Fr, 19. April 2019
13.04.2019 08:00

Zu allem ÜberFLUSS

Radklassiker: Von Passau bis nach Budapest

Die „MS Primadonna“ führt ihre Passagiere von Passau bis Budapest und hat dabei die ideale Kombination mit im Gepäck: den Donauradweg und alle Vorzüge eines schwimmenden Hotels.

Einfach mitreißend: Die Crew der „MS Primadonna“ heißt ihre Passagiere in der Dreiflüssestadt Passau samt Donau, Inn und Ilz herzlich willkommen. Einem Ort, wo das Leben schon immer vom Wasser und von der Schifffahrt geprägt war. Einst trugen die Schiffe Kreuzritter, Helden und Abenteurer in den Orient oder transportierten Handelsgüter wie Salz. Heute spielt von allen drei Passauer Flüssen einzig die Donau einen entscheidenden Faktor in der europäischen Güter- und Personenschifffahrt. In der Grenzstadt stößt man auf romantische Plätze, Promenaden und verwinkelte Gassen. Wunderschön auch die barocke Altstadt, die von italienischen Meistern im 17. Jh. geschaffen wurde und in deren Zentrum der Dom St. Stephan eine der größten Domorgeln weltweit beherbergt.

Tief eingebettet in Täler und von sanften Höhenrücken gesäumt, sucht die sagenumwobene Donau ihren Lauf. Ihre unermüdliche Kraft übt seit jeher eine Faszination auf die Menschen aus. Auf ihrem Weg von der Quelle im Schwarzwald bis zur Mündung ins Schwarze Meer passiert sie unterschiedlichste Landschaften und Klimazonen und verändert mehrmals ihren Charakter.

Der Donauradweg ist ein Weg einzigartiger Kulturgeschichte. Die antike Römerstraße führt entlang des Donaulimes. Dementsprechend ist die Dichte an historischen Kastellen, Klöstern und Festungen sehr hoch. Er ist durchgehend asphaltiert, immer flach und perfekt ausgeschildert. Die Radtour verläuft großteils abseits verkehrsreicher Straßen. Das Donautal hat ein äußerst ästhetisches Erscheinungsbild. Seinen Höhepunkt findet es wohl in der Schlögener Schlinge. Hier zeigt sich die Kraft und Schönheit der Natur.

Nach der Übergabe der Leihräder, die jeden Morgen rasch und unkompliziert verläuft, strampeln wir entlang der Schlögener Schlinge und durch das unbesiedelte Engtal bei Kaiserau nach Linz. Auf halbem Weg zwischen Salzburg und Wien liegt Österreichs drittgrößte Stadt. Linz überrascht, begeistert und verändert: ob bei einem Spaziergang durch die Altstadt, bei wunderbaren Konzerten, hoch über der Stadt, mit der Spraydose in der Graffiti-Galerie oder beim Experimentieren in den Museen.

Die Zeit wird schnell knapp angesichts des großen Angebots in Linz. Abends geht es wieder an Bord. Sanft wiegt das schwimmende Hotel seine Gäste in den Schlaf. Wer Kreuzfahrten auf Ozeanen gewohnt ist, freut sich über das ruhige Dahingleiten und das besondere Flair des Stroms, gesäumt von Auen und malerischen Landschaften. Flusskreuzfahrten entschleunigen. Und morgens, gestärkt nach einem guten Frühstück, auf den Drahtesel zu steigen und im Fluss zu sein gibt ein gutes Gefühl – besonders im Urlaub. Die Tagesstrecken belaufen sich zwischen 22 und 56 Kilometer. Die Route wird zuvor auf dem Schiff noch gut erklärt. GPS-Daten und Radkarten sind immer dabei.

In Tulln angekommen, zieht es uns sogleich an die Donaulände. Zwar werden die Werke Egon Schieles in der ganzen Welt gezeigt, aber die Geburtsstadt des Künstlers will einzigartig sein, indem sie sein Leben in den Mittelpunkt stellt.

Schieles Werk wird anhand von 50 Originalen wie Zeichnungen, Aquarellen und Ölbildern dokumentiert. In Wien lockt eine Stadtrundfahrt, die auch für Wiener Neues bereithält. Warum auch nicht einmal die Bundeshauptstadt aus Sicht eines Touristen erleben?

Am vierten Tag gehen wir in der slowakischen Stadt Komárno an Land. Mit dem Rad geht es durch verträumte Orte über Moča nach Esztergom, der ältesten Stadt Ungarns, wo der Legende nach der erste ungarische König und Staatsgründer Stephan I. geboren wurde. Abends genießen wir während der Schifffahrt die Natur des Donauknies. Das Budapester Naherholungsgebiet wird gerne als ungarische Wachau bezeichnet.

Budapest erstreckt sich beidseitig des Flusses: westlich das hügelige Buda, östlich das flache Pest mit seinem Parlamentsgebäude. Höhepunkt ist zweifellos das Burgviertel mit der Matthiaskirche, in der ungarische Könige gekrönt wurden, und die Fischerbastei. Vom Gellertberg blickt man weit über die Donau und die zahlreichen Brücken, darunter die berühmte Kettenbrücke. Abends und nachts hat die Stadt mit ihren vielen historischen Bauwerken und der stimmungsvollen Beleuchtung ein ganz eigenes Flair.

Nächster Stopp: Bratislava
Nach einem geführten Rundgang durch die Hauptstadt der Slowakei radeln wir auf dem Donauradweg vorbei an der Burg Devin zum Prunkschloss Hof in Niederösterreich. Spätnachmittags geht es mit dem Rad wieder retour nach Bratislava. Am vorletzten Reisetag erleben wir noch UNESCO-Weltkulturerbe: die Wachau. Von Krems geht es für uns Pedalritter über Dürnstein und die Weinbauorte Weißenkirchen und Spitz nach Melk und weiter nach Pöchlarn.

Angekommen in Passau, geht es mit der Bahn heimwärts. Während der Zugfahrt stellen wir stolz fest: Rund 300 km mit dem Rad liegen hinter uns. Jeder Kilometer war es wert. Und die gute Küche konnten wir dank der vielen Bewegung auch Bissen für Bissen ohne schlechtes Gewissen genießen. Wir sind uns einig: Die Donau ist ein Strom, der auch etwas in uns bewegt. Besonders ihre unermüdliche Kraft wirkt inspirierend. Und eines hat sie im ÜberFLUSS zu bieten: Natur und Donaumetropolen.

Susanne Zita, Kronen Zeitung

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