Das hat natürlich Vorteile: Gamer, die sich bereits an einem der "Gothic"-Epen versuchten, werden sich auf den ersten Klick wohlfühlen. Das Spiel wartet nämlich erneut mit einer frei begehbaren und stimmungsvoll inszenierten Welt auf und auch das Charakterentwicklungs- sowie das Kampfsystem können ihre Vorgänger nicht verleugnen.
Fähigkeiten erlernt der Spieler nämlich auch in "Risen" nicht wie in den meisten Rollenspielen bei jedem neu erreichten Level. Vielmehr erhält er hier nur Fähigkeitenpunkte, die er dann gemeinsam mit einem meist fürstlichen Goldbetrag bei einem Lehrmeister für das Training in einer Disziplin ausgeben kann. Besonders zu Beginn des Spiels ist das immer wieder etwas mühsam, da meist entweder das Kleingeld oder die Punkte abgehen. Trotzdem muss man den Machern lassen, dass dieses System um Welten realistischer ist, als die Charakter-Aufstiegsszenarien anderer Games. Hat der Spieler dann sowohl die nötigen Punkte als das Gold bei der Hand, so kann er bei unterschiedlichen Lehrer z.B. Wissen über das Bogenschießen, den Taschendiebstahl, den Schwertkampf oder auch die Schmiedekunst erlernen.
Die Nahkämpfe gegen fiese Monster aber auch NPC befehligt der Spieler in "Risen" mit der klassischen Tastatur-Maus-Kombination ("W", "A", "S", "D", linke Maustaste zuschlagen, rechte Maustaste abblocken). Das Handling funktioniert dabei eigentlich außerordentlich gut – und mit einer ausgeklügelten Strategie schafft der Spieler schon mal eigentlich überlegene Feinde. Trotzdem stirbt man zu Beginn des Spiels sicherlich tausend Tode, auch wenn man nur vom Weg abgewichen war, um ein Blümchen zu pflücken. Viele Wildtiere sind nämlich gefährlicher, als sie auf den ersten Blick ausschauen mögen. Oft zu speichern ist deshalb oberstes Gebot.
Am Anfang war der Held
Beginnen wir aber am Anfang: Der namenlose Held des Spiels wird auf einer ihm unbekannten Insel angespült, (fast) alle anderen Passagiere seines Schiffs sind beim Angriff eines riesigen Dämons umgekommen, er selbst hat noch dazu sein Gedächtnis verloren. Erst einmal wieder aus der Bewusstlosigkeit erwacht, macht er sich mit einem Mädel gemeinsam daran, die Insel zu erkunden. Schon bald entdeckt der Spieler, was in diesem fremden Inselstaat vor sich geht. Urtümliche Mächte haben sich aufgebäumt und dabei riesige Tempel voller Schätze und Monster an die Oberfläche der zuvor mehr oder weniger ruhigen Insel gebracht.
Nun streiten sich zwei Fraktionen um die Reichtümer: Die mächtigen Tempelritter unter ihrem Herrn, dem Inquisitor, und die Banditen. Während erstere die Kontrolle über beinahe die gesamte Insel errungen haben und sich die Gauner in ihrem Lager verstecken und gegen die Templer kämpfen, gerät der Spieler bald zwischen die Fronten. Später im Game gilt es auch, sich für eine der beiden Seiten zu entscheiden. Davon hängt ab, ob er grobschlächtig wie die Banditen mit Bogen und Schwert oder Axt zu Wege geht oder sich für die elegante Macht der Magie und des Stabkampfs entscheidet.
Realistische Charaktere
Mitten im Konflikt zwischen den Parteien trifft der Spieler auf eine ganze Menge toller Charaktere, für die er Nebenquests en masse erledigen kann. Vor allem die Dialoge können an den computergesteuerten Mitmenschen überzeugen. Glänzen vor allem durch eine ausgezeichnete und stimmungsvolle Sprachausgabe. Die Macher haben dabei auch darauf Wert gelegt, einen gewissen Realismus walten zu lassen: So schimpfen die Banditen gerne einmal kräftig drauflos und NPC schnauzen den Helden durchaus an, wenn ihnen etwas nicht gefällt.
Grafisch macht "Risen" sehr viel richtig. Die Inselwelt ist detailliert umgesetzt: Sträucher wogen im Wind, das Licht bricht durch den Nebel über dem Moor, das Wetter schlägt Kapriolen und auch Tag und Nacht wechseln sich ab. Außerdem scheint die Welt durch die zahlreichen Wildtiere – die nebenbei auch durch unterschiedliche Angriffstaktiken glänzen – und zu sammelnden Pflanzen recht realistisch. Einzig in der Darstellung der Personen hat Piranha Bytes den Nagel nicht ganz auf den Kopf getroffen. Vor allem die weiblichen Bewohnerinnen der Insel glänzen durch einen viel zu kleinen, irgendwie eckigen Kopf und im Vergleich dazu viel zu viel Oberweite. Auch sind die Animationen nicht immer mit dem letzten Willen zum Detail angelegt und sehen dann und wann recht hölzern aus. Die schönen Lichteffekte machen das aber wieder wett.
Fazit: "Risen" ist ein stimmungsvolles Rollenspiel der Oberklasse: Das Gameplay kann überzeugen, die Grafik ist trotz einiger Schwächen solide und der Sound definitiv in der ersten Liga daheim. Über die Originalität der Geschichte lässt sich zwar streiten, aber auch diese ist recht dynamisch umgesetzt. Besonders gefallen die Sprachausgabe und die launischen Charaktere, die Piranha Bytes dem Game verpasst hat. Auch die detaillierte Spielwelt ist den Deutschen gut gelungen: Sie ist nicht so groß, dass sich der Spieler wie Hänsel und Gretel im Wald fühlt, bietet aber trotzdem ausreichend Platz um munter auf Entdeckungsreise zu gehen. Eines ist klar: Besonderen Gefallen an "Risen" werden Liebhaber der "Gothic"-Reihe finden, aber auch der gemeine Rollenspielfan wird mit dem Game zahlreiche spannende Stunden verbringen.
Plattform: PC (getestet), Xbox360
Publisher: Koch Media
krone.at-Wertung: 8/10
von Stefan Taferner












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