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08.12.2016 - 16:10
Foto: thinkstockphotos.de

Dubrovnik und die Insel auf der Insel

06.09.2014, 17:00
Die Altstadt von Dubrovnik anzupreisen erübrigt sich wohl. Aber auch die Umgebung bietet viele überraschende und verborgene Sehenswürdigkeiten.

Sie singen ihre Lieder von Liebe und Sehnsucht, acht Männer um einen Gitarrenspieler geschart. Die alten Melodien sind so im täglichen Leben verankert, dass jeder sie mitträllern kann. Auch der Kellner murmelt den Text, während er fangfrischen Fisch serviert. "Oh Marijana, slatka mala Marijana", hört man als Refrain, und dann: "na prvi randevu" – auch er will die liebe kleine Marijana beim nächsten Rendezvous treffen.

In dem lauschigen Gastgarten schützt eine segelförmige Plane vor der gleißenden Sonne. Die Mauer eines aufgelassenen Benediktinerklosters spendet zu dieser Zeit keinen Schatten. Der Ort des Geschehens ist ein ungewöhnlicher: eine Insel auf einer Insel. Und das verlangt natürlich nach einer Erklärung.

Die Insel auf der Insel

Die Insel Mljet befindet sich eine gute Stunde Schnellbootfahrt von Dubrovnik in Kroatien entfernt. An deren nördlichem Ende liegen zwei Seen. Sie waren einst mit Süßwasser gefüllt, doch vor 10.000 Jahren entstanden Durchgänge zum Meer, und das Salzwasser bahnte sich seinen Weg. Mitten im großen See Veliko Jezero liegt die kleine Insel Sveta Marija, wo die Mönche im 12. Jahrhundert ein Kloster erbaut haben. Es wurde geschlossen, weil der Platz selbst den Gottesmännern zu abgelegen war. Teile davon beherbergen heute das bereits erwähnte romantische Gasthaus.

Mljet verfügt über eine für die Gegend ganz untypisch üppige Fauna. Wer auf der 37 Kilometer langen Insel Trubel und Unterhaltung sucht, ist aber fehl am Platz. Die einzige Disco hat schnell mangels Besuchern schließen müssen. Die knapp tausend Einwohner waren nicht wirklich interessiert und die Touristen auch nicht. So versucht der Besitzer jetzt in den Räumlichkeiten mit einem Supermarkt sein Glück. Nur Glaskugeln an der Decke erinnern an das gescheiterte Experiment mit dem Vergnügungstempel.

Dubrovniks Umgebung erkunden

Mljet ist nur ein Beispiel von vielen, dass Dubrovniks Umgebung zahlreiche Möglichkeiten für interessante Ausflüge bietet. Die längste Festungsmauer Europas zum Beispiel befindet sich nur ein paar Kilometer weiter in Ston. Diese wurde einst zum Schutz einer Meerwasser- Saline errichtet. Noch heute wird das "weiße Gold", wie Salz einst genannt wurde, nach genau der gleichen Methode abgebaut wie einst zu Zeiten der Antike.

In einer Bucht vor Mali Ston werden Austern und Muscheln gezüchtet. Und auch das ist keine moderne Einrichtung. Die Köstlichkeiten aus dem Meer mit dem dekadenten Flair gab es schon, als Tito noch regierte. Man machte freilich wenig Aufheben darum. Nur in den Lokalen der Umgebung wurden sie verkauft. Heute fährt ein Boot direkt zu den Zuchtstationen, und die Austern werden als Höhepunkt des Ausfluges den Besuchern kredenzt – direkt aus dem Meer gefischt mit einem Spritzer Zitronensaft. Frischer geht's nicht.

Einige Kilometer weiter westlich auf der Halbinsel Pelješac hat sich ein reicher Geschäftsmann seinen Traum erfüllt: ein nagelneues Weingut. Erst 2006 begann der Bau der Keller, die drei Stockwerke in die Tiefe reichen. Natürlich ist alles perfekt klimatisiert, die Feuchtigkeit, die der Felsen eines nahen Berges abgibt, wird für das optimale Klima der Barrique- Fässer genutzt. Auch ein Hubschrauberlandeplatz soll bald errichtet werden. Man will dem gehobenen Publikum die Anreise zu den "Saints Hills" erleichtern. Der Rotwein, der hier gekeltert wird, ist freilich dem eher hochpreisigen Segment zugeordnet.

Alte Lebensfreude wieder eingekehrt

Dubrovnik selbst hat seine alte Lebensfreude wiedererlangt. In der Stadt ist von den Schäden des Kroatien- Krieges kaum mehr etwas zu sehen. Nur an einer Kirche hat man absichtlich kleine Löcher nicht ausgebessert, um die Erinnerung am Leben zu erhalten. Das historische Ragusa, die jahrhundertealte Stadt aus Stein, ist so populär, dass es manchen Bewohnern zu viel geworden ist. Das liegt auch an den Kreuzfahrtschiffen, die tagtäglich vor der Stadt ankern. Man will jetzt ihre Zahl begrenzen, um das Flanieren auf der Stradun, wie die Hauptstraße genannt wird, tagsüber angenehmer zu gestalten. Es ist daher zu empfehlen, die Besichtigung in die Abendstunden zu verlegen. Und den Rundgang in einem der beiden Durchlässe der Stadtmauer zu beenden, wo schicke Bars eröffnet haben.

Ein unvergessliches Erlebnis bleibt eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Berg Srd. Auch hier ist die Erinnerung an den Krieg gegenwärtig und soll es offenbar auch bleiben. Ein Museum zeigt Dokumente über den Beschuss der Altstadt von Dubrovnik. Erinnerung war auch beim Besuch der kleinen Stadt Cavtat ein Thema. Der Autor dieser Zeilen hat dort vor 40 Jahren seinen Urlaub verbracht. Cavtat war damals ein winziges Fischerdorf mit drei Wirtshäusern. Die neuen Siedlungen und Hotelanlagen im Umfeld gab es noch lange nicht. Nur am glasklaren Wasser der Bucht hat sich nichts geändert...

06.09.2014, 17:00
Peter Grotter, Kronen Zeitung
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