Spiel, Satz und Sieg

Virtua Tennis 2009

Spiele
03.06.2009 10:20
Unvergessen sind sie, die legendären Partien eines Thomas Muster, der seine Siegesserie auf Sand im Jahr 1995 mit dem French-Open-Sieg krönte. Mittlerweile sind die Zeiten, in denen heimischen Tennisfans noch mitfiebern und -jubeln konnten, vorbei. Wer wieder einmal einen Österreicher auf Platz eins der Weltrangliste sehen möchte, muss daher wohl oder übel auf Segas "Virtua Tenns 2009" zurückgreifen.

Mit oder gegen mehr als 23 der weltbesten Spieler und Spielerinnen können mit dem kleinen Filzball packende Duelle auf Rasen, Hartplatz oder Sand ausgetragen werden. Topstars wie Nadal, Federer, Murray oder Sharapova sind im Spiel zu finden.

Am interessantesten ist sicherlich neben der Online-Funktionalität der Karriere-Modus, in dem es sich als Nummer 100 der Amateurliga zur Spitze emporzuarbeiten gilt. Der Weg führt dabei über diverse Challenger-Turniere, in denen man sich die ersten Sporen verdienen muss, ehe man in die Profi-Liga wechseln kann und dort abermals als Nummer 100 den nächsten Aufstieg wagt – diesmal auch gegen internationale Topstars der Tennis-Szene.

Dass man bei Turniersiegen in der Rangliste jeweils nur um einen oder zwei Plätze nach oben klettert, entspricht allerdings in keinster Weise dem realen Tennisgeschehen. Als Simulation ist "Virtua Tennis 2009" aber auch nicht angelegt. Beispiel gefällig? Neben den erwähnten Turnierteilnahmen und dem Besuch der Tennis-Academy, in der verschiedene Herausforderungen gemeistert werden müssen, existieren auch diverse Minispiele, darunter etwa eine Art Tetris oder eine "Schiffe versenken"-Variante. 

Nachdem einige Level absolviert wurden, wird ein neues Minispiel freigeschalten. Zusätzlich verbessert sich jeweils einer der Grundwerte des eigenen Spielers. Mit der Zeit kann sich die eigene Spielfigur so einen bestimmten Spielstil aneignen. Beispielweise ist man ein besonders brillanter Grundlinienspieler oder bevorzugt ein gepflegtes Serve and Volley.

Trotz der gebotenen Abwechslung dauert es aufgrund der langsamen Ranglistenverbesserung vergleichsweise lange, bis man die Spitze erreicht hat. Das ist durchaus herausfordernd, aber zugleich auch ermüdend. Ein etwas schnellerer Spielfortschritt wäre vor allem für Gelegenheitsspieler hilfreich gewesen.

Die Steuerung unterstreicht die Arcade-Ausrichtung von "Virtua Tennis 2009" und ist sofort beherrschbar, stellt aber dafür nur ein begrenztes Schlagreportoire zur Verfügung. Die exzellente Ballphysik sorgt indes für ein hervorragendes Spielgefühl und lässt auch die Unterschiede der verschiedenen Bodenbeläge gut erkennen. Das Verhalten der CPU gesteuerten Tennisprofis ist insbesondere anfangs wenig anspruchsvoll. Besonders ärgerlich ist, dass der vor Matchbeginn eingeblendete bevorzugte Spielstil des Kontrahenten so gut wie nie zutrifft. Der vermeintliche Netzspieler klebt etwa bevorzugt auf der Grundlinie.

Die Stadien wurden ansprechend in Szene gesetzt. Die Linienrichter weichen sogar herannahenden Bällen aus, zeigen allerdings nicht mit Handzeichen an, wenn ein Ball ins Aus fliegt. Das i-Tüpfelchen auf dem Sandplatz wäre, wenn der aufspringende Ball einen Abdruck hinterlassen würde. Diese Detailverliebtheit ist allerdings nicht gegeben. Das zeigt sich auch bei den ihren realen Vorbildern nachempfundenen Spielermodellen: Ein Wiedererkennungswert ist zwar da, reichlich Verbesserungspotential wäre dennoch vorhanden. Dass die Zuschauer wieder einmal vernachlässigt wurden, sei nur nebenbei erwähnt.

Fazit: "Virtua Tennis 2009" ist ein fetziges und abwechslungsreiches Arcade-Game, das trotz kleinerer Schwächen auf lange Zeit motivieren kann. Für Simulations-Fans ist das Spiel aus dem Hause Sega nur sehr bedingt geeignet, der Rest der Tennisgemeinde wird es nicht zuletzt dank Einbindung einiger aktueller Topstars hingegen lieben.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, Wii, PC
Publisher: Sega
krone.at-Wertung: 9/10

von Harald Kaplan

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