Gravierende Fehler

So haben die US-Behörden im Fall Dugard versagt

Ausland
05.11.2009 11:05
Im US-Entführungsfall Jaycee Lee Dugard, die 18 Jahre lang gefangen gehalten worden war, bis ihre schier unfassbare Geschichte nur per Zufall ans Licht kam, sind am Mittwoch neue - und haarsträubende - Behördenfehler bekannt geworden: Demnach war der bereits als Sexualstraftäter verurteilte Kidnapper Phillip Garrido nur extrem lückenhaft kontrolliert worden. Und: Bei einer Kontrolle sei ein Polizist sogar einer Tochter Dugards im Haus von Garrido begegnet, hätte aber keinen Verdacht geschöpft.

"Wir können bei der Überwachung von einer Ausfallsrate von 90 Prozent ausgehen", meinte David Shaw, ein hochrangiger kalifornischer Polizeibeamter. Garrido wurde in zehn Jahren zumindest 60 Mal von Polizisten besucht, wobei vor allem geprüft werden sollte, ob er seine Bewährungsauflagen erfülle. Laut Shaw könne man in den 123 Monaten, in welchen Kontrollen durchgeführt wurden, nur über rund zehn Prozent des Zeitraums von "ordentlicher Überwachung" sprechen.

Insgesamt wurden laut Bericht "zahlreiche gute Möglichkeiten ausgelassen, die Opfer zu finden": Zum Beispiel wurde nicht weiter geprüft, warum sich im Jahr 2008 ein zwölfjähriges Mädchen im Haus des verurteilten Vergewaltigers aufhielt. Auch seien Elektrokabel, die von Garridos Haus in ein Hinterhofversteck führten, nicht untersucht worden. Selbst der Hinterhof fiel den Beamten nicht auf.

Jaycee Lee Dugard 18 Jahre lang missbraucht
Garrido und seine mitangeklagte Frau Nancy sollen Dugard 18 Jahre lang in einem Gartenversteck in Antioch gefangen gehalten und immer wieder sexuell missbraucht haben. Die jetzt 29 Jahre alte Frau, die 1991 im Alter von elf Jahren in der Nähe ihres Elternhauses verschleppt worden war, hat zwei Kinder von Garrido. Die Töchter der Entführten sind 11 und 15 Jahre alt.

Die drei wurden jahrelang in einem Garten von der Außenwelt abgeschottet. Sie lebten dort in Zelten und einem Schuppen. Mutter und Kinder seien bei ihrer Befreiung gesundheitlich "in verhältnismäßig guter Verfassung" gewesen, aber 18 Jahre in einem Garten "würden ihren Tribut fordern". Keines der Kinder habe bis dahin je eine Schule besucht oder einen Arzt gesehen.

Festnahme erfolgte Ende August
Dem Ehepaar wird im einzelnen Entführung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung angelastet. Die Kidnapper waren Ende August festgenommen worden. Auf dem Gelände der Universität in Berkeley, wo der Mann mit seinen Töchtern religiöse Flugblätter verteilen wollte, war er zwei Polizisten aufgefallen. Bei der anschließenden Befragung kam der schier unglaubliche Fall ins Rollen.

Garrido verbüßte von 1977 bis 1988 eine Haftstrafe wegen Entführung und eines Sexualdelikts. In Reno (Nevada) hatte der damals 25-Jährige eine junge Frau in einem Schuppen eingeschlossen und vergewaltigt. Ursprünglich war er zu 50 Jahren Haft verurteilt wurden, kam aber nach elf Jahren auf Bewährung frei. Und wurde als nur gering gefährlich eingestuft...

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele