Hochschul-Probleme

Uni-Gipfel: Clowns und neue Dialoge in Arbeitsgruppen

Österreich
25.11.2009 18:52
Zu den Klängen von "Oh When the Saints Go Marching In" sind am Mittwoch die Vertreter der Audimax-Besetzer in den von Wissenschaftsminister Johannes Hahn initiierten Hochschuldialog eingezogen. Die Besetzer hatten drei Witzfiguren aufgestellt, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Der große Wurf war der Mini-Gipfel nicht, denn viel mehr als Bekenntnisse zu weiteren Dialogen in Arbeitsgruppen sind nach rund drei Stunden nicht übriggeblieben.

Auf einem mitgebrachten roten Teppich marschierten "Die Drei", die Sonnenbrillen und T-Shirts mit der Aufschrift "Eine(r) von vielen" trugen, in die Aula der Wissenschaften. Mitgebracht hatten sie Musiker, Clowns, Luftballons und Fans - eine trug ein Transparent mit der Aufschrift "Die Drei - Ich will ein Kind von euch".

"Die Drei" wurden von den Audimax-Besetzern nach langer Diskussion als entpersonalisierte Protest-Vertreter nominiert. Zu ihren Identitäten ist nichts bekannt, ebenso durften die Besetzer-Vertreter nicht verhandeln oder Forderungen vorbringen. Sie wohnten dem Dialog als sprechende Protest-Denkmäler bei.

"Es ist nur über Geld geredet worden"
Hahn hatte den Aufmarsch der Straßentheater-Aktivisten vor der von Sicherheitsleuten bewachten Aula der Wissenschaften zunächst nicht mitbekommen. Er wählte - wie schon bei der Boku-Eröffnung im Oktober - den Weg durch einen Nebeneingang. Vor Beginn der Mammutkonferenz appellierte er an die Besetzer, die Hörsäle zu räumen, solange man Gespräche führe. Für die drei sonnenbebrillten Studenten gab es am Ende aber Lob von Hahn. Sie hätten sich "sehr engagiert in den Diskurs eingebracht", sagte er.

Die Besetzer selbst sprachen von einem "Zirkus". Es sei nur über Geld geredet worden, nicht über Bildung. "Es war, als würden die Proteste gar nicht stattfinden." Den übrigen Teilnehmern des Hochschuldialogs warfen sie mangelnde Vorbereitung vor. "Wir können ihnen Nachhilfe geben oder uns verabschieden und unsere eigene Politik machen, was wohl eher im Sinne der Besetzungen wäre". Die Besetzungen will man weiterhin aufrechterhalten.

"Breiter, offener Dialog" in Arbeitsgruppen
Zum Hochschuldialog waren neben Unterrichtsministerin Claudia Schmied Vertreter der Sozialpartner, die Klubobleute und Wissenschaftssprecher der Parlamentsparteien, das Präsidium der Universitätenkonferenz, die Exekutive der Österreichischen HochschülerInnenschaft, die Vorsitzenden der einzelnen Studentenfraktionen, die drei Vertreter der protestierenden Studenten sowie Vertreter anderer akademischer Einrichtungen, die zuständigen Landesräte und Bildungs-Experten geladen.

Für eine "offensive Hochschulpolitik" bzw. eine "faktenbasierte Hochschulentwicklung" plädierten Hahn und Schmied nach der Veranstaltung. Besonderes Lob gab es von Schmied für die Österreichische HochschülerInnenschaft, die "sehr konkrete Themenstellungen" vorgelegt habe. Der "breite, offene Dialog" müsse weitergehen, betonte Schmied. Sie sei dafür, die Diskussion um zukünftige Uni-Strategien nun - wie von Hahn vorgeschlagen - in Arbeitsgruppen fortzuführen. Bis Juni kommenden Jahres soll es dabei zu "klaren Handlungsempfehlungen für die Politik" kommen, sagte Hahn, der dann schon längst in Brüssel sein wird.

ÖH kritisiert "Showveranstaltung" und setzt Ultimatum
"Wir sind bereit, uns aktiv an der Diskussion zu beteiligen, solange uns diese sinnvoll erscheint", sagte Sigrid Maurer vom ÖH-Vorsitzteam nach dem Mini-Gipfel. "Für eine Showveranstaltung, die den Eindruck einer Diskussion erwecken soll, stehen wir nicht zur Verfügung", stellte Maurer klar. Die ÖH setze Wissenschaftsminister Johannes Hahn daher ein Ultimatum: Bis Ende der Woche solle vereinbart werden, wie die von Hahn und Schmied angekündigten Arbeitsgruppen aussehen sollen, so Maurer. "Wenn wir damit nicht leben können, werden wir nicht teilnehmen."

Nach Vorstellungen der ÖH sollen Arbeitsgruppen zu den Themenbereichen Hochschulfinanzierung, Bologna und Curriculagestaltung, Bildungsökonomisierung, Frauen und Gleichbehandlung, Aufgaben der Hochschulen, Forschung und Wissenschaft, soziale Absicherung von Studierenden und prekäre Dienstverhältnisse, Bildungsbegriff und gesellschaftliche Relevanz von Bildung, Schulsystem und Übergang an die Hochschulen sowie Organisation und Demokratisierung der Hochschulen gebildet werden. Hahn sprach am Mittwoch von fünf Arbeitsgruppen, die aber noch im Dezember die Gespräche aufnehmen sollen. 

Glawischnig: "Hahn war nur Moderator"
Enttäuscht vom "Hochschulmonolog" zeigte sich hingegen die Grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig. Von Hahn habe sie sich "zumindest erwartet, dass er Lösungsvorschläge bringt", so Glawischnig. Bei der Veranstaltung lediglich als "Moderator" aufzutreten, sei zu wenig. Sie habe den Eindruck, dass Hahn bis zu seinem Wechsel nach Brüssel nur "die Zeit totschlägt". Der Rektor der Universität Wien, Georg Winckler, ortete beim Dialog einen Willen, bis Ende Juni 2010 Antworten zu den unterschiedlichen Fragen des Hochschulsektors zu finden. Dies sei realistisch - "wenn der politische Wille da ist". Als Termin für die nächsten Hochschuldialog nannte er das erste Quartal 2010.

Gegenveranstaltung nur zur Hälfte voll
Hahns Veranstaltung startete um 11.00 Uhr in der Innenstadt und dauerte bis zum späteren Nachmittag. Zu Mittag begann die von den Besetzern ausgerichtete Gegenveranstaltung namens "Echter Bildungsdialog" im Palais Kabelwerk in Wien-Meidling. Die Veranstaltung stand allen Interessierten offen. Ein Lokalaugenschein zu Beginn zeigte aber einen nur halb vollen Saal im Palais.

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