Do, 17. Jänner 2019

Amazon-Lagerarbeiter:

20.12.2018 17:10

„Sie behandeln einen, als wäre man ein Roboter!“

Wenige Tage vor Weihnachten herrscht in den Logistikzentren des E-Commerce-Giganten Amazon Hochbetrieb. Heerscharen von Arbeitern arbeiten Bestellungen ab und sorgen dafür, dass die Kunden ihre Packerl rechtzeitig bekommen. Doch die Arbeit im Amazon-Lager ist hart. Ein Ex-Mitarbeiter erinnert sich: „Du kannst nicht einmal auf die Toilette gehen, ohne dass dich danach jemand fragt, wieso du fünf Minuten lang deine Aufgabe nicht erledigt hast.“

Die britische TV-Anstalt BBC zitiert einen ehemaligen Mitarbeiter des Amazon-Lagers in Swansea, wo 1200 reguläre Mitarbeiter und aktuell rund 2000 Saisonkräfte dafür sorgen, dass die Kunden des Online-Riesen ihre Bestellungen rechtzeitig erhalten.

Das Amazon-Zentrum hat den Ruf, die höchste Zahl von Arbeitsunfällen unter den Amazon-Lagern in Großbritannien zu produzieren, was nun eine Untersuchung nach sich ziehen soll. Der Ex-Mitarbeiter glaubt dabei an einen Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen.

Mitarbeiter werden konstant überwacht
Was er über seine Zeit bei Amazon erzählt, klingt nicht gerade nach einem angenehmen Arbeitsplatz. Das Amazon-Lager sei ein „einschüchternder“ Arbeitsplatz, erinnert er sich. „Es geht um Dinge wie genaue Pausenzeiten und konstante Überwachung. Man hat dort nicht einmal die Freiheit, auf die Toilette zu gehen, ohne dass danach jemand kommt und fragt, wieso man fünf Minuten nicht an seinem Arbeitsplatz war.“

Das Verhältnis zu seinem ehemaligen Arbeitgeber beschreibt der Amazon-Lagerarbeiter so: „Ich würde sagen, sie behandeln dich wie eine Nummer oder einen Roboter. Und nachdem man eine Zeitlang dieser hirnlähmenden Tätigkeit nachgeht, wird man sogar wirklich ein wenig zu einem kleinen Roboter.“

Lagerarbeiter werden schnell ausgetauscht
Wer nicht in dieses System passt, wird nach Angaben des Ex-Mitarbeiters gnadenlos gekündigt. „Wenn Weihnachten näher rückte, mussten jede Woche Kollegen gehen. Ich sah rund um mich laufend Kündigungen. Die Kollegen wurden zu einem Treffen mit ihrem Teamleiter gebeten - und dann hat man sie nie wiedergesehen.“

Ein Gewerkschafter sieht in diesen Bedingungen den Grund für die Häufung von Unfällen. „Die Leute stehen unter einem solchen Druck. Sie werden entmenschlicht und in Roboter verwandelt, und dann passieren die Unfälle“, sagt er.

Amazon weist Vorwürfe zurück
Amazon selbst sieht die Sache naturgemäß anders. Der für das Lager in Swansea zuständige Regionalmanager über die Vorwürfe des Ex-Mitarbeiters: „Ich begrüße die geplante Untersuchung und glaube, es geht hier um einen wichtigen Teil unserer Arbeit. Aber in den Berichten, die ich derzeit in der Presse sehe, erkenne ich uns nicht wieder.“

Tatsächlich passieren bei Amazon laut offizieller Zählung der britischen Regierung um 43 Prozent weniger Unfälle als bei anderen Transport- und Logistikunternehmen. Unmut gibt es unter den Mitarbeitern trotzdem, erst kürzlich wurde der Online-Händler in Deutschland wieder bestreikt.

 krone.at
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