Bankomat "betreut"

Beim Auffüllen eine Million Euro unterschlagen

Steiermark
02.07.2008 23:07
Mehr als drei Jahre lang hat ein junger Steirer beim Befüllen von Bankomaten regelmäßig Geld abgezweigt. Exakt 1.109.040 Euro in bar. Er hatte eben Tag für Tag Millionen Euro in den Händen. "Eine beinahe unmoralische Verlockung!", sagt Anwalt Anton Karner. Sein Klient, ein 28-jähriger Werttransport-Fahrer, ist ihr auch erlegen. Mit dem Geld schloss er Wetten ab oder fütterte Spielautomaten. Der Preis: 27 Monate unbedingt.

Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn der junge Mann nach der Matura einen anderen Job gewählt hätte, um sein Jus-Studium zu finanzieren. Dann säße er heute möglicherweise dort, wo jetzt Richter Günter Sprinzel sitzt. Als 22-Jähriger hatte er aber bei jener Privatfirma angeheuert, die von Geldinstituten beschäftigt wird, um Bankomaten mit Barem zu versorgen. 800 Euro netto gab's dafür pro Monat für den Teilzeitbeschäftigten. Bis zu 10.000mal so viel lud er gemeinsam mit einem Partner an Arbeitstagen in den Geldtransporter und fuhr damit kreuz und quer durch das Land.

20.000 Euro angeblich verloren
Der Knackpunkt kam nach zwei Jahren. "Da sind mir plötzlich 20.000 Euro abgegangen. Wahrscheinlich in irgendeiner Bank verloren", sagt er. Man kann's glauben oder nicht. Die Reaktion darauf klingt auch recht abenteuerlich: "Ich hab unbemerkt vom Kollegen Geld eingesteckt und damit gespielt, weil ich die 20.000 zurückzahlen wollte." Dieses "Verlieren" flog nicht auf. Auch die weiteren "Entnahmen" blieben vorerst unbemerkt.

Richter: "Da schlottern mir die Knie"
"1,1 Millionen", staunt der Richter, "das entspricht ja einer Lebensverdienst-Summe. Da schlottern mir die Knie!" Das Spielen - so meint der psychiatrische Gutachter - sei beim verhinderten Juristen zur Sucht geworden und hätte seine Schuldfähigkeit reduziert.

Verteidiger: "Unglaublich!"
Es dauerte länger als drei Jahre und 35 "Entnahmen" zwischen 10.000 und 115.000 Euro, bis die Sache aufflog. "Unglaublich!", sagt Verteidiger Anton Karner. Sein Klient muss jetzt 27 Monate absitzen.

von Werner Kopacka, "Steirerkrone"
Symbolbild

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