Rätsel gelöst

Chemikalie ist gefährliches Kriegsrelikt

Kärnten
18.08.2009 09:29
Die Dämpfe sind giftig, die Substanz wurde im Krieg als „Feuer-Waffe“ eingesetzt: Das Rätsel um jene Chemikalie, die vergangene Woche einen Bootssteg am Wörthersee in Brand gesetzt hat, scheint gelöst. Wie Experten bestätigen, dürfte es sich dabei um ein gefährliches Kriegsrelikt handeln. Die Jugendlichen, die das Pulver aus dem Wörthersee getaucht hatten, entgingen einer Katastrophe.

Als die Taucher das Glas mit dem mysteriösen Inhalt öffneten, geriet die Chemikalie sofort in Brand (siehe Bild). „Die Substanz hätte als Brandbeschleuniger eingesetzt werden können“, wurde anfangs vermutet. Doch da für den Umgang damit genaue Kenntnisse notwendig sind und beim Kärntner Kriminalamt keine Brände bekannt sind, die durch Phosphor ausgelöst wurden, fiel der Verdacht schnell in eine ganz andere Richtung.

"Phosphor im Krieg als Waffe eingesetzt" 
„Es kommt in Österreich öfter vor, dass mit Phosphor angereicherte Munition gefunden wird. Die Dämpfe sind giftig; und da die Substanz mit Sauerstoff reagiert, wurde das weiße Phosphor im Zweiten Weltkrieg als Waffe eingesetzt“, weiß Gerhard Proksch, Leiter des Entminungsdienstes. Denn sobald ein Brand gelöscht war, entzündete sich das weiße Pulver aufs Neue.

Unglück mit Pulver in den Achtzigerjahren 
In Unterkärnten löste ein solches Kriegsrelikt in den Achtzigerjahren ein schweres Unglück aus. „Kinder hatten ein Glas mit Phosphor in einem Brunnen gefunden und geöffnet. Sie erlitten schwere Verbrennungen“, erzählt Erich Polzer. „Diese Substanz – Phosphor vermengt mit Eisen und einer organischen Verbindung – dürfte aus einer alten Granate stammen. Der Finder hat sie wohl vor Jahren aus Vorsicht im See entsorgt.“

von Thomas Leitner und Jan Scherwitz, "Kärntner Krone"

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