Mo, 10. Dezember 2018

Währungsfonds warnt:

04.10.2018 12:07

Neue Risiken im Netz gefährden Finanzstabilität

Der Internationale Währungsfonds warnt vor neuen Risiken für die globale Finanzstabilität. In den zehn Jahren seit dem Höhepunkt der großen Finanzkrise seien zwar erhebliche Fortschritte gelungen, um das weltweite Finanzsystem weniger anfällig zu machen, erklärte der IWF. Es bleibe aber viel zu tun, nicht zuletzt wegen neuer Risiken etwa in Verbindung mit den neuartigen Fintech-Firmen, die im Zuge der Verlagerung der Geldströme ins Internet an Bedeutung gewinnen, und der Cyber-Sicherheit.

Auch rein wirtschaftlich und finanzpolitisch seien die Folgen der Finanzkrise vielerorts noch spürbar. Das gelte für das höhere Niveau der Staatsschulden sowie die Einbußen in der Wachstumskraft und der Produktivität.

Durchschnittliche Staatsschulden stark gestiegen
In vorab veröffentlichten Teilen seines Weltwirtschaftsausblicks und des Finanzstabilitätsberichts führte der IWF an, dass die durchschnittliche Staatsschulden-Quote in der Welt auf aktuell 52 Prozent gestiegen sei von 36 Prozent vor der Finanzkrise. Die Bilanzen der Zentralbanken, gerade in den Industrieländern, hätten sich wegen deren umfangreicher Anti-Krisen-Maßnahmen auf ein Vielfaches früherer Werte aufgebläht. Der Anteil der Schwellen- und Entwicklungsländer an der Weltwirtschaftsleistung wuchs auf rund 60 Prozent von 44 Prozent vor zehn Jahren. Die Gewichte hätten sich verschoben.

Reichere Länder kamen besser durch die Krise
Grundsätzlich seien Länder, die - wie Deutschland - vor der Krise über relativ komfortable Finanzpositionen verfügten oder über ein flexibles Währungsregime, besser durch die schwierigen Zeiten gekommen, vermerkte der IWF. Auch hätten offenbar Länder, die rasch und entschieden Schritte zur Gesundung ihres Bankensektors unternahmen, Einbußen in Grenzen gehalten. Die außerordentlichen Maßnahmen, gerade auch der Geldpolitik, hätten geholfen, eine zweite große wirtschaftliche Depression zu verhindern. Sie hätten aber auch, wie die lange Phase extrem niedriger Zinsen, neue Verwundbarkeiten geschaffen. Dagegen gelte es, sich mit neuen Puffern besser abzusichern.

„Regulierer müssen Selbstzufriedenheit vermeiden“
Trotz der erfolgten Eingriffe gibt es bei der Verschärfung der Kapital- und Aufsichtsregeln laut IWF noch einiges zu tun. Zugleich türmten sich neue Aufgaben für die Regulierung auf. „Die Regelsetzer und Aufseher müssen in der Lage sein, auf neue Bedrohungen zu reagieren“, forderte der IWF. Dabei warnte er vor einer wachsenden Regulierungs-Unlust, einem Zurückfahren von Vorgaben und abnehmender internationaler Zusammenarbeit. „Vor allem müssen die Regulierer Selbstzufriedenheit vermeiden“.

Cyber-Sicherheit wird immer kritischeres Thema
„Neue Risiken bilden sich“, betonte der IWF - und schließt sich mit dieser Einschätzung der Europäischen Zentralbank EZB an. Das gelte zum Beispiel für den Derivate-Handel, wie auch die wachsende Bedeutung von Nicht-Banken-Akteuren im Finanzbereich, die etwas abseits der Aufsicht agierten. „Die Fintechs haben sich rasant entwickelt“, erklärte der Fonds. Die damit verbundenen Risiken seien dabei noch nicht voll erkannt. Zudem verwies der IWF auf Cyber-Sicherheitsrisiken, die die Finanzinstitutionen und ihre Infrastruktur bedrohten. Regulierer und Aufseher müssten daher wachsam sein und bereit zu handeln, wenn es nötig werde. „Risiken tendieren dazu, sich in guten Zeiten, wie der gegenwärtigen Phase niedriger Zinsen (...) aufzubauen und sie können in ganz neue Bereiche vordringen“. Daher müssten die Aufseher wachsam bleiben.

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