Sa, 20. April 2019
21.12.2017 11:36

Brüssel

Magritte: Die Spuren eines Genies

Urbanes Flair, Hunderte Biersorten, sündteure Schokolade und überall: Kunst. Brüssel feiert derzeit „seinen“ Magritte.

Ein dunkler Hausflur mit knarrenden Dielen, ein winziges Speisezimmer samt bescheidener Küche. Ein Mini-Salon und ein Schlafzimmerchen. Was heute beengt wirkt, empfand man vor 80 Jahren wohl noch als ein Zuhause voller Annehmlichkeiten. Von 1930 bis 1954 lebte hier das Genie René Magritte. Seite an Seite mit den Kleinbürgern des Stadtteils Jette im Norden Brüssels.

Ein bisschen seltsam kam ihnen der Künstler, der zu Familienfeiern unpassende Geschenke (Aktgemälde von eigener Hand) anschleppte, manchmal schon vor. Aber der Mann, der sich über Stunden zum Schachspiel in eines der zahllosen Beisln zurückzog, führte ein unauffälliges Leben, das im Kontrast zu der überbordenden Fantasie seiner Kunst stand. Heute kann die liebevoll rekonstruierte Wohnung von René und Ehefrau Georgette in der Rue Esseghem besucht werden.

In den Fünfziger-Jahren wurde Magritte zum Weltstar und inszenierte sich als der gut gekleidete freundliche Bürger mit der Melone. Aus dem Image wurde Kult: Brüssel liebt seinen Magritte und begeht den 50. Todestag des Künstlers mit hohem Aufwand. Etwa im Museum der Schönen Künste, wo man seinen weltberühmten Motiven begegnet: dem grünen Apfel, einem bewölkten Himmel, einer Taube, einer Pfeife, einem Anzug tragenden Mann mit Hut, aber ohne Gesicht.

Auch Brüssels modernes Wahrzeichen, das seit einer Sanierung vor einigen Jahren blitzblank glitzernde Atomium, widmet sich dem Maler. In den begehbaren Kugeln des selbst irgendwie surrealistisch wirkenden, spektakulären Gebäudes hat man eine interaktive Schau voller Magritte-Klischees zusammengestellt, die aber auch Kindern einigen Spaß bietet.

Wer sich nach so viel Kunst in den Straßen der Metropole verliert, um ins Brüsseler Leben einzutauchen, wird belohnt. Die Stadt hat vom herausgeputzten Großen Markt bis zu den verwinkelten Gässchen enorm viel Flair. Grandiose Küche und eine beispiellose Beislkultur zeugen davon, dass die Brüsseler keine Stubenhocker sind, sondern sich am liebsten draußen treffen. Etwa in urigen kleinen Lokalen wie dem La Fleur en Papier Doré. Hier hat auch ein gewisser Magritte seine Bierchen getrunken. Eine riesige Fototapete bezeugt es. Man kommt dem Mann mit der Melone in Brüssel nicht aus.

Martin Gasser, Kronen Zeitung

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