Verdacht in 110 Fällen

Linz: Prüferin verkauft Sprachtests an Ausländer

Wenn sich am Freitag eine 54-Jährige in Linz vor Gericht verantworten muss, weil sie sich eine Sprachprüfung im Rahmen des Integrationsfonds durch Bestechung erschummelt haben soll, ist das erst die Spitze des Eisberges. Es wird gegen 110 Personen aus ganz Österreich ermittelt, die in die Schwindelei verstrickt sind.

Bestechung und Urkundenunterdrückung wird der Angeklagten im Prozess am 15. März vorgeworfen. Sie soll bereits im Jänner 2016 bei einer Sprachprüfung vor dem österreichischen Integrationsfonds einer zertifizierten Prüferin 400 Euro bezahlt haben, damit sie die Prüfung positiv absolviert. Als Gegenleistung soll die Frau vor dem Test die konkreten Prüfungsfragen bekommen haben. Außerdem soll die bestochene Prüferin eine Vielzahl von falschen Testantworten im Multiple-Choice-Verfahren korrigiert und ihr nachträglich die Prüfung zu neuerlichen Verfassung eines Textes überlassen haben. Die Beschuldigte, der bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe drohen, ist geständig. Allerdings sagte sie bisher aus, dass die Prüferin kein Geld für die illegale Hilfe bekommen habe.

110 Fälle
Allerdings widerspricht das den Ermittlungsergebnissen in diesem Fall. Insgesamt wurden beim Stadtpolizeikommando Linz 110 derartige Fälle zur Anzeige gebracht. Vor Gericht verantworten muss sich auch die Prüferin. „Gegen sie wird abgesondert verhandelt. Sie wird wegen Bestechlichkeit und einem Amtsdelikt angeklagt. Ein Verhandlungstermin steht allerdings noch nicht fest“, so Richterin Margit Kreuzer vom Medienteam des Landesgerichtes. Der Prüferin drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

Österreichweites Netzwerk
Ermittelt wird auch gegen die Mitglieder eines österreichweit agierenden Netzwerkes, das die „wohlwollende“ Prüferin an Personen aus ganz Österreich vermittelt haben soll. Gegen Bezahlung und mit dem Versprechen auf eine positive Prüfung.

Claudia Tröster, Kronen Zeitung

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