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Fifty Shades of Green - eine Reise nach Irland

02.08.2014, 17:00
Der erste Besuch in Irland kann der Beginn einer verhängnisvollen Affäre sein. Vor allem wenn dieser auf die Halbinsel Dingle führt - zwar nicht eine der bekanntesten, dafür aber eine der schönsten Regionen des Landes.

Jeder, der schon einmal in Irland war, wird bestätigen können: Am Grün dieser Insel kann man sich nicht sattsehen. Jedes Mal, wenn sich die Sonne wie ein Schäferhund durch Herden malerischer Schafswölkchen drängt, entdeckt man neue Schattierungen dieser für Irland so typischen, ja beinahe klischeehaften Farbe.

Am satten Grün der Wiesen erfreuen sich auch die Pferde des irischen Nationalgestüts in Tully, das wir auf dem Weg von Dublin nach Dingle besuchen. Einige von ihnen haben als Rennpferde bereits Millionenbeträge gewonnen. Auch Queen Elizabeth II. reitet auf Pferden, die von den Zuchthengsten dieses Gestüts abstammen.

Auf dem Weg nach Dingle lohnt sich auch ein Stopp in Limerick. Die Stadt am River Shannon präsentiert sich passenderweise in einem mittelalterlichen Moosgrün, denn sie hat ein Schmuckstück dieser Zeit zu bieten: Das King John's Castle ist eine der besterhaltenen normannischen Burgen Europas und wurde im 13. Jahrhundert von König Johann Ohneland, dem jüngeren Bruder von Richard Löwenherz, erbaut. 2013 wurde in den von der Geschichte gezeichneten Gemäuern ein interaktives Mittelalter- Museum eröffnet.

Extravagante Kunst im Hunt- Museum

Für Freunde extravaganter Kunst ist ein Besuch des Hunt- Museums Pflicht: Die Sammlung, die John und Gertrude Hunt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammengetragen haben, reicht von der Antike bis zur Moderne. Das Besondere: Kunst war für die Hunts ein Gebrauchsgegenstand. In der Ming- Schale schlief die Katze, im antiken Krug wurde Wein gereicht, und der Picasso hing über dem Herd.

Ein Anziehungspunkt für extravagante Persönlichkeiten war das kleine Örtchen Foynes, das auf halber Strecke nach Dingle liegt. Von 1939 bis 1945 war der Küstenort ein Zentrum der Flugfahrt. Von hier aus starteten Boeing- Flugboote in Richtung Amerika. Um die oft berühmten Passagiere an der rauen irischen Küste warm zu halten, erfand der Restaurant- Chef Joe Sheridan hier den Irish Coffee.

Doch nun auf nach Dingle! Bei Tralee fahren wir auf die Halbinsel im Südwesten Irlands. Die Sonne protzt und zeichnet goldene Streifen auf die Wiesen. Die Schafe zeigen sich unbeeindruckt von den schroffen Klippen und kommen ihnen gefährlich nah. Die Gemütlichkeit, mit der sie die Straße queren, ist ansteckend.

Genussmenschen in Dingle

Und auch in der Küstenstadt Dingle selbst scheint es niemand eilig zu haben. Die Einwohner, das kann man bei einem Spaziergang durch die Gassen mit ihren bunten Häuschen erkennen, sind Genussmenschen. Nicht zufällig gibt es hier ein jährliches Gourmet- Festival. Wir treffen die Deutsche Maja Binder, die hier seit 1998 einen Käse- Shop betreibt. So wie der Delfin "Fungie", der sich vor vielen Jahren in die Bucht verirrt hat und zur touristischen Attraktion geworden ist, hat auch sie sich in die Region verliebt und ist geblieben. Ihre Spezialität ist der "delicious" Dilliskus, ein mit Seegras gewürzter Rindermilchkäse mit leicht salziger Note.

Das Meer ist auch ein Bestandteil der Eiskreation der Brüder Sean und Kieran Murphy: Aus Meerwasser machen sie eine überraschend herrliche "Sea Salt Ice Cream", und auch der tolle Gin der Dingle Distillery findet sich auf der Liste der regionalen Zutaten der kreativen Brüder.

Die ganze Region hat einst von der Fischerei gelebt. So auch die Bewohner der Blasket Islands, einer kleinen Inselgruppe vor der Küste Dingles. Über Jahrzehnte trotzten sie dem harten Leben auf den abgeschiedenen Inseln - und zeigten eine erstaunliche literarische Produktivität. Viele Werke entstanden, die das Leben auf den Inseln dokumentieren, dem die Regierung 1953 ein Ende setzte und die Bewohner aufs Festland übersiedelte.

"Beehive Huts" an der Küste

Der Blick auf die Blasket Islands ist einer der Augenschmaus- Momente, wenn man die Halbinsel Dingle auf der Panoramastraße Slea Head Drive abfährt. Auch wenn die Klippen hier nicht ganz so hoch sind wie anderswo in Irland, ist die Küstenlandschaft von atemberaubender Schönheit. Entlang der Strecke sieht man immer wieder "Beehive Huts", bienenkorbförmige Steinhütten, in denen prähistorische Siedler hausten.

Die heftigen Winde, die das Leben hier einst zu einer Tortur gemacht haben müssen, haben in den vergangenen Jahren die Strände der Region zu einer begehrten Destination für Surfer gemacht. Und auch für Wanderer bieten die Pfade entlang des Slea Head Drive eine attraktive Alternative zum oft überlaufenen "großen Bruder", dem Ring of Kerry.

In der Stadt Killarney laufen die Wege der Besucher beider Regionen zusammen. Hier vermischen sich allabendlich Touristen aus aller Welt in den Pubs, aus denen der Geruch von Gegrilltem und der Klang von Live- Musik strömen. Auf dem Rückweg nach Dublin steht noch ein Besuch des herrschaftlichen Anwesens Muckross House außerhalb von Killarney an.

Als sich Queen Victoria und ihr Gatte Albert im Jahr 1861 für einen Besuch ansagten, stürzten sich die Besitzer in Schulden, um das Haus "königinnengerecht" auszustatten. Wenige Monate nach dem dreitägigen royalen Besuch gingen sie bankrott und mussten das Haus verkaufen. Heute wird es als Museum geführt.

Die prachtvollen Parkanlagen des Anwesens rufen noch einmal all die Grüntöne dieser Reise in Erinnerung. Es ist wohl kein Zufall, dass Grün die Farbe der Hoffnung ist. Bald nach Irland zurückkehren zu können ist bei der Abreise eine tiefgrüne Hoffnung.

02.08.2014, 17:00
Christoph Hartner, Kronen Zeitung
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