Mi, 22. August 2018

Landestheater:

10.06.2018 08:14

Vom Tod zum tyrannischen Despoten

Ben Becker kehrt im September als „Caligula“ nach Salzburg zurück: Die Proben  für diesen „Höllenritt“ laufen bereits - erste Einblicke in die Inszenierung.

Von 2009 bis 2012 gab Ben Becker einen eindrucksvollen Tod im „Jedermann“, jetzt kehrt er als tyrannischer Despot „Caligula“ nach Salzburg zurück. Ab 2. September wird der deutsche Mime in Albert Camus’ gleichnamigen Stück in der Inszenierung von Marike Moiteaux und John von Düffel am Salzburger Landestheater in der Hauptrolle auf der Bühne stehen.

„Ich freue mich sehr wieder hier zu sein, und nach meiner Rolle bei den Festspielen, die mir mal mehr mal weniger Spaß gemacht hat, am Landestheater zu gastieren. In gewisser Weise ist Caligula in seiner despotischen Art dem Tod ja nicht ganz unähnlich“, so Becker, der für erste Proben derzeit in der Mozartstadt weilt.

Der junge Kaiser Caligula wird nach dem Tod seiner Schwester und Geliebten völlig aus dem Leben gerissen. Er strebt nach dem Unmöglichen, dem Absoluten, nützt seine Macht und Freiheit um Werte umzukehren und seine Untertanen zum Aufstand und letztlich zu seiner Ermordung zu provozieren.

„Nach dem schrecklichen Verlust hadert Caligula mit Widersprüchen - Liebe und Hass, Schöpfung und Zerstörung. Er kämpft mit seinen inneren Dämonen - die einzige Rettung birgt das Unmögliche, der Wunsch einmal den Mond zu besitzen. Er stellt sein Volk auf eine Probe, prüft wie lange es gewillt ist, seine Schikanen zu ertragen, bis es zum Widerstand kommt. Er sagt: ,Ich bin der einzige freie Mensch’ - allerdings kostest diese Freiheit, nach der er giert, ihm und vielen anderen das Leben“, führen von Düffel und Moiteaux aus, die Becker bereits bei seinem Projekt „Ich, Judas“ basierend auf den Romanen von Walter Jens und Amos Oz zur Seite standen. „Nach dieser erfolgreichen ,Judas’- Produktion und der Aufzeichnung im Berliner Dom, die letztes Jahr am Reformationstag in deutschen Kinos ausgestrahlt wurde, war klar, dass wir unsere Zusammenarbeit fortsetzen. Also haben wir uns auf die Suche nach einer literarischen Vorlage gemacht, die den Nerv der Zeit trifft“, so Becker.

Klar, solche Machtspiele wie sie Caligula vollführt, sind gerade mehr als präsent. Dennoch lässt das Trio keinen polternden Cowboy auftreten und wird mit dem Ensemble des Landestheaters rund um Nikola Rudle, Tim Oberließen, Elisa Agbaglah und Christoph Wieschke auch kein Blut vergießen. Vielmehr werden Sprache und Gedanken zur Waffe um die Sehnsucht nach dem Amoralischen zu stillen.

So lautet auch das Motto, das Intendant Philip von Maldeghem für die nächste Saison ausgerufen hat. Dass er sich für die Realisierung von „Caligula“ von Düffel zur Seite holte, ist kein Zufall. „Wir kennen uns schon seit 20 Jahren und haben in seiner Zeit in Stuttgart aber auch hier in Salzburg schon viele gemeinsame Projekte, wie z.B. ,Anna Karenina’ oder aktuell gerade mein Stück ,Döner zweier Herren’ realisiert. Als ich ihm ,Caligula mit Ben Becker in der Hauptrolle vorgeschlagen habe, war er sofort begeistert. Nun sind wir am besten Weg die Berliner Truppe mit dem Salzburger Ensemble zu vereinen, um diesen Höllenritt gemeinsam zu bestreiten.“

Becker freut sich aber nicht nur auf diese Produktion, ihm schwebt schon die nächste vor Augen. „Ich würde gerne ,Judas’ im Salzburger Dom aufführen.“

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