Sa, 17. November 2018

Zweimal in Österreich

21.10.2018 07:00

Hans Zimmer orchestriert seine „Tagebücher“

Mit „The World Of Hans Zimmer“ vertont der legendäre Komponist sein musikalisches Tagebuch mit einem Orchester und geht damit auf große Tour. Im April 2019 wird das Monsterprojekt auch in Wien und Graz präsentiert. Warum Zimmer selbst nicht dabei ist, welchen Einfluss er auf die Welt der Filmmusik hat und wieso das Programm so einzigartig ist, das verrät er uns im Interview.

Wenn man an legendäre Filme wie „König der Löwen“, „The Dark Knight“, „Interstellar“ oder „Fluch der Karibik“ denkt, dann werden die am geistigen Auge vorbeiziehenden Bilder durch markante Klänge verstärkt. Heroisch, zurückhaltend, fröhlich, beschwingt, melancholisch oder fordernd - keine Filmszene in der reichhaltigen Geschichte Hollywoods könnte ohne den passenden Soundtrack zu einem derartigen Kultstatus gelangen. Zu den profiliertesten und berühmtesten Komponisten zählt der in Frankfurt geborene Hans Zimmer, der in seiner reichhaltigen Karriere auf einen Oscar, drei Grammys und zwei Golden Globes zurückblicken kann und die Filmmusik wie kein zweiter nachhaltig revolutionierte. Es ist vor allem ihm zu verdanken, dass der Soundtrack zur Blockbuster-Bebilderung seit einigen Jahren auch als eigene Marke wahrgenommen wird.

In Wien und Graz
„Aus einer solchen Nische herausgeholt haben die Musik aber Komponisten wie Ennio Morricone und John Williams“, erklärt Zimmer im Interview in London, „ich habe bei meinen Konzerten absichtlich keine Ausschnitte aus Filmen gezeigt, weil ich wollte, dass die Menschen ihre Fantasie benutzen und eigene Filme im Kopf erzeugen sollten. Wenn man so will untermale ich mit meiner Musik die Filme des Publikums.“ Aus dieser so wichtig gewordenen Tradition brach er mit seinem neuen Programm „The World Of Hans Zimmer - A Symphonic Celebration“ bewusst aus. Ende April begann die ambitionierte Konzertreise in Deutschland, nach dem durchschlagenden Erfolg geht es im Frühjahr 2019 weiter. Am Plan stehen auch zwei Österreich-Termine - der 12. April in der Wiener Stadthalle und der 13. April in der Stadthalle Graz.

Zimmer ist nicht nur Kurator, sondern auch musikalischer Leiter des Projekts. Im Gegensatz zu seiner (auch in Österreich gefeierten) „Live“-Tournee, bei der er selbst aufgetreten ist, setzt man weniger auf die elektronischen Klänge und mehr auf die pure Kraft des Orchesters. In monatelanger Feinarbeit hat der bekennende Perfektionist Zimmer höchstpersönlich opulente Konzertsuiten zu seinen Soundtracks erstellt. Werke, wie der mit dem Oscar prämierte Score zu „König der Löwen“ oder „Gladiator“ wurden mal mehr, mal weniger neu arrangiert. „Wir haben lange darüber diskutiert, was wir verwenden würden und was nicht. Ich wollte etwa unbedingt den Score zum Formel-1-Film ,Rush‘ drinnen haben. Auf YouTube habe ich gesehen, dass jemand ein Video zum Sound animiert hat und das fand ich großartig. Bei dieser orchestralen Umsetzung geht es nicht nur um die Filme an sich. Am Ende haben wir auf der Bühne sieben Leinwände und können eine ganz neue Erfahrung daraus kreieren.“

Rock’n’Roll-Orchester
Beim Aussortieren der Filme verhalf ihm im Vorfeld Gavin Greenaway. Mit dem Briten verbindet ihn eine 25 Jahre andauernde Arbeitsbeziehung, die längst in eine handfeste Freundschaft übergegangen ist. „Ich traue Gavin mehr zu als mir selbst“, lacht Zimmer, „er hat extrem stark aussortiert und das Projekt auf Schiene gebracht.“ Wie bei Hans Zimmer üblich, versinkt das Orchestrale aber nicht im Kitsch, sondern geht in eine ganz andere Richtung. Mitverantwortlich dafür ist das weißrussische Symphonieorchester des Bolschoi Staatstheaters. „Wir haben mit ihnen fast Rock’n’Roll gespielt“, erinnert er sich mit leuchtenden Augen an die frühen Tage im Produktionsstadium zurück, „sie sprechen gemeinhin weder Englisch, noch Deutsch und wir können kein Russisch. Also haben wir uns über die Musik verständigt. Das Orchester steht auf jeden Fall klar im Vordergrund der Produktion.“

Sechs Trucks transportieren Tag für Tag die Bühnenelemente, neben dem Orchester und Dirigent Greenaway brilliert eine ganze Armada an famosen Solisten und Instrumentalkünstlern aus aller Herren Länder. Für Dirigent Greenaway allabendlich eine große Herausforderung. „Anfangs habe ich manche nicht gesehen und sie mich nicht, da mussten wir das Setup ändern. Dann war zu Beginn ein Licht so direkt auf mich gerichtet, dass ich überhaupt nichts mehr sehen konnte. Das sind alles Kinderkrankheiten, die man mit viel Geduld ausmerzen muss. Der schlimmste Moment eines Konzerttages ist immer die Zeit zwischen Ankunft und Soundcheck, weil du immer verunsichert bist, was dich hier erwartet. Ist der Soundcheck erledigt, dann ist alles gut.“ Dabei wäre Greenaway fast gar nicht an Bord gewesen. „Anfangs wollte ich das Projekt nicht in die Hand nehmen, aber am Ende hat es doch zu viel Spaß gemacht.“

Oper des 20. Jahrhunderts
„The World Of Hans Zimmer“ verspricht jedenfalls, ein besonderes Erlebnis für alle Sinne zu werden. „Was ihr alle bei diesem Konzert hört, ist mein musikalisches Tagebuch“, verspricht Zimmer, der aber nicht nur die größten Hits ins das Programm hievte, sondern auch weniger bekannten Soundtracks den Vortritt lässt. So gibt es etwa Musik zu den nicht ganz so einträglichen Filmen wie „Spirit“ oder „The Holiday“ zu hören. „Ich nenne sie immer meine ,Guilty Pleasures‘. Der Faden des Programms zieht sich im Prinzip durch all die Scores, die ich sehr gerne mag. Der Film ist für mich die Oper des 20. Jahrhunderts. Filmmusik war dabei immer im Hintergrund, aber wir wurden lauter und frecher und haben nun unser eigenes Publikum. Die Musik löste sich vom Film und machte sich quasi selbstständig.“

Dass Zimmer wirklich nicht selbst auf der Bühne zu sehen sein wird, bekräftigt er auf Nachfrage. „ich habe momentan einfach überhaupt keine Zeit dafür und arbeite an mehreren Filmen - gehe also meiner eigentlichen Tätigkeit nach. Ich bin maximal irgendwo als Zuschauer zu Gast. Das fällt mir mittlerweile leichter. Als ich das fertige Produkt das erste Mal sah, kamen mir nur Sachen in den Sinn, die noch zu verbessern wären, beim zweiten Mal konnte ich die Show dann endlich auch genießen.“ So sicher ob Zimmers in Stein gemeißelter Absenz ist sich Freund Greenaway aber nicht. „Ich kenne Hans. Er taucht immer wieder mal dort auf, wo man es nicht für möglich hält. Die Chance, dass er wo dabei sein wird, ist immer gegeben…“

Karten für „The World Of Hans Zimmer“ am 12. April in Wien und am 13. April in Graz erhalten Sie ab Montag, 22. Oktober, bei www.oeticket.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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