Fr, 17. August 2018

Analyse, Teil zwei

13.06.2018 08:24

Gemeindefusion: Sind die Grazer mehr „wert“?

Teil zwei der „Steirerkrone“-Analyse zur Sinnhaftigkeit einer Fusion von Graz mit den GU-Gemeinden. Die Frage ist ja nicht, ob Graz seinen Speckgürtel „fressen“ wird, sondern vielmehr wann. Die Politik hält sich vorerst noch vorsichtig zurück - zumindest offiziell, inoffiziell ist der Appetit in Graz durchaus groß.

Nach den großen Themen Wirtschaft, Umwelt und Verkehr in unserer gestrigen Ausgabe wenden wir uns heute weiteren wichtigen Bereichen zu, wie etwa fehlenden Kindergarten- und Schulplätzen. In Graz gibt es enormen Bedarf und enorme Ausbaukosten von zig Millionen Euro - die Bevölkerung wächst aber nicht nur in Graz, sondern auch in Graz-Umgebung rasant.

Finanziell würde eine Zusammenlegung wohl Sinn machen - GU-Bürger, die nach Graz wechseln, wären dem Bund nämlich plötzlich mehr Geld wert.

Finanzen
Je größer eine Gemeinde, umso mehr Mittel vom Bund gibt es („Pro-Kopf-Prämie“) für den einzelnen Bürger. Bürger aus GU wären nach einem Zusammenschluss mehr „wert“ als vorher, es gäbe also mehr Geld vor Ort. Ohnehin finanzstarke Gemeinden wie Raaba-Grambach wird das aber kaum nach Graz locken.

„Identität“
Zugegeben, „Identität“ ist ein schwammiger Begriff, aber wohl  ein wesentlicher. Das „große“ Graz ist für viele ein rotes Tuch, sie bleiben lieber Seiersberger oder Feldkirchner. Man kennt sich untereinander, ist in Vereinen organisiert, engagiert sich bei der Feuerwehr und will diese „Identität“ auf keinen Fall aufgeben.

Verbauung
Die kleinteilige Verbauung am Stadtrand bzw. in GU-Gemeinden ist ein Riesenproblem - sie kostet Platz, Grünraum und es gehen Bauflächen verloren, die gebraucht würden, weil die Bevölkerung wächst. Auch hier bräuchte es eine übergeordnete, koordinierende Stelle, die vorgibt, was wo und wie groß gebaut wird.

Bildung
Durch das enorme Wachstum sind teure Kindergarten- und Schulbauten nötig. Das Grazer Schulausbaupaket I war 61 Millionen Euro schwer, das Paket II mit 75 Millionen  ist auf Schiene. Für GU-Gemeinden sind die Kosten kaum stemmbar. Eine gemeinsame Bildungsstandort-Strategie könnte Kosten sparen.

Müll, Kanal und Reinigung
In der Regel ist die Müllabfuhr in den GU-Gemeinden günstiger als in Graz. Bei einer Zusammenlegung müssten die GU-Bürger wahrscheinlich mehr zahlen.

Die Straßenreinigungswagen der Holding Graz drehen jetzt an der Stadtgrenze ab, was absurd ist.

Die Holding Graz bietet GU-Gemeinden Dienstleistungen an (Kanalspülungen usw.) - die sind natürlich zu bezahlen. Bei einer Zusammenlegung würden diese Kosten wegfallen. Recycling-Center: Der Grazer „Sturzplatz“ wird bis 2022 um weitere 20 Millionen Euro saniert, im Norden wird ein neuer gebaut. Aktuell können GU-Bürger kulanterweise gratis einfahren, ab 2022 werden sie wohl zahlen müssen. Manche Gemeinden haben Sturzplätze, andere nicht. Auf Sicht wären zwei große Center wohl günstiger als viele kleine.

Gerald Richter
Gerald Richter

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