Manöver gestartet
Irans Elite-Armee probt Gegenschlag auf Israel
Im Streit um das iranische Atomprogramm, das möglicherweise den Bau von Atomwaffen zum Ziel hat, hat Israel einen Militärschlag gegen den Iran explizit nicht ausgeschlossen. Die Regierung in Jerusalem betrachtet einen nuklear gerüsteten Gottesstaat als Existenzbedrohung, hat aber selbst weder bestätigt noch dementiert, über Atomwaffen zu verfügen.
Luftwaffen-Chef droht mit Raketen
Der Chef der Luftwaffe der Revolutionsgarden, General Amir Ali Hajizadeh, bezeichnete die Haltung Israels am Sonntag als psychologische Kriegführung. "Wir sind davon überzeugt, dass sie nichts gegen uns unternehmen werden, weil sie unsere Reaktion nicht abschätzen können", sagte er auf der offiziellen Webseite der Revolutionsgarden. "Wenn ihre Kampfflugzeuge dem iranischen Flugabwehrsystem entkommen, werden ihre Stützpunkte von unseren Boden-Boden-Raketen zerstört, bevor sie landen."
Der iranische Verteidigungsminister General Ahmad Wahidi hat indes mit dem Beginn des Großmanövers die Entwicklung eigener Luftabwehrraketen angekündigt. Der Iran hat sich kürzlich darüber beschwert, dass Russland bestellte S-300-Luftabwehrraketen noch nicht ausgeliefert habe. Die Verzögerung ist möglicherweise Folge des Drucks seitens der USA und Israels vor dem Hintergrund um den Streit über das iranische Atomprogramm. Für die Verteidigung der iranischen Atomanlagen sind die paramilitärischen Revolutionsgarden zuständig. Die mehr als 125.000 Gardisten bilden neben der regulären Armee die zweite Säule der iranischen Streitkräfte.
Israel flog wieder Luftangriffe auf Gazastreifen
Von Israel gab es noch keine Reaktion auf das iranische Manöver. Tel Aviv steht derzeit wegen der wieder begonnen Siedlungstätigkeiten auf Palästinensergebiet und wegen neuer Luftangriffe auf militante Gruppierungen in der Kritik. Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind in der Nacht auf Sonntag zehn Palästinenser verletzt worden. Augenzeugen berichteten, drei Schmuggler-Tunnel im Süden des Gazastreifens seien von der Luftwaffe vollständig zerstört worden. Israelische Streitkräfte haben nach palästinensischen Angaben zudem im Westjordanland zum zweiten Mal binnen 24 Stunden ranghohe Vertreter der palästinensischen Sicherheitskräfte festgenommen.
Die israelische Militärsprecherin bezeichnete die Luftschläge als Reaktion auf einen Raketenangriff militanter Palästinenser am Samstagmorgen. Dabei war eine Kassam-Rakete auf unbebautem israelischem Gebiet in der Nähe der Stadt Sderot eingeschlagen. Noch am Samstagabend versuchten mehrere radikale palästinensische Gruppen offenbar, den befürchteten Angriff zu stoppen. Der Innenminister der den Gazastreifen kontrollierenden radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas, Fathi Hamad, kündigte an, seine Bewegung habe sich mit anderen militanten Fraktionen auf eine Feuerpause geeinigt. Zweck der Vereinbarung sei es, Vergeltungsangriffe zu vermeiden und den Wiederaufbau des Gazastreifens voranzubringen, sagte Hamad in Gaza.
Mubarak fordert Siedlungsstopp
Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak hat Israel derweil ungewöhnlich scharf wegen des Siedlungsbaus auf besetzten Gebieten kritisiert. In einer Ansprache im Parlament warf er der israelischen Regierung vor, "die Gelegenheit für den Frieden zu zerstören". Er forderte Israel auch dazu auf, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben. "Genug mit Ihrer Sturheit und Ihren Manipulationen - gehen Sie auf die Aufrufe zum Frieden ein", rief Mubarak am Samstag an die Adresse Israels gewandt.
Ein Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres am Sonntag endete aber ohne Ergebnisse. Mubarak verlangte in dem Gespräch einen vollständigen Baustopp in den Palästinenser-Gebieten. "Wir brauchen zuerst einen Siedlungsstopp in den besetzten Gebieten einschließlich Ost-Jerusalems." Aber auch in der Frage über Ost-Jerusalem als mögliche künftige palästinensische Hauptstadt gab es erneut keine Annäherung. "Wir wollen, dass dieses Thema am Verhandlungstisch besprochen wird", sagte Mubarak am Sonntag auf einer Pressekonferenz mit Peres in Kairo. Jerusalem sei nicht nur ein palästinensisches Problem, sondern betreffe die Muslime in aller Welt.
Mubarak warnte, Israel könnte sich alle Muslime zu Feinden machen, falls in der Jerusalem-Frage keine Lösung gefunden werde. Peres gestand ein, dass es in diesem Punkt Differenzen gebe. Allerdings sei es möglich, dass diese "überwunden" werden könnten.



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