Kampf um Neubau

Unwürdiger Streit um Gerichtsmedizin dauert an

Wien
02.11.2009 16:27
Seit bald zwei Jahren ist die über 200 Jahre alte Gerichtsmedizin in der Sensengasse verwaist. Die Zahl der Obduktionen bei bedenklichen Todesfällen – unter anderem in Containern auf dem Zentralfriedhof (!) – sank von 3.000 auf 500 pro Jahr. Kritiker sprechen von einer Gefahr für die Sicherheit. Doch es geht ums liebe Geld.

Es ist gar nicht so lange her, dass das Wiener Institut als das Mekka der gerichtlichen Medizin galt. Doch die Bausubstanz aus dem 18. Jahrhundert hält natürlich mit der Zeit nicht Schritt – aber anstatt endlich eine "Gerichtsmedizin Neu" zu errichten, herrscht endloser Streit um die Finanzierung. Die Leichen kommen seitdem in Spitälern oder in Containerdörfern auf dem Zentralfriedhof unters Messer. Kritiker sprechen von einem Notbetrieb und einem unwürdigen Zustand in einer Millionenstadt.

Der auch eine Gefahr für die Sicherheit (weniger aufgedeckte Todesfälle durch Gewalt oder Unfall) und Forschung bedeutet. Investitionen in der Höhe von einer Million Euro sollen zumindest die gerichtlich verfügten Obduktionen ab 2010 in der Sensengasse wieder ermöglichen. Der Rektor der Medizin-Uni startet nun diese Woche beim scheidenden Wissenschaftsminister einen erneuten Anlauf für einen Neubau.

von Christoph Budin, Kronen Zeitung

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