Fr, 20. Juli 2018

Insektengift-Allergie

20.06.2018 06:00

Kleiner Stich mit schweren Folgen

Picknicken oder Grillen im Freien - diese Freuden werden oft durch ungebetene Gäste getrübt. Wespen oder Bienen sind für Allergiker nicht nur lästig, sondern eine echte Gefahr. Wie man sich am besten verhält erklärten Experten auf einer Pressekonferenz in Wien.

Etwa jeder 30. Österreicher ist schwer allergisch gegen Insektenstiche. Rund 200.000 davon reagieren auf Wespen. Ein einziger Zwischenfall genügt, um innerhalb weniger Minuten in Lebensgefahr zu schweben. Im Akutfall: Ruhig bleiben und den Stachel, falls noch in der Haut, schnellstmöglich mit dem Fingernagel wegkratzen. „Wichtig für Allergiker ist es, in der warmen Jahreszeit immer Notfallmedikamente, wie einen lebensrettenden Adrenalin-Autoinjektor, mit sich zu führen“, rät Assoz.-Prof. Dr. Gunter Sturm, Leiter des Allergieambulatoriums am Reumannplatz in Wien und der Forschungsgruppe Klinische Allergologie an der Univ.- Hautklinik Graz. 

Punktgenaue Diagnose
Bei Verdacht auf eine Allergie sollte etwa einen Monat nach der Stichreaktion ein Allergietest durchgeführt werden. Dieser erfolgt am besten in Allergiezentren bzw. -ambulanzen in Spitälern sowie Ambulatorien oder bei einem spezialisierten niedergelassenen Facharzt.  „In den vergangenen Jahren hat sich die Diagnostik sehr stark verbessert. Mit der sogenannten Komponentendiagnostik lässt sich ganz gezielt herausfinden, welche Eiweiß-Bestandteile aus dem jeweiligen Gift für die Allergie verantwortlich sind“, so Priv. Doz. DDr. Wolfram Hötzenecker, Vorstand der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Kepler Universitätsklinikum in Linz. 

Sicherer Schutz
Eine korrekt ausgeführte allergen-spezifische Immuntherapie (AIT) kann vor einer übermäßigen Reaktion sicher wappnen. Dabei bekommt der Patient monatlich den Allergie-Auslöser über einen Zeitraum von drei, besser aber fünf Jahren, in den Oberarm injiziert. In anfangs steigender Dosierung (Aufdosierungsphase) gewöhnt sich der Körper langsam und nachhaltig an das Insektengift. Mit Erreichen der sogenannten Erhaltungsdosis sind die Patienten geschützt. „Die Erfolgsrate der AIT bei einer Wespengift-Allergie ist nahezu 100 Prozent“, erklärt Assoz. - Prof. Dr. Gunter Sturm.

Trotz der akuten Lebensgefahr suchen viele Patienten erst Jahre später einen Arzt auf - wenn überhaupt. Nur zwei von zehn der Behandlungsbedürftigen sind in Therapie. „Um ihre Lebensqualität langfristig zu verbessern und lebensgefährliche Situationen vorzubeugen, sollten Insektengift-Allergiker die Gefahr ernst und sich die Zeit für eine Therapie nehmen“, so der Apell der Experten.

Regina Modl, Kronen Zeitung

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