Mo, 24. September 2018

Philipp Scheucher:

17.08.2018 12:50

Von Weiz in die Welt

Erst im Sommer hat der 25-jährige Philipp Scheucher sein Studium an der Grazer Kunstuni abgeschlossen - und ist dennoch bereits einer der international gefragtesten heimischen Pianisten. Wir sprachen mit ihm über den vergangenen Lebensabschnitt, seine neuen Pläne und darüber, wie man als Weizer die Welt erobert.

Gleichzeitig zu studieren und als Künstler auf internationalen Bühnen zu stehen, das klingt nach einer enormen Doppelbelastung. Sind Sie erleichtert über Ihren Studienabschluss?
Naja, ich habe das Studium eigentlich nie als Belastung erlebt. Es war für mich eher persönlichkeitsbildend, und ich habe gerade durch die äußeren Zwänge der Ausbildung viele Dinge entdeckt, die mir alleine entgangen wären. Außerdem ist man gerade in einem künstlerischen Fach im Grunde ein lebenslanger Student. Aber sicher bin ich froh, dass jetzt manche Dinge wie Terminplanung, Organisation oder Prüfungen wegfallen - man hat etwas weniger zusätzlich mitzudenken.
Sie haben bei Markus Schirmer, den Sie als Ihren Mentor bezeichnen, studiert. Wie hat er Ihre Sicht auf die Musik geprägt?
Ich kenne ihn schon sehr lange, weil ich schon 2008 als Vorstudent bei ihm angefangen habe. Wir stehen uns menschlich sehr nahe. Bei ihm gibt es keine rein technische Maschinenproduktion, wie es heute leider auch oft an Unis vorkommt. Er ist immer auf das Allgemeine, das menschliche Verstehen der Musik ausgerichtet. Wir verstehen uns so gut, dass oft keine Worte, sondern nur noch Gesten notwendig waren, wenn ich mit ihm gearbeitet habe.
Laut Ihrer Website leben Sie trotz internationaler Karriere derzeit in der, pardon, nicht gerade Weltstadt Weiz. Wie geht man als Künstler mit dem Spannungsfeld „regional-international“ um?
Ich habe mich da schnell adaptiert. Man kommt als Musiker ja gezwungenermaßen sehr viel herum. Für mich war das immer normal und keine Belastung. Das Elternhaus zuhause in Weiz ist für mich dann immer ein Ruhepunkt, wo ich meinen eigenen Flügel habe, üben und mich selbst verwirklichen kann. Ich ziehe wegen einer weiterführenden Ausbildung aber sowieso bald um, nach Deutschland.
Was erwartet Sie dort?
Es ist ein Konzertfach-Examen auf Diplom für Pianisten mit Masterabschluss. Da fallen dann alle Nebenfächer weg, man hat ausschließlich persönliche, künstlerische Betreuung. Ich freue mich da schon sehr auf die neuen Eindrücke und Impulse. Mit Zuhause bleibe ich aber immer in Kontakt.
Es ist zu lesen, dass Sie eine besondere Verbindung zur Musik Beethovens verspüren, aber auch viele zeitgenössische Komponisten schätzen. In welche Richtung wird die Reise künstlerisch gehen?
Für Herbst ist eine CD mit bildhaftem Repertoire wie den „Bildern einer Ausstellung“ von Mussorgsky oder Strawinkys „Petruschka-Suite“ geplant. Ich bin dieser malerischen Musik sehr verbunden. Auch aus heutiger Sicht versucht man ja, etwa in der Popmusik, immer Musik mit Bildern zu verbinden, Geschichten zu erzählen und außermusikalisches Material einfließen zu lassen. Das klassische Repertoire steht aber als Fixpunkt immer hinter einem, das ist klar! Ob ich bald wieder etwas in Richtung Neue Musik mache, wird sich dann konkret zeigen.
Wie lauten Ihre Pläne für den Rest des Sommers? Entspannen nach dem Studium?
Nein, üben! Ich spiele bald bei der Calgary-Competition in Kanada. Da gibt es keine Verschnaufpause! (lacht)

Felix Jurecek, Kronen Zeitung

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