Israel-Staatsbesuch

Ehrendoktor Fischer trifft Holocaust-Überlebende

Österreich
16.12.2008 20:22
Ganz im Zeichen der Vergangenheit ist der zweite Tag des Staatsbesuches von Bundespräsident Heinz Fischer in Israel gestanden. Der dunklen Seite der Vergangenheit, "der schrecklichen Zeit", wie der Bundespräsident es ausdrückte, der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust. Anschließend an eine beeindruckende Gedenkveranstaltung für Vertriebene und Überlebende des Holocaust im Tel-Aviv-Museum, wurde Fischer von der Universität ein Ehrendoktorat verliehen (im Bild).

Anfangs hatte man damit gerechnet, dass vielleicht ein paar Dutzend der heute ja betagten Menschen zu dem Empfang mit Bundespräsident Fischer kommen würden. Doch der Ansturm war immens. So stark, dass die Organisatoren Probleme hatten, genügend Sitzgelegenheiten für die zum Teil gebrechlichen Damen und Herren zur Verfügung zu stellen.

Sorge vor "Rechtsruck" in Österreich
Rund 600 Menschen waren es schließlich, die sich in dem in Wahrheit zu kleinen Saal drängten, als Bundespräsident Fischer das Wort ergriff: "Es ist mir ein großes und persönliches Anliegen, gemeinsam mit Ihnen jener tragischen Jahre zu gedenken, in denen so viele österreichische Jüdinnen und Juden ermordet und vertrieben wurden und in denen so viel Leid verursacht wurde." Bei dem Zusammentreffen mit den Altösterreichern klang trotz freundlicher Stimmung auch Sorge über einen "Rechtsruck" in Österreich durch. Dies gilt besonders für den Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf. Bundespräsident Fischer wies darauf hin, dass Martin Graf eine klare Absage an den Nationalsozialismus abgegeben hat.

Aus Österreich sind mittlerweile 62.000 jüdische Opfer namentlich erfasst, darüber hinaus fast 30.000 Opfer der NS-Euthanasie-Aktionen, mehr als 9.000 ermordete Roma und Sinti sowie knapp 5.000 getötete Widerstandskämpfer oder hingerichtete politische Gegner des NS-Regimes. Insgesamt kamen in den Vernichtungslagern der Nazis in Europa mehr als sechs Millionen Menschen ums Leben.

Bundespräsident verweist auf konkrete Maßnahmen
Der Bundespräsident wies auf die konkreten Maßnahmen hin, die Österreich ergriffen hat: von der Errichtung des Nationalfonds über den Gedenktag für NS-Opfer bis zum Entschädigungs- und Versöhnungsfonds sowie den Bemühungen zur Restitution von Kunstwerken. Nach diesen eindeutigen Worten nutzten viele der österreichischen Holocaust-Überlebenden den an die Gedenkveranstaltung anschließenden Empfang für ein persönliches Gespräch mit Heinz Fischer.

Der aus dem Burgenland stammende Verteidigungsminister Norbert Darabos und Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl, die sich mit Heinz Fischer in Israel befinden, waren schon am Vortag mit in der NS-Zeit aus Österreich Vertriebenen und deren Nachkommen zusammengetroffen. In einem Ort nahe Jerusalem, der schon durch seinen Namen dokumentiert, woher die Menschen stammen, die hier leben - in Kiryat Mattersdorf. "Die Menschen, die ich getroffen habe, haben immer noch eine enge Bindung zu ihrer alten Heimat", erzählt Verteidigungsminister Darabos.

von Christian Hauenstein, Kronen Zeitung, und krone.at

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