengestürzt. Das genaue Ausmaß der Schäden wird sich aber erst in den nächsten Tagen zeigen.

Renovierungsarbeiten hinter Feuerkatastrophe vermutet
Da gerade Renovierungsarbeiten auf dem Dach der Kathedrale stattfanden, geht man davon aus, dass diese etwas mit der Brandursache zu tun haben. Die Flammen breiteten sich Montagabend über den Dachstuhl in 93 Meter Höhe aus. Erst stürzte der im 19. Jahrhundert errichtete hölzerne Spitzturm über der Vierung - dort, wo Haupt- und Querschiff des Gebäudes zusammentreffen - ein. Anschließend brach der ganze Dachstuhl ein. Im Kampf gegen die Flammen wurde ein Feuerwehrmann schwer verletzt. Ein großes Areal rund um das Inferno evakuiert werden.

Rund um die Welt Bestürzung
Politiker und Verantwortliche auf der ganzen Welt zeigten sich entsetzt über die Verwüstung von Notre-Dame. Durchwegs traurig reagierte auch die österreichische Spitzenpolitik auf den Brand in der Pariser Kathedrale. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von schockierenden Bildern. Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich von den „verstörenden“ Bildern erschüttert. Kardinal Christoph Schönborn sah die Bilder von der brennenden Pariser Kathedrale „tief erschüttert“.

Gläubige beteten und sangen auf den Straßen
Tausende Menschen versammelten sich auf den Seine-Brücken und sahen mit an, wie sich das Feuer durch das Bauwerk aus dem zwölften Jahrhundert fraß. Viele von ihnen waren sprachlos und hatten Tränen in den Augen. Gläubige beteten und sangen auf den Straßen. Das Drama um das Gotteshaus fällt in die Karwoche, in der sich die Christen auf Ostern - das Fest der Auferstehung Jesu Christi - vorbereiten.

Video: Bewegende Szenen in Paris

Notre-Dame ist ein Meisterwerk der Gotik und wird jedes Jahr von rund 13 Millionen Touristen besichtigt. Weltberühmt wurde die Kathedrale auch durch den Romanklassiker „Der Glöckner von Notre Dame“ (1831) von Victor Hugo.

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