"Lebewohl, du Pfau"

Ronaldo – England nimmt ohne Wehmut Abschied

Fußball
12.06.2009 15:50
Fußball-England nimmt ohne Wehmut Abschied von Cristiano Ronaldo. Rund um das Stadion Old Trafford in Manchester nahmen die Fans die Nachricht vom bevorstehenden Rekord-Transfer des Superstars zu Real Madrid eher achselzuckend und ohne große Emotionen auf. Ziemlich hart gingen hingegen teilweise die britischen Medien mit Ronaldo ins Gericht. "Lebewohl, portugiesischer Pfau", schrieb der "Daily Telegraph". "Wir werden die Schönheit seines Spiels vermissen, die eleganten Slaloms und die blitzartigen Schüsse, aber nicht seine Theatralik, und dass er so von sich selbst eingenommen ist." Ronaldo habe die Seele von ManU nie verstanden. "Der Verein ist der Star, nicht der Spieler."

Der teuerste Spieler der Welt gab sich im fernen Los Angeles nach sechs Jahren Premier League ebenfalls nüchtern: "Ich hatte meine Zeit mit United. Nun gilt es, nach vorn zu blicken. 80 Millionen Pfund ist eine ganz schöne Summe, der Deal ist historisch."

"Wo ist der Spieler, der 67 Tore schießt?"
Es gab aber auch durchaus kritische Stimmen zum bevorstehenden Rekordtransfer: Die Boulevardzeitung "Daily Mail" kritisierte Manchester für die Annahme des Angebots von umgerechnet 93 Millionen Euro für Ronaldo ("Die Besten zu verkaufen, macht dich niemals stärker") und wollte wissen: "Wo ist der Spieler, der die nächsten beiden Saisonen 67 Tore für Manchester schießt?"

30.000 Euro pro Tag für Ronaldo
Das Boulevardblatt "The Sun" spekulierte über das zukünftige Gehalt von Ronaldo, dessen Wechsel in den nächsten Tagen perfekt gemacht werden soll. Bleibe er sechs Jahre bei den "Königlichen", winke ein Jahreseinkommen von an die 20 Millionen Euro. In Portugal rechnete das Blatt "Publico" vor: "Bei Real wird er 30.000 Euro pro Tag verdienen." Ronaldos Nationalmannschaftskollege Bruno Alves ist überzeugt: "Er ist der Beste der Welt und wird bei Real noch besser werden. Ich glaube, dass er dieses ganze Geld wirklich wert ist."

ManU sucht Ersatz - Ribery als Wunschspieler
Bei Manchester begann unterdessen die Suche nach Ersatz, mit Bayern Münchens Franck Ribery weiter ganz oben auf der Liste. Doch schreckt laut Internetseite der "Times" die gewaltige Forderung der Bayern, die jenseits der 70 Millionen Euro liegen soll, den Club ab. Riberys Landsmann Karim Benzema von Olympique Lyon soll dagegen deutlich günstiger zu haben sein. 

Großes Interesse hat United wohl auch am ecuadorianischen Nationalstürmer Antonio Valencia vom englischen Premier-League-Club Wigan Athletic, dem ein Angebot von 17 Millionen Pfund (20 Millionen Euro) unterbreitet werden soll.

FIFA-Boss Blatter verteidigt Rekordtransfer
FIFA-Präsident Joseph Blatter hat indes erklärt, kein Problem mit dem bevorstehenden Rekordtransfer zu haben. "Wir befinden uns in einer Wirtschaftskrise, aber es gibt immer noch das Verlangen nach Stars. Natürlich könnte man für das Geld viel Brot kaufen, aber den Menschen Brot zu geben, ist auch Unterhaltung. Es ist Wirtschaft, aber es ist auch Unterhaltung", sagte der Chef der FIFA bei einer Pressekonferenz am Freitag in Johannesburg.

Blatter verglich die 93,2 Millionen Euro mit dem Erwerb eines Gemäldes von Pablo Picasso. "Und was machen sie mit so einem Bild? Sie verstecken es und zeigen es vielleicht einmal in einem Museum. Ein Fußballer ist jede Woche zweimal im Stadion zu sehen", sagte Blatter. Auch ein Rockstar verdiene ähnliche Summen. "Und dann hören sie bei einem Konzert 90 Minuten Playback", sagte Blatter.

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