Do, 13. Dezember 2018

Prävention

28.11.2018 14:00

AIDS bekämpfen, nicht die Erkrankten!

In Österreich werden täglich ein bis zwei HIV-Neudiagnosen gestellt. Allerdings klaffen der Zeitpunkt der Infektion und jener der Diagnose meist weit auseinander. Aids Hilfe Wien setzt auf Vorsorgeprojekte und prangert die noch immer vorherrschende Diskriminierung an. 

„Das Thema HIV und AIDS ist aktuell im Wandel. Wir haben auf der einen Seite großartige medizinische Fortschritte, auf der anderen Seite stehen wir aber vor neuen Herausforderungen und manch altbekanntem Problem“, fasste Aids Hilfe Wien Obmann Wolfgang Wilhelm bei einer Pressekonferenz in Wien die aktuelle Situation 2018 zusammen. „Bekämpft AIDS, nicht Menschen mit AIDS.“ Noch immer erschreckend ist nämlich die Diskriminierung Erkrankter. Das HIV-Outing von Conchita hat gezeigt, dass HIV zwar medizinisch gesehen zur gut behandelbaren chronischen Infektion geworden ist, aber Betroffene nach wie vor Anfeindungen ausgesetzt sind

Um mehr Verständnis zu schaffen, werden von der Aids Hilfe Wien Kooperationsprojekte durchgeführt,  u.a. bei der Keith Haring Ausstellung der Wiener Albertina, in Form von HIV-Teststationen beim Life Ball, bei einem Themen-Wettbewerb an der Modeschule Hetzendorf, bei der Europäischen HIV- Hepatitis Testwoche oder bei der am 1.12. startenden Social Media Kampagne „Hosen Runter“. Prävention ist ein wichtiges zielgruppenspezifisches Thema, aber auch der Jugend. Es gibt in Österreich viele engagierte Projekte zur Sexualpädagogik, aber nicht flächendeckend. „Daher fordert die Aids Hilfe Wien umfassende Sexualpädagogik, um Menschen aller Geschlechter in die Lage zu versetzen, ihre Sexualität frei, aufgeklärt und selbstbestimmt zu leben. Denn dies ist die Voraussetzung für realistische Risikoeinschätzung, für die konsequente Anwendung von Präventionsmaßnahmen und für partnerschaftliches Risikomanagement“, so AHW-Obmann Wolfgang Wilhelm.

Seit Sommer dieses Jahres  sind HIV-Selbsttests rezeptfrei in österreichischen Apotheken erhältlich. Dabei handelt es sich um einen Schnelltest, der speziell für die Laienanwendung zu Hause konzipiert ist.  Beide verfügbaren Antikörpertests können 12 Wochen nach dem letzten Risikokontakt eine HIV-Infektion feststellen oder ausschließen. So lange dauert es mitunter, bis sich Antikörper gebildet haben, die der Test dann nachweist. Durch einen Stich in die Fingerkuppe wird ein Bluttropfen entnommen und binnen weniger Minuten der HIV-Status angezeigt.  Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, betont: „Ein positiver HIV-Selbsttest bedeutet noch keine HIV-Diagnose! Sollte der HIV-Selbsttest ein positives Ergebnis anzeigen, muss dieser durch einen spezifischen Labortest verifiziert werden. Die Apotheker raten in solchen Fällen, rasch einen Arzt und/oder ein Behandlungszentrum der Österreichischen AIDS Gesellschaft (ÖAG) bzw. der Aids Hilfe aufzusuchen.“

Gesundheitsredaktion, Kronenzeitung

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