Do, 19. Juli 2018

Abwechslungsreich

04.02.2018 10:00

Verliebt in einen Gletscher

Tango in Buenos Aires, Walbeobachtung auf der Halbinsel Valdés, Gauchos und Gletscher zum Verlieben in Patagonien, riesige Weingüter um Mendoza. Argentinien ist eines der abwechslungsreichsten Länder der Welt.

Die Schönheiten der argentinischen Hauptstadt sind schon häufig beschrieben und besungen worden – und die Schwärmereien sind nicht übertrieben. Buenos Aires ist eine lebendige, überraschend saubere und absolut sehenswerte Metropole, auf die ihre Einwohner – die Porteños – zu Recht sehr stolz sind. Außerdem bekommt man hier die besten Steaks der Welt. Unbedingt ausprobieren!

Der Stadtteil San Telmo, wo Antiquitätenhändler am Sonntag ihre Stände aufstellen, ist mit seinen engen Gassen und prachtvollen Stadtpalästen sehr europäisch. Nur die vielen Tango tanzenden Paare erinnern den Besucher daran, dass er weit weg von zu Hause ist. Sehr touristisch, aber ein lohnendes Fotomotiv ist das Hafenviertel La Bocca mit seinen kunterbunten Häusern, die ihren Ursprung am Ende des 19. Jahrhunderts haben, als Einwanderer aus Europa mit Resten von Schiffsfarbe ihre schäbigen Behausungen anmalten. Unbedingt besuchen sollte man auch den Friedhof La Recolta in der gleichnamigen schönen Wohngegend. Seine Grabmäler und Mausoleen sind veritable Kunstwerke, und außerdem liegt dort Eva „Evita“ Perón begraben.

Ebenfalls touristisch, aber ein Muss in Buenos Aires ist der Besuch einer abendlichen Tango-Vorführung. Alle Argentinier scheinen den melancholisch-erotischen Tanz im Blut zu haben. Ein Erlebnis!

Zwei Flugstunden südlich von Buenos Aires ist Puerto Madryn das Eingangstor zur Halbinsel Valdés an der Atlantikküste. Das Naturreservat wurde 1999 von der UNESCO auf die Welterbeliste gesetzt und besteht größtenteils aus karger Landschaft und einigen kleineren Salzseen und bietet Begegnungen mit der südamerikanischen Straußenart Nandu, dem Guanaco (Verwandter der Lamas), Pinguinen, Seelöwen, Seeelefanten, Gürteltieren und Walen. Grandios!

Doch jedes Mal wenn man meint, den Höhepunkt der Reise erlebt zu haben, wird man eines Besseren belehrt. Der Name des Städtchens El Calafate in Südpatagonien lässt Wiener an den Wurstelprater (Calafati) denken. Es liegt aber am Lago Argentino, der rund dreimal so groß wie der Bodensee ist, und gilt als Ausgangspunkt für Fahrten zum Nationalpark Los Glaciares mit seinen zahlreichen Gletschern, darunter der Perito Moreno. Und der ist atemberaubend schön. Mit ihm ist es Liebe auf den ersten Blick. Während viele Gletscher gar nicht oder nur per Boot erreichbar sind, sind entlang des Perito Moreno, dessen Zunge im Lago Argentino endet, kilometerlange Stege in drei Schwierigkeitsstufen errichtet worden. Sie führen ganz nah an den Gletscher und damit an spektakuläre Fotomotive.

Es ist einer der Momente, in denen die Natur einen Ehrfurcht lehrt und die Umgebung unwirklich erscheint. Was auch die besten Fotos nicht einfangen können: das unglaubliche, tiefe Blau im Gletscher und das Geräusch, das er macht, wenn das Eis in ihm arbeitet. Mit etwas Glück sieht man ihn kalben – dann fallen tonnenschwere Eisbrocken mit großem Getöse ins Wasser. Denn der Perito schrumpft nicht – er wächst. Das liegt an den klimatisch günstigen Winden. Sie wehen von West nach Ost und prallen gegen die Anden, die sich die Westküste Südamerikas entlangziehen. Die feuchten Luftmassen steigen auf, ihre Temperatur sinkt, bis sie schließlich kondensieren und sich auf dem patagonischen Eisfeld niederschlagen. Der wachsende Druck presst die übereinander lagernden Massen im Laufe der Jahre zu Eisschichten zusammen. Der Perito Moreno schafft es also, in hohen Regionen etwas mehr Masse an Eis aufzubauen, die täglich unten am See abschmilzt.

Von der kargen Landschaft Patagoniens ins größte Anbaugebiet für Wein in Argentinien: Mendoza ist eine lebenswerte Stadt mit viel Grün und Fußgängerzonen mit zahlreichen Straßencafés. In der Region werden vor der Kulisse des mächtigen Andenpanoramas zwei Drittel des argentinischen Weines produziert. Dort gibt es Reben, die mit einem ausgetüftelten Bewässerungssystem aus Inkazeiten am Leben erhalten werden. Malbec ist hier die wichtigste Rotweinrebe.

Im hoch gelegenen Distrikt Luján de Cujo liegt die renommierte Bodega Norton mit über 600 Hektar Weinbergen, die der österreichischen Familie Swarovski gehört. Hier und in vielen anderen Weingütern können sich Besucher bei Verkostungen von der Qualität der edlen Tropfen überzeugen.

Vom edlen Tropfen zum „großen Wasser“: Das ist die Bedeutung von Iguazú. Und wer vor den Fällen steht, weiß, warum: Auf einer Breite von 2,7 Kilometern stürzen durchschnittlich zwischen 1700 und 7000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in Kaskaden bis zu 80 Meter in die Tiefe. Wieder ein Anblick, der Ehrfurcht gebietet. Wie meinte die US-Präsidentengattin Eleanor Roosevelt einst so treffend in Anspielung auf die amerikanischen Wasserfälle: „Armes Niagara!“

Nach so einer spektakulären Reise fällt die Rückkehr in den Alltag besonders schwer. Zum Glück hallen das Grollen des Perito Moreno und das Rauschen der Iguazú-Fälle noch lange im Kopf nach.

Eva Lehner, Kronen Zeitung

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