Konkurs steht bevor

Trauer und Wut bei den Linzer Quelle-Mitarbeitern

Österreich
06.11.2009 16:45
Für die Kummer gewohnten 1.100 Mitarbeiter der Quelle Österreich AG war es ein schwarzer Freitag: Von einer Katastrophe war nach der Betriebsversammlung zu Mittag in Linz die Rede. Vor allem jene, die seit 30 Jahren und mehr im Unternehmen tätig sind, hat die Nachricht mit aller Härte getroffen. Die meisten sind sich einig: Das jahrelang stabil gelaufene Unternehmen wurde von den Managern in Deutschland heruntergewirtschaftet. Das AMS wird eine Außenstelle in dem Linzer Betrieb einrichten.

Die Solidarität unter den Quelle-Mitarbeitern ist deutlich spürbar: "Für mich ist es nicht mehr so schlimm, ich geh bald in Pension. Aber die jungen Mütter und Väter, die trifft es wie ein Schlag", meint eine Büroangestellte der Betriebsküche, die seit 21 Jahren dabei ist.

Eine 28-jährige Angestellte, die seit fünf Jahren im Bereich Verteilung des Unternehmens tätig ist, äußert sich nur knapp. "Es ist ein komisches Gefühl. Die Unsicherheit belastet mich sehr", sagt sie mit Blick auf den Boden. Ähnlich geht es einem 30-jährigen Mitarbeiter, der seit 17 Jahren im Call-Center tätig ist: "Wie soll es mir schon gehen? Schlecht!", sagt er.

Die Kommentare nach der Betriebsversammlung reichen von wütend bis verstört: Ein Mann, der seit 37 Jahren im Unternehmen beschäftigt ist, ärgert sich vor allem über die Manager: "Die sind doch nur auf ihren eigenen Profit aus, außerdem haben sie die Situation völlig falsch eingeschätzt", sagt er.

"Deutsche haben uns heruntergewirtschaftet"
Eine etwa 50-jährige Frau meint kopfschüttelnd: "Ich versteh es einfach nicht, wir haben doch noch heuer Prämien ausbezahlt bekommen und Gewinne geschrieben, wie passt denn das zusammen?", fragt sie ratlos, um sich gleich selbst die Antwort zu geben: "Dass eine gut gehende Firma von den Managern in Deutschland so heruntergewirtschaftet wird und die dafür auch noch viel Geld kassieren, ist eine Katastrophe. Außer uns hängen ja auch noch andere dran: die Post und diverse andere Betriebe!"

Doch trotz der schlechten Aussichten haben viele die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. "Wenn ich nicht zumindest an eine kleine Chance glauben würde, wär ich gar nicht mehr hier", sagt ein etwa 40-Jähriger mit ernster Miene. Neben ihm klopften sich zwei Frauen aufmunternd auf die Schultern. Sagen wollen sie nichts, aber der Ausdruck in ihren Gesichern sagt ohnehin mehr als tausend Worte.

Vorstand hofft weiter auf Investor als "Strohhalm"
Der Konkurs über Quelle Österreich trifft nach Ansicht von Vorstand Wolfgang Binder jedenfalls die Unschuldigen. Quelle Österreich sei nicht verantwortlich für die Misere. Binder klammert sich nach wie vor an einen, wie er selbst einräumt, "Strohhalm" in Form eines Investors. Sonst ist der Konkursantrag an nächsten Donnerstag fällig. Der Kreditschutzverband (KSV) Linz sprach sich am Freitag für eine rasche Insolvenzeröffnung aus, um wieder Rechtssicherheit für alle Beteiligten herzustellen.

"Es werden dann österreichische Organe (Masseverwalter, Gläubigerausschuss, Konkursgericht) die Weichen stellen und über Fortführung oder Verwertung entscheiden", hieß es in einer Pressemitteilung. Über den Schuldenstand gebe es noch keinen offiziellen Informationen, in der Bilanz 2008 seien jedenfalls Verbindlichkeiten von 76,5 Millionen Euro ausgewiesen. Letztlich werde auch zu klären sein, "ob eine Muttergesellschaft, die für die notwendige Kapitalausstattung einer Tochtergesellschaft die Verantwortung trägt, den Spieß ganz einfach umkehren und der Tochter lebensnotwendige Bestandteile wie Markenrecht entziehen kann".

AMS und Land Oberösterreich gerüstet
Das Arbeitsmarktservice in Oberösterreich will, wie berichtet, gegen Ende kommender Woche eine Außenstelle für die rund 1.100 Mitarbeiter von Quelle einrichten, sagte der Leiter des AMS Oberösterreich, Roman Obrovski. Bereits am Montag sollen die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Man werde sich individuell mit jedem Mitarbeiter beschäftigen. Jene ohne qualifizierte Ausbildung oder ohne Lehrabschluss können die Schulungs- bzw. Förderprogramme in Anspruch nehmen. Es wird auch eine Insolvenzstiftung geben, deren Finanzierung vom Land Oberösterreich und dem AMS gesichert sei, so Obrovski.

Der Linzer Arbeitsmarkt sei aufnahmefähig, die Arbeitslosenquote im Oktober betrug 3,9 Prozent. "Jetzt müssen alle einen Beitrag leisten. Neben dem Land und uns sind auch die Unternehmen gefragt", so Obrovski. Außerdem müssten nicht schlagartig über 1.000 Leute auf einmal vermittelt werden, man habe mit Quelle gesprochen und man wolle sich dafür ein paar Monate Zeit nehmen.

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