16.04.2019 05:54 |

Feuer ist gelöscht!

Lichtblick im Inferno: Struktur und Türme gerettet

Ein verheerendes Feuer hat am Montagabend die Pariser Kathedrale Notre Dame massivst beschädigt. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs des Gotteshauses brach ebenso zusammen wie der Dachstuhl. Allerdings dürfte es der Feuerwehr der französischen Hauptstadt mit einem Großaufgebot gelungen sein, die Baustruktur, das Gewölbe und insbesondere die beiden viereckigen Haupttürme an der Westfassade zu retten. „Das Schlimmste konnte verhindert werden“, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der versicherte, dass das vom Brand verwüstete Gotteshaus wieder aufgebaut wird.

Stundenlang schlugen Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl des Pariser Wahrzeichens, über dem monumentalen Sakralbau war eine riesige Rauchsäule zu sehen, aus den beiden mächtigen Türmen der Kathedrale drang schwarzer Rauch. In den frühen Morgenstunden am Dienstag konnte die Feuerwehr „Brand aus“ vermelden. „Das Feuer ist gelöscht. Wir werden aber weiter die verbliebenen Brandherde überwachen und die heißen Teile kühlen“, sagte Gabriel Plus der Zeitung „Le Figaro“ laut deren Onlineausgabe. Man werde Sorge tragen, dass das Feuer nicht wieder aufflammt.

Video: Flammen lodern im Weltkulturerbe Notre Dame

Video: Feuerwehr konnte der Flammen Herr werden

Feuerwehr: „Struktur in ihrer Gesamtheit bewahrt“
Bereits zuvor hatte sich ein Sprecher zuversichtlich gezeigt, dass die gotische Kathedrale nicht völlig zerstört wird: „Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist“, erklärte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Zuvor war die Feuerwehr zeitweise „nicht sicher“ gewesen, ob es ihr gelingt, die Ausbreitung der Flammen aufzuhalten. Wie viel tatsächlich zerstört wurde, wird sich wohl erst im Laufe des Dienstags zeigen, so Experten.

Dornenkrone aus brennender Kathedrale gerettet
Ein Teil der Feuerwehrleute hatte Kunstwerke und wertvolle Gegenstände aus der Kirche in Sicherheit zu bringen, hieß es. So konnte eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche gerettet werden, die in der Kathedrale aufbewahrt wurden. Es handle sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Notre-Dame-Direktor Patrick Chauvet am späten Montagabend. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Das Bauwerk aus dem Mittelalter habe gewaltige Schäden erlitten, sagte Vizebürgermeister Emmanuel Gregoire dem Sender BMFTV. Kirchensprecher André Finot berichtet, die gesamte hölzerne Inneneinrichtung sei wohl ein Raub der Flammen geworden.

Ein Feuerwehrmann wurde schwer verletzt
Nach Angaben des Innenministeriums war die Feuerwehr mit einem Großaufgebot an Ort und Stelle. Rund 400 Feuerwehrleute versuchten, den Brand einzudämmen. Einer von ihnen sei bei dem Einsatz schwer verletzt worden. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

Das Feuer kurz vor Ostern könne mit Renovierungsarbeiten zusammenhängen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Feuerwehr. Es sei auf dem Dachboden ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Auf dem Dach der Kathedrale war ein Baugerüst angebracht. Die Polizei gehe nicht von einem terroristischen Hintergrund aus.

Macron: „Werden Notre Dame wieder aufbauen“
Präsident Emmanuel Macron, der eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache kurzfristig absagte, versicherte, dass die vom Brand verwüstete Kathedrale wieder aufgebaut wird. „Wir werden Notre Dame wieder aufbauen“, sagte er am späten Montagabend am Ort des Geschehens. Das Schlimmste sei verhindert worden, denn die Fassade und die beiden Haupttürme seien nicht zusammengestürzt. Der Kampf gegen das Feuer sei aber noch nicht vollständig gewonnen. Mit Blick auf das historische Bauwerk sagte der 41-Jährige: „Es ist das Epizentrum unseres Lebens.“

Die französische Unternehmerfamilie Pinault sagte bereits die gewaltige Summe von 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau des UNESCO-Weltkulturerbes zu.

Bestürzung auch außerhalb von Frankreich
Der Brand löste auch außerhalb Frankreichs tiefe Bestürzung und heftige Emotionen aus. Notre Dame ist eine wichtigsten Pariser Touristenattraktionen und wird jährlich von rund 13 Millionen Menschen besucht. Die Chefin der UN-Kulturorganisation UNESCO, Audrey Azoulay, sagte zu Reportern: „Notre Dame ist ein Symbol für die ganze Welt.“ Die UNESCO sei schon mit dem Kulturministerium und der Kirche in Kontakt. „Wir brauchen eine sehr schnelle Beurteilung der Schäden.“ Es müssten rasch „strategisch wichtige Entscheidungen getroffen werden“.

Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur.

Luftverschmutzung setzte dem Bau zu
Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal über die Jahre schwer zugesetzt. An vielen Stellen bröckelte zuletzt die Bausubstanz - um Geld für die Sanierung aufzutreiben, war vor einiger Zeit eine Spendenaktion auf den Weg gebracht worden. Wegen Renovierungsarbeiten waren weite Teile der Kirche bis zu dem Brand eingerüstet gewesen. Erst vergangene Woche waren Bronzeplastiken aus dem Gebäude geschafft worden.

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