"Straf-Rabatt"

Mafia-Mörder kommen sechs Jahre früher frei

Österreich
16.02.2010 20:03
Die blutige Exekution eines schwerreichen Mafiapaten in der Wiener Innenstadt hat im Jahre 1996 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Es folgten die heikelste Festnahme und der schwerstbewachte Prozess aller Zeiten. Bis 2016 sollten zwei der drei Auftragskiller hinter Gittern sitzen. Aber ausgerechnet sie bekamen einen "Straf-Rabatt". Alle drei sind seit Jänner frei!

Der 11. Juli 1996 war ein Donnerstag und ein verregneter noch dazu. Der georgische Mafiapate David Sanikidse (50) spaziert mit seiner Lebensgefährtin durch die Annagasse in der Innenstadt. Plötzlich holen zwei Verfolger auf. Der eine verbirgt eine Pistole mit Schalldämpfer und Laserzielerfassung in der Jacke, der zweite trägt eine geladene MP in einem Plastiksackerl. 

Die kurze Zusammenfassung eines Mafiamordes, der Österreich viele Monate zum Syndikats-Bauchnabel der Welt machte: Der Pate wird hingerichtet, weil er mit einem verfeindeten Clan um 200 Millionen Schilling in Streit geraten war. Zwei Täter werden zu 20 Jahren Haft verurteilt, einer zu 15 Jahren - und alle drei Georgier sind heute schon auf freiem Fuß.

Freiwillige Rückkehr nach Georgien macht Entlassung möglich
Möglich macht dieser großzügige "Straf-Rabatt" der Paragraf 133a des Strafvollzugsgesetzes. Demnach kann der Staat vom Strafvollzug vorläufig absehen, wenn die Betroffenen freiwillig in ihre Heimat zurückkehren und Österreich in Zukunft meiden. 

Ein Justiz-Insider: "Die Gefängnisse sind voll. Das kann man bei kleineren Delikten schon machen. Aber doch nicht bei Auftragsmördern der georgischen Mafia. Eine absolute Fehlentscheidung." 

von Michael Pommer, Kronen Zeitung

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