22.12.2018 17:30 |

Kommentar:

Eine energiepolitische Hiobs-Botschaft für Tirol

Diese energiepolitische Hiobs-Botschaft zum Jahresende hat gerade noch gefehlt. Wie Freitag bekannt wurde, hat der Verwaltungsgerichtshof - VwGH - den positiven Umweltbescheid für den Ausbau der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz aufgehoben. Ein Schaden für das ganze Land! Ein Kommentar von Markus Gassler.

Der Bundesverwaltungsgerichtshof hatte, wie berichtet, 2017 grünes Licht gegeben. Nachdem es bereits dutzende positive Gutachten und eine lange Liste von Ausgleichsmaßnahmen gab. Und jetzt kippt der VwGH das Urteil! Mit der Begründung, dass die Maßnahmen für irgendwelche Moorausgleichsflächen zu unbestimmt formuliert seien. Die Folge: Der längst überfällige Baustart verzögert sich um weitere zwei Jahre! ZWEI JAHRE! Zwei wertvolle Jahre, in denen das Wasser ungenutzt den Inn hinunter bis ins Schwarze Meer fließt. Und wir derweil Strom (teuer) zukaufen müssen, der aus Kernenergie, Öl, Gas und Kohle gewonnen wird. Die saudischen Ölscheichs und die russischen Oligarchen freuen sich.

Danke, Wasserkraft-Gegner!
Eingebrockt hat uns die ganze Sache die Gemeinde Neustift, der deutsche und österreichische Alpenverein sowie der Umweltdachverband, die gegen den positiven Bescheid berufen haben. Danke!

127.000 Tonnen CO2 werden eingespart
Natürlich steht es jedem frei, den Rechtsweg zu beschreiten. Doch man darf sich in diesem Fall nicht das Umweltschutz-Mäntelchen umhängen. Oder will einer der oben angesprochenen Kläger ernsthaft behaupten, dass die Energiegewinnung aus Kohle, Öl oder Gas umweltfreundlicher als jene aus Wasserkraft ist? Falls doch, hier ein paar Fakten: Die Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain/Silz bringt dem Land 15 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr zusätzlich. Zum besseren Verständnis: Damit könnte man mit einem E-Golf 2900 Mal die Erde umrunden. Wird die selbe Menge an Strom mit Öl, Gas oder Kohle erzeugt, dann würden 127.000 Tonnen CO2 produziert werden. Liebe Umweltschützer: Das ist der Ausstoß aller Innsbrucker Pkw in einem Jahr (gerechnet mit 15.000 km pro Jahr und Auto). Also bitte nicht die Umwelt-Keule schwingen!

Ameisenhügel werden verlegt
Ja - und noch ein Wort zu den Ausgleichsmaßnahmen: Die Tiwag weiß, dass man ihr Tun mit Argusaugen verfolgt - und geht daher mit der Natur auch sehr, sehr sorgsam um. Beispiele gefällig? Dort, wo im Kühtai der Speicher entsteht, werden nicht nur Pflanzen, Murmeltiere und Amphibien, sondern sogar die Ameisen umgesiedelt. So schaut’s aus!

Strom kommt nicht aus der Steckdose
Das nun gesprochene VwGH-Urteil - es wird freilich alles rechtens sein - hat verheerende Auswirkungen auf Land, Leute und Umwelt! Darüber sollen jene, die uns die Suppe eingebrockt haben, in einer ruhigen Minute einmal nachdenken! Denn auch die, die gegen neue Kraftwerke sind, können nicht ohne Strom leben. Und noch einmal: Der Strom kommt zwar aus der Steckdose. Wenn dahinter jedoch kein Kraftwerk ist, kann man ein- und anstecken was man will und bis man grün wird

Markus Gassler
Markus Gassler
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