"Krone": Herr Minister, in wenigen Tagen werden Sie Österreich beim Klimagipfel in Kopenhagen vertreten. Was sind Ihre Ziele?
Niki Berlakovich: Wir verhandeln Dienstag, Mittwoch und Donnerstag mit großer Zuversicht, Österreichs Interessen zu vertreten, nämlich die Treibhausgase zu reduzieren, verknüpft jedoch mit der Erwartung, dass auch die anderen Industrieländer der Welt ihre Verantwortung wahrnehmen. Letztendlich geht es um die Sicherung der Menschheit.
"Krone": Für die meisten Regierungen der Welt ist Atomenergie ein Teil der Lösung. Werden Sie das Thema zur Sprache bringen?
Berlakovich: Für Österreich ist Kernenergie keine Option, auch nicht im Hinblick auf den Klimaschutz. Das habe ich bereits klar deponiert, obwohl man sagen muss, dass Länder, die auf Atomstrom setzen, wie zum Beispiel Frankreich, die Kyoto-Ziele erreichen und wir nicht.
"Krone": Daher müssen wir Strafen in Milliardenhöhe zahlen. Kann das der Weg der Zukunft sein?
Berlakovich: Wir haben uns verpflichtet, bis zum Jahr 2012 unsere Treibhausgase um mindestens 13 Prozent zu reduzieren. Das war ein sehr ehrgeiziges Ziel, und falls wir es nicht erreichen, müssen wir sogenannte "Verschmutzungsrechte" kaufen. Wie hoch ihr Preis ist, kann jetzt niemand seriös abschätzen, weil er sich nach dem aktuellen Marktwert für eine Tonne Kohlendioxid richtet. Derzeit hält der Preis bei 15 Euro pro Tonne.
"Krone": Falls keine Wunder geschehen, wird Österreich das Kyoto-Ziel deutlich verfehlen. Warum haben wir uns derart überschätzt?
Berlakovich: Im Bereich Landwirtschaft erreichen wir beispielsweise die Reduktionsziele sehr wohl. Schwierigkeiten haben wir in den Bereichen Industrie, Wohnbau und Verkehr. Dabei muss man das Problem des Tanktourismus hervorheben: Da der Sprit bei uns günstiger ist als in Nachbarländern, wird er zu einem Drittel in Österreich gekauft, aber außerhalb der Grenzen verbraucht. Für die Errechnung der Emissionen zählen jedoch nur die Verkaufszahlen. Ansonsten könnte uns auch beim Verkehr die gewünschte Reduktion gelingen.
"Krone": Somit kommt uns der billige Sprit teuer?
Berlakovich: Dem Finanzminister würde ohne Tanktourismus eine Milliarde Euro fehlen, andererseits kann es sein, dass wir auch so viel für den Kauf der Verschmutzungsrechte ausgeben müssen. Hier wird man sehr genau abwägen und vielleicht neue Überlegungen anstellen müssen.
"Krone": Zusätzlich zu den Verschmutzungsrechten muss Österreich seit einigen Jahren "grüne Zertifikate" kaufen. Wie viel Geld geben wir dafür aus?
Berlakovich: Wir kaufen jährlich neun Tonnen Kohlendioxid durch die Zertifikate zu, das heißt, wir werden im Verpflichtungszeitraum von 2008 bis 2012 um die 500 Millionen Euro in die Hand nehmen. Mit dem Geld werden nachhaltige Klimaschutzprojekte in anderen Ländern finanziert, wobei jedoch österreichische Firmen beteiligt sind. Somit kommt es uns allen zugute, und es handelt sich nicht um reine heiße Luft wie bei den Verschmutzungsrechten.
"Krone": Finden Sie, dass entwickelte Schwellenländer wie zum Beispiel China oder Indien in gleichem Ausmaß Zertifikate kaufen müssen wie jene Länder, die seit Jahrzehnten industrialisiert sind und somit den Klimawandel maßgeblich verursacht haben?
Berlakovich: Diese Länder sollen nicht die gleichen Fehler machen wie die Industrieländer und dieselben stinkenden Stahlwerke bauen. Es gibt einen neuen Stand der Technik, den sie von Beginn an übernehmen können. Zusätzlich fordern wir jedoch auch einen finanziellen Beitrag ein, mit dem armen Ländern bei ihren Klimaschutzmaßnahmen geholfen werden kann.
"Krone": Die USA wollen sich erstmals zu Klimaschutzmaßnahmen verpflichten: Ist die von Barack Obama angebotene Reduktion um 17 Prozent ein akzeptables Angebot?
Berlakovich: 17 Prozent sind für die Vereinigten Staaten zu wenig. Diese sind nämlich auf das Jahr 2005 bezogen, während bei uns allen das Jahr 1990 schlagend ist. Rechnet man nun die 17 Prozent der Amerikaner auf das Jahr 1990 um, ergeben sie nur vier Prozent. Österreich bietet zum Vergleich bis 2020 eine Reduktion der Treibhausgase um 20 Prozent an, die sogar auf 30 Prozent erhöht werden könnten.
"Krone": Glauben Sie, dass die Menschen durch die Wirtschaftkrise automatisch weniger Energie verbrauchen?
Berlakovich: Die Krise kann man durchaus als Chance für den Klimaschutz sehen, weil die Menschen bewusster Energie verbrauchen und wir auch unsere Wirtschaft neu ausrichten. Wir müssen umdenken.
"Krone": Reicht die Zeit? Manche Nachrichtenmagazine beschwören bereits das Ende unserer Welt.
Berlakovich: Es ist nie zu spät, und wir haben keine Alternative. Jeder Einzelne kann und muss seinen Beitrag leisten. Klimaschutz muss so selbstverständlich sein wie Zähneputzen.
"Krone": Die Österreicher gelten ohnehin als vorbildhaft, wenn es um den Umweltschutz im privaten Bereich geht. Wo liegt noch großes Einsparungspotential?
Berlakovich: In meinem Ministerium haben wir errechnet, dass sich ein normaler Haushalt durch vernünftiges Heizen, Lüften und Nutzung von Elektrogeräten bis zu 600 Euro im Jahr sparen kann. Das ist bares Geld und schützt unsere Umwelt. Außerdem ist Österreich nach wie vor Umweltmusterland: gentechnikfrei und mit dem höchsten Anteil an biologischer Landwirtschaft.
"Krone": Wird es im Hause Berlakovich im burgenländischen Nebersdorf heuer Weihnachtsbeleuchtung geben?
Berlakovich: Nein, darauf verzichten wir in Hinblick auf den Klimaschutz, wir schmücken den Christbaum mit Wachskerzen. Ich werde über Weihnachten auch nicht wegfahren, sondern ein paar ruhige Tage mit meiner Familie genießen.
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