Di, 19. Februar 2019
15.01.2019 11:35

Ernüchterung in Japan

Erstes Robo-Hotel kann auf Mensch nicht verzichten

Nicht weniger als die „ultimative Effizienz“ wollten die Betreiber des vom Guinness-Buch der Rekorde offiziell anerkannten ersten Roboter-Hotels der Welt erreichen. Drei Jahre nach der Eröffnung, die international für Schlagzeilen gesorgt hatte, ist im „Henn-na Hotel“ in der japanischen Provinz Nagasaki Ernüchterung einkehrt: Viele Roboter wurden inzwischen wieder ausgemustert. Wo die Maschinen versagten, hilft nun der Mensch wieder aus.

„An der Rezeption werden Sie von mehrsprachigen Robotern begrüßt, die Ihnen beim Ein- und Auschecken helfen. In der Garderobe bewahrt der Roboterarm Ihr Gepäck für Sie auf. (…) Sobald Sie Ihr Gesicht mit unserem Gesichtserkennungssystem registriert haben, ersparen Sie sich zudem den Aufwand, den Zimmerschlüssel mit sich herumzutragen oder sich Sorgen zu machen, ihn zu verlieren“, beschreiben die Betreiber auf der offiziellen Website das Konzept ihres Roboter-Hotels. Erklärtes Ziel: den Gast einen Schritt in die Zukunft zu führen - und nebenbei die Personalkosten so niedrig wie möglich zu halten.

So recht aufgegangen ist der Plan laut „Wall Street Journal“ nicht: Mehr als die Hälfte der insgesamt 243 Roboter wurden inzwischen wieder ausgemustert - großteils, weil die Maschinen mehr Arbeit verursachten denn abnahmen. Jetzt, wenn man nicht mehr ständig von Gästen angerufen werde, um bei Problemen mit den Robotern zu helfen, sei es einfacher, zitiert die Zeitung einen Mitarbeiter.

„Könnten Sie Ihre Frage wiederholen?“
Vor allem „Churi“, ein kleiner Assistenzroboter, der Gästen in ihren Zimmern mit Rat und Tat zur Seite stehen sollte, sorgte demnach für Ärger. Etwa, weil er schnarchende Gäste mitten in der Nacht mit den Worten „Entschuldigen Sie, das habe ich nicht verstanden. Könnten Sie Ihre Frage wiederholen?“ aufweckte. Außerdem sah sich der Roboter außer Stande, Anfragen an die Rezeption weiterzuleiten. Auf klassische Telefone hatten die Betreiber in den Zimmern jedoch verzichtet.

Die Gepäck-Roboter konnten indes nur gut ein Viertel der über 100 Zimmer erreichen, zudem drohten ihnen beim Verlassen des Gebäudes Störungen durch Feuchtigkeit. Auch die Roboter am Empfang - zwei Velociraptoren - blieben ebenso hinter den Erwartungen zurück wie ein Concierge-Roboter. Fragen zu Abflugzeiten oder nahegelegenen Touristenattraktionen werden dem Bericht nach daher nun wieder von Menschen beantwortet. Auch die für den Check-in nötigen Pass-Kopien erledigt inzwischen wieder ein Mitarbeiter aus Fleisch und Blut.

„Viele Aufgaben derzeit nur für Menschen geeignet“
Ganz aufgegeben hat Hideo Sawada, Präsident des Reiseveranstalters, dem das „Henn-na“ gehört, seinen Traum vom Hotel ohne menschliche Mitarbeiter dem Bericht nach noch nicht. Er habe jedoch gelernt, dass viele Aufgaben derzeit nur für den Menschen geeignet seien. „Wenn du tatsächlich Roboter benutzt, erkennst du, dass es Orte gibt, an denen sie nicht gebraucht werden - oder wo sie die Leute einfach nur ärgern“, wird er zitiert.

 krone.at
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