15.04.2019 21:14 |

Bangen um Kathedrale

Ikone der Franzosen: DAS ist Notre Dame!

Sie ist das meistbesuchte Wahrzeichen von Paris, ein wahrer Touristenmagnet mit jährlich fast 13 Millionen Besuchern, ein Ort, den man auf jeden Fall besucht haben muss, wenn es einen in die Stadt der Liebe verschlägt. Besonders ihre Silhouette, hierbei vor allem die Westfassade, erhebt sich majestätisch vom historischen Zentrum der Stadt - am Montagabend jedoch war Notre Dame de Paris in dichten Qualm gehüllt. Die Kathedrale brannte lichterloh, in Paris herrschte Ausnahmezustand.

Die der Gottesmutter Maria geweihte Kirche wurde von 1163 bis zum Jahr 1345 von den Baumeistern Pierre de Montreuil und Jean de Chelles errichtet, es dauerte also knapp 200 Jahre, ehe die Kathedrale fertiggestellt war. Dies ist auch an den unterschiedlichen Stilen des Gebäudes zu erkennen, immerhin entstand das Gotteshaus in der Zeit des Übergangs von der Romanik hin zur Gotik, in insgesamt vier Bauphasen. Doch just dieser Kontrast der unterschiedlichen Stilrichtungen sollte in der Folge auch der Grund für weitere Umgestaltungen sein. Stilelemente der Romanik mit ihren Rundbögen, kleinen Fenstern und dicken Mauern wurden durch gotische Elemente ersetzt und Notre Dame auf diese Weise umgestaltet.

Zu finden ist Notre Dame auf der Ostspitze der Seine-Insel Ile de la Cité im vierten Arrondissement, ihr Standort damit eine der ältesten bekannten christlichen Gebetsstätten in der französischen Hauptstadt.

Die beiden Türme der Westfassade erstrecken sich bis zu einer Höhe von 69 Metern, das Kirchenschiff ist im Inneren 130 Meter lang, 35 Meter hoch sowie 48 Meter breit. Bis zu zehntausend Menschen finden darin Platz. Auch findet sich in Notre Dame eine der größten und imposantesten Rosetten, sie misst zwölf Meter im Durchmesser.

Von der Kathedrale zum „Tempel der Vernunft“
Doch die Farbenpracht wurde im Zeitalter der Aufklärung nicht gern gesehen. Im Jahr 1728 wurden die bunten Glasfenster durch weißes Glas ersetzt, auch ein Großteil der Figuren an den Türmen musste weichen. Knapp vor Ende des Jahrhunderts, im Jahr 1793, wurde die Kathedrale im Zuge der Französischen Revolution gestürmt und im Inneren schwere Zerstörung angerichtet. Jedoch sollte Notre Dame nicht das Schicksal zahlreicher anderer Klöster dieser Zeit teilen: Sie wurde nicht dem Erdboden gleichgemacht, wohl aber entweiht - und zum „Tempel der Vernunft“ erklärt, ehe das ehemalige Gotteshaus als Weinlagerstätte zweckentfremdet wurde.

Erst mit der Unterzeichnung des Konkordates durch Napoleon I. wurde die Kathedrale wieder liturgisch genutzt - und hier sollte sich auch Napoleon - geschichtsträchtig - zwei Jahre später zum Kaiser krönen. Nach weiteren Verwüstungen in den darauffolgenden Jahrzehnten sollte es jedoch ein Roman sein, der Notre Dame wieder in einen neuen und positiven Fokus rücken sollte.

Der Glöckner von Notre Dame
Und den Inhalt des Romans von Viktor Hugo im Jahre 1831 kennt sogar auch heute noch nahezu jedes Kind - bot das Gotteshaus doch den Schauplatz für den „Glöckner von Notre Dame“, der später nicht zuletzt auch von Walt Disney in einem Zeichentrickfilm verewigt wurde.

Eines ist gewiss: Notre Dame spiegelt die Geschichte Frankreichs wider, in jedem Stein, in jedem gläsernen Mosaik - die jedoch seit Montagabend um ein trauriges und wahrlich schockierendes Kapitel reicher ist ...

Christine Steinmetz
Christine Steinmetz
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