30.09.2018 16:24 |

Grazer Oper:

Doppelpack zum Saisonstart

Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ und Ruggero Leoncavallos „Pagliacci“ werden ob ihrer Kürze ja oft und zu einem Opernabend zusammengespannt. Selten aber gelingt das mit so klugen Querverweisen wie in Lorenzo Fioronis Inszenierung. Für musikalische Höhenflüge sorgen Chefdirigentin Oksana Lyniv, das Sänger-Ensemble und die Grazer Philharmoniker.

Lorenzo Fioroni verbindet die beiden eigentlich sehr unterschiedlichen Werke nicht nur stilistisch zu einem Ganzen, indem er oft unerwartete Verbindungen aufzeigt. Genial der Anfang von „Pagliacci“ nach der Pause, der zugleich das blutige „Cavalleria“-Ende fortführt. Der Regisseur zeigt nicht nur die gekränkte Männlichkeit, die sich durch beide Opern zieht, er zeichnet eine Gesellschaft, die strengen Regeln folgt. Zuerst ist es die Religion, deren Vorgaben nicht hinterfragt werden, dann auch eine Macho-Welt, die Frauen zum Besitz ihrer Männer erklärt.

Verschobene Realitätsebenen
Diese Strukturen seziert er mit den Mitteln des Theaters - weniger mit denen der Oper als vielmehr mit postdramatischen Formen aus der Freien Szene. Wenn Chormitglieder bei der Wiederholung des Intermezzo in „Cavalleria rusticana“ ein Mikrofon erobern, um ihre Befindlichkeiten loszuwerden, ist das eine davon. Auch der Einsatz von Videos, das Platzieren des hervorragenden Chors im Publikum und das Verschieben der Realitäten, besonders in der Theaterszene in „Pagliacci“, gehören dazu.

Das Ergebnis ist die messerscharfe Analyse einer einengenden Gesellschaft - deutlich gemacht durch die ständige Präsenz des Chores selbst bei intimen Szenen - und der Frauenfeindlichkeit in einer vermeintlich aufgeklärten Welt. Den spektakulären Rahmen für diese Interpretation liefern das eindrucksvolle Bühnenbild Paul Zollers und die Kostüme von Annette Braun.

Großartiges Ensemble
Das alles ist an sich schon spannend, wird aber durch Oksana Lyniv und ihre groß aufspielenden Grazer Philharmoniker in einen emotionalen Sturm verwandelt. Dieses musikalische Wechselbad der Gefühle liegt auch den Sängern - allen voran Aldo di Toro, der als Turiddu/Canio tenorale Pracht entfalten kann. Als Alfio/Tonio gefällt Audun Iversen nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch. Ezgi Kutlu ist eine etwas hysterische Santuzza mit schönem Mezzo, Aurelia Florian (seit heuer im Ensemble) eine wunderbare Nedda mit einem strahlend weichen Sopran und Neven Crnić ein lyrischer Silvio. Cheryl Studer als Lucia, Mareike Jankowski als Lola, Clown Jörn Heypke und Martin Fournier als Beppo ergänzen das ausgezeichnete Ensemble.

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