So, 17. Februar 2019
29.01.2019 10:53

„Freundlicher Betrug“

Mit diesem perfiden Trick nahm Facebook Eltern aus

Das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook hat offenbar über Jahre hinweg gezielt Jugendliche und Kinder dazu verleitet, ohne Verifikation der Zahlungsdaten auf Kosten ihrer Eltern in Online-Games wie „Angry Birds“ einzukaufen. Manch ein Kind verpulverte dabei Tausende Dollar, Reklamationen wurden seitens Facebook standardmäßig abgewiesen. Das zeigen Hunderte Seiten interne Dokumente, die Facebook im Rahmen eines Gerichtsverfahrens freigeben musste.

Facebooks Geschäftsmethoden gelten nach dem Cambridge-Analytica-Skandal aus dem Vorjahr zumindest als fragwürdig. Und die neuen Interna, die vom Center for Investigative Reporting ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wurden, tragen nicht unbedingt zur Imagekorrektur bei.

Auf 135 Seiten legen die internen Akten offen, dass Facebook zumindest von 2010 bis 2014 ganz bewusst dafür gesorgt hat, dass Kinder in Online-Spielchen wie „Angry Birds“, „Petville“ oder „Happy Aquarium“ kostenpflichtige Inhalte kaufen können, ohne dass sie ihre Eltern um Erlaubnis bitten müssten. Wer einmal seine Kreditkarteninformationen hinterlegt hatte, stellte seinem Nachwuchs eine Blankolizenz zum Online-Einkauf aus.

Facebook sprach vom „freundlichen Betrug“
Intern habe Facebook in diesem Zusammenhang vom „freundlichen Betrug“ gesprochen und die Masche zum Teil seiner Unternehmensstrategie gemacht. Man verließ sich darauf, dass viele Eltern kleinere Beträge nicht zurückfordern würden und machte es Kinder und Jugendlichen so einfach wie möglich, auf Kosten ihrer Eltern Inhalte in Online-Games zu erstehen. Bisweilen sollen so Hunderte Dollar zusammengekommen sein, die erst nach einiger Zeit auf der elterlichen Kreditkartenrechnung aufschienen. In einem Fall habe ein 15-Jähriger gar 6500 US-Dollar verpulvert.

Bei Facebook war man sich der Problematik, dass Kinder ungehindert Tausende Euro ihrer Eltern in virtuellen Krimskrams stecken konnten, offenbar jederzeit bewusst. In einem internen Dokument des Netzwerks heißt es, dass vielen Eltern nicht bewusst sei, dass ihre Zahlungsdaten von ihren Kindern missbraucht werden könnten. Facebook-Mitarbeiter hätten daraufhin sogar ein Verifizierungs-System entwickelt, das diese ungewollten Käufe verhindern sollte. Es wurde 2011 erfolgreich getestet, aber nie eingeführt. Die Einkäufe der Kinder waren zu lukrativ.

Rückerstattungen wurden verweigert
Eltern, die auf ihren Kreditkartenabrechnungen feststellen mussten, dass ihre Kinder ihr hart verdientes Geld verpulvert hatten und um Erstattung baten, wurde selbige in aller Regel verweigert. Facebook verwies auf die Kreditkartenfirmen, Schlichtungsstellen oder die Möglichkeit einer Klage. Selbst ein Computerprogramm, das Reklamationen automatisiert ablehnte, soll erforscht worden sein. Zumindest jeder zehnte Betroffene soll letztlich Gebrauch von der Möglichkeit gemacht haben, die Summe durch seinen Kreditkartenanbieter rückbuchen zu lassen.

Offenbar hatte auch manch ein Anbieter von Online-Spielen die mysteriösen Transaktionen auf Facebook bemerkt. Beim „Angry Birds“-Macher Rovio etwa fielen die hohen Rückbuchungsraten auf, woraufhin man sich bei Facebook erkundigte, wie diese zustande kämen. In der Antwort des sozialen Netzwerks heißt es: „In nahezu allen Fällen wussten Eltern, dass ihre Kinder ‚Angry Birds‘ spielen, aber sie dachten, dass die Kinder ohne Passwort oder Autorisierung (wie in iOS) nichts kaufen können.“

Internes Memo erklärte Vorgangsweise genau
Das bringe „guten Profit“ und solle nicht verändert werden, hieß es seitens Facebook. In einem internen Memo des sozialen Netzwerks findet sich sogar ein Leitfaden zu der Causa namens „Freundlicher Betrug - Was es ist, warum es herausfordernd ist und warum wir nicht versuchen sollten, das zu unterbinden“.

Auf Anfragen betonte Facebook gegenüber den Enthüllern, dass man die eigenen Geschäftsrichtlinien 2016 überarbeitet habe und seither Sondermittel für Rückerstattungen von ungewollten Käufen durch Minderjährige zurückhalte. Doch selbst, wenn Facebook seine Geschäfte heute anders angehen sollte: Nach dem Cambridge-Analytica-Skandal und Vorwürfen, im großen Stil als Vehikel für politische Propaganda herzuhalten, trägt die jüngste Enthüllung jedenfalls nicht dazu bei, den ramponierten Ruf des Unternehmens zu verbessern.

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