Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn der junge Mann nach der Matura einen anderen Job gewählt hätte, um sein Jus-Studium zu finanzieren. Dann säße er heute möglicherweise dort, wo jetzt Richter Günter Sprinzel sitzt. Als 22-Jähriger hatte er aber bei jener Privatfirma angeheuert, die von Geldinstituten beschäftigt wird, um Bankomaten mit Barem zu versorgen. 800 Euro netto gab's dafür pro Monat für den Teilzeitbeschäftigten. Bis zu 10.000mal so viel lud er gemeinsam mit einem Partner an Arbeitstagen in den Geldtransporter und fuhr damit kreuz und quer durch das Land.
20.000 Euro angeblich verloren
Der Knackpunkt kam nach zwei Jahren. "Da sind mir plötzlich 20.000 Euro abgegangen. Wahrscheinlich in irgendeiner Bank verloren", sagt er. Man kann's glauben oder nicht. Die Reaktion darauf klingt auch recht abenteuerlich: "Ich hab unbemerkt vom Kollegen Geld eingesteckt und damit gespielt, weil ich die 20.000 zurückzahlen wollte." Dieses "Verlieren" flog nicht auf. Auch die weiteren "Entnahmen" blieben vorerst unbemerkt.
Richter: "Da schlottern mir die Knie"
"1,1 Millionen", staunt der Richter, "das entspricht ja einer Lebensverdienst-Summe. Da schlottern mir die Knie!" Das Spielen - so meint der psychiatrische Gutachter - sei beim verhinderten Juristen zur Sucht geworden und hätte seine Schuldfähigkeit reduziert.
Verteidiger: "Unglaublich!"
Es dauerte länger als drei Jahre und 35 "Entnahmen" zwischen 10.000 und 115.000 Euro, bis die Sache aufflog. "Unglaublich!", sagt Verteidiger Anton Karner. Sein Klient muss jetzt 27 Monate absitzen.
von Werner Kopacka, "Steirerkrone"
Symbolbild
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.