Am 25. Mai will der Bulgare mit einem Bekannten nur eingereist sein, um "geschäftliche Angelegenheiten" zu regeln. In Pachfurth (Bezirk Bruck an der Leitha) habe er zudem nur Kirschen gepflückt. Laut Sebek beabsichtigte er aber wohl schon bei der Einreise, einen Raub zu begehen. Der 48-Jährige spionierte daher gleich nach der Einreise die Gegend im Bezirk aus, so die Staatsanwältin. Seine Wahl fiel auf den gut besuchten Heurigen in Pachfurth. Am Abend zum Pfingstmontag am 1. Juni habe er das Lokal beobachtet. Nachdem der letzte Gast gegangen war, betrat er es laut Anklage und bedrohte das Ehepaar mit einer Pistole. Dann gab er vier Schüsse auf den 50-jährigen Besitzer ab.
Tochter überlebt Schüsse mit knapper Not
Die Tochter, die sich mit ihrem Freund im Obergeschoß befunden hatte, kam aufgrund der Schreie ihrer Mutter die Stiege herunter und sah, dass der bewaffnete Täter die 49-Jährige umklammerte. Als die 21-Jährige flüchten wollte, schoss ihr der Täter in den Rücken. Ohne rasche Erstversorgung wäre die junge Frau gestorben, betonte Sebek. Schwer verletzt auf den Stiegen liegend hörte sie ihre Mutter schreien - und dann einen Schuss. Anschließend stieg der Täter über die 21-Jährige, die sich tot stellte, hinweg, durchsuchte die Räume und stahl schließlich die Tageslosung (1.500 Euro). Der Freund der 21-Jährigen, der inzwischen über den Balkon auf das Dach geflüchtet war, sah noch einen weißen Wagen ohne Beleuchtung durch die Straße fahren.
Staatsanwältin von Schuld überzeugt
"Die Beweise werden den Angeklagten überführen", sagte Sebek und verwies unter anderem auf eine DNA-Spur an der Hintertür und eine an der Kleidung der getöteten Frau. Außerdem wurden am Tatort 9-mm-Patronenhülsen gefunden, die 1984 entweder in der damaligen UdSSR oder in Bulgarien produziert worden waren. Bei seiner Festnahme habe der Mann 2.300 Euro Bargeld bei sich gehabt, davon Geldscheine mit österreichischen Nummern im Wert von etwa 1.000 Euro. Und: Wie Kriminalbeamte bei ihrer Befragung vor Gericht aussagten, wurde der Mann von der Tochter eindeutig identifiziert, nachdem ihr 14 Fotos vorgelegt worden waren, davon Porträts von elf willkürlich ausgewählten Männern sowie Bilder des Beschuldigten.
Pflichtverteidiger will Widersprüche aufdecken
Der Pflichtverteidiger verwies indes darauf, dass er erst am 11. November dazu bestimmt worden war, den Angeklagten zu vertreten. Unter Hinweis darauf, dass die gefundene DNA eine "Mischspur" sei und die Tochter von einem Täter, "etwa gleich groß wie ihre Mutter" gesprochen habe - sein Mandant aber deutlich größer sei -, stellte er die Frage in den Raum, ob die Beweise für eine Verurteilung reichen. Später kritisierte der Angeklagte zudem, dass sein Fragerecht im Prozess nicht ausreichend beachtet würde. Ein Antrag des Verteidigers, die Richterin wegen Befangenheit abzuziehen, wurde vom Gericht übrigens abgelehnt.
Die Befragung des Angeklagten dauerte knapp eineinhalb Stunden. Zur Sprache kam dabei auch die Biografie des 48-Jährigen. Laut Richterin Karin Santa lebte er von 1979 bis 2007 in Deutschland, davon habe er 13 Jahre wegen Eigentumsdelikten in Haft verbracht. "Probleme" habe es auch bei einem Aufenthalt in der Schweiz gegeben, in Bulgarien sei ein Verfahren anhängig - "zu Unrecht", meinte der in Österreich Unbescholtene, der einen Waffen- und Jagdschein hat, nach eigenen Angaben aber keine Waffe besitzt.
Begleiter hat angeblich von Bluttat nichts bekommen
Am Nachmittag wurde dann die Aussage jenes – nicht vor Gericht erschienenen – Bulgaren verlesen, der den Angeklagten nach Österreich begleitet hatte. Er sei rein "aus Interesse" mitgefahren, eine Waffe habe er nicht zu Gesicht bekommen. Am Abend des 1. Juni sei er im Wagen eingeschlafen und wisse daher nicht, wann und wo der 48-Jährige angehalten hatte. Dieser weckte ihn dann gegen 2.00 oder 3.00 Uhr früh für eine Kaffeepause. Als er aufwachte, sah er im Fahrzeug eine Handvoll Kirschen. Der 48-Jährige erzählte, das Obst gepflückt zu haben. Dabei sei er vom Baum gefallen, was Schürfwunden im Gesicht und die schmutzige Kleidung erkläre.
Zeuge schildert auffällige Begegnung mit weißem Pkw
Ein Niederösterreicher erklärte anschließend als Zeuge, dass er am Tattag in Pachfurth mit seiner Frau unterwegs gewesen war, als ihm ein kleiner weißer Pkw mit bulgarischem Kennzeichen und zwei männlichen Insassen auffiel. Dieser sei "extrem" langsam durch den Ort gefahren, habe dann aber plötzlich beschleunigt und sei daraufhin "zielstrebig" abgebogen. Als später nach dem Pkw gefahndet wurde, erinnerte er sich an diese Beobachtung.
Weitere Zeugenaussagen am Freitag - Urteil am Montag?
Dem Prozessfahrplan nach sind für den Freitag weitere Zeugen geladen, die das verdächtige Fahrzeug wahrgenommen hatten. Anschließend sollen die Gutachter zu Wort kommen. Am Montag ist dann geplant, per Video die Aussage der Tochter der Mordopfer zu zeigen. Befragt werden soll dem Vernehmen nach auch ihr Freund, der auf das Dach des Hauses geflüchtet war und dann die Rettung verständigt hatte. Danach sollte es zu einem Urteil kommen.








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