20.07.2009 17:58 |

Erdrutsch-Drama

Weitere Abbrüche an Seeufer drohen

Nach dem verheerenden Erdrutsch im deutschen Nachterstedt drohen an der Unglücksstelle weitere Abbrüche. "Über Nacht wurden neue Risse entdeckt", sagte der Sprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), Uwe Steinhuber, am Montag. Diese reichen bis zur nächsten Häuserreihe. Für die Vermissten, die in dem ehemaligen Bergbaugebiet in Sachsen-Anhalt mitsamt ihren Häusern in den Abgrund gerissen worden waren, gibt es keine Hoffnung mehr. In der Nacht zum Montag hatten die Rettungskräfte mit hochauflösenden Wärmekameras und Nachtsichtgeräten nach den drei Vermissten gesucht. Es wurden jedoch keine Lebenszeichen entdeckt.

Am Samstag hatte ein gewaltiger Erdrutsch zwei Häuser mehr als 100 Meter in die Tiefe gerissen und eine 48-jährige Frau und zwei Männer im Alter von 50 und 51 Jahren begraben. Die Erde brach auf einer Länge von mehreren hundert Meter weg und stürzte in einen angrenzenden See. Das Gebiet wurde zur Katastrophenregion erklärt. Am Montagmittag versuchte die Bundeswehr, die Unglücksstelle von der Seeseite zu erreichen, auch das Technische Hilfswerk war mit modernsten Ortungsgeräten im Einsatz, um die verschütteten Häuser zu orten.

Rückkehr der Bewohner wohl unmöglich
Nach dem Auftreten der neuen Risse drohen vor allem bei starkem Regen weitere Erdabbrüche. Da die Risse bis zur nächsten Häuserreihe reichen, scheint eine Rückkehr der Hausbewohner unmöglich zu sein. Am Sonntagabend hatten Bewohner persönliche Dinge aus ihren gesperrten Häusern holen können. Unter Begleitung von Rettungskräften durften sie für eine halbe Stunde erstmals seit dem Unglück ihre einsturzgefährdeten Häuser wieder betreten.

Uwe Steinhuber kündigte die Einrichtung eines Kontaktbüros der LMBV für unbürokratische und schnelle Hilfe an. Zur Unglücksursache könne man noch nichts Genaues sagen, dafür müsse man die Auswertung der Daten in den kommenden Wochen und Monaten abwarten. Steinhuber vermutet jedoch eine Kombination mehrerer Faktoren als Ursache. Es könne an der Böschung selbst oder am Altbergbau in der Böschung gelegen haben. "Außerdem könnte der steigende Wasserstand als Ursache in Frage kommen", sagte der LMBV-Sprecher.

Haus stand 120 Meter vom Seeufer entfernt
Bei dem Gewässer - dem Concordia-See - handelt es sich um ein geflutetes Tagebau-Restloch. Der Braunkohle-Abbau in der etwa 2.000 Einwohner zählenden Gemeinde war 1991 eingestellt worden. Die ehemalige Tagebaugrube in dem Ort rund 50 Kilometer südwestlich von Magdeburg wird derzeit geflutet. Der See ist ein beliebtes Ziel von Wassersportlern. Das komplett zerstörte Doppelhaus stand rund 120 Meter vom Seeufer entfernt.

In der Region rund 50 Kilometer südwestlich von Magdeburg wurde von 1865 bis 1990 Braunkohle abgebaut, zunächst unter Tage, später dann im Tagebauverfahren.

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