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07.12.2016 - 19:58
Foto: thinkstockphotos.de

Auvergne: Reise ins ursprüngliche Frankreich

11.10.2014, 17:00
Mitten im Herzen Frankreichs wird Ursprünglichkeit gelebt. Ein Natur- und Kulturparadies, inspiriert von einer atemberaubenden, sanft hügeligen Vulkanlandschaft, Tradition, Handwerkskunst, einer Küche mit Charakter und Lebensfreude pur.

Auvergne, das tiefe, ursprüngliche Frankreich – eine Landschaft, die von Vulkanen und Flüssen geformt wurde. Das erste Rendezvous mit dieser faszinierenden, facettenreichen Region beginnt nahe Lyon in Saint- Bonnet- le- Froid im Département Haute- Loire. Wir atmen klare, frische Luft auf 1.000 Meter Seehöhe. Der kleine Ort mit rund 200 Einwohnern ist ein beliebter Gourmet- Zwischenstopp für alle Liebhaber der exzellenten Haubenküche. Hier ist die Heimat von Régis Marcon, dem französischen Drei- Sterne- Koch, der zusammen mit seinem Sohn Jacques Marcon mehrere gastronomische Betriebe führt.

Festival für Pilz- Liebhaber

In seinem aus Stein und Holz, verbunden mit Glas und Stahl erbauten Restaurant in Saint- Bonnet- le- Froid kommt der Gast in den Genuss innovativer Kochkunst aus regionalen Zutaten. Die Rezepte spiegeln die Natur der Umgebung und die lange Tradition wider. Steinpilze, die im Laufe der Jahre zum Wahrzeichen des Hauses Marcon geworden sind, dominieren den ganzen Ort. Auf Beständigkeit und Gastfreundschaft wird viel Wert gelegt. So findet beispielsweise jedes Jahr im November die "Fête des Champignons" statt – ein wahres Festival für Pilz- Liebhaber. Auch heuer verwandelt sich das Dorf am 8. und 9. November in einen riesigen Marktplatz und bietet eine schöne Gelegenheit, die typisch herbstlichen Düfte und Aromen der Waldfrüchte und Pilze kennenzulernen.

Traditionelles Holzschuhwerk

Wie Tradition in Saint- Bonnet- le- Froid ist Brauchtum auch in Montfaucon- en- Velay ein unverzichtbarer Teil im Leben von André Guerin. Er ist einer der zehn letzten "Sabotiers" in Frankreich. Der herrliche Duft von Holz ist in seiner Werkstatt allgegenwärtig. Der ehemalige Tischler widmet sich der Herstellung von Holzschuhen, sogenannten "Sabots". Diese Bezeichnung stand noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts für Holzschuhfabrikation selbst und ist der Ursprung des Wortes Sabotage. Französische Eisenbahnarbeiter verwendeten "Sabots" als Bremsschuhe während des Streiks von 1910, um den Bahnbetrieb zu behindern. Heute wird mit den traditionellen Holzschuhen niemand mehr "sabotiert", Monsieur Guerin fertigt sie bevorzugt für Volkstanzgruppen oder Gärtner in der Region an. Interessierte dürfen dem Meister bei der Produktion über die Schulter schauen und bestenfalls ein handgefertigtes Paar gleich mit nach Hause nehmen.

Viele der "schönsten Dörfer Frankreichs"

Nicht weniger als elf Orte der Auvergne sind mit der Auszeichnung "Eines der schönsten Dörfer Frankreichs" prämiert. Dörfer, in denen sich die kostbarsten Exemplare des französischen Architektur- und Naturerbes befinden. Wir halten in Lavaudieu, was so viel bedeutet wie "Tal Gottes", auf halber Strecke zwischen Clermont- Ferrand und Le Puy- en- Velay gelegen. Ein wunderbarer kleiner mittelalterlicher Ort mit 80 Einwohnern, der vom klaren Wasser der Sénouire umspült wird. Hier befindet sich das ehemalige Benediktiner- Frauenkloster St- André – das einzige romanische Kloster, das in der Auvergne erhalten ist. Mit besonders viel Sorgfalt wird das Dörfchen seit 40 Jahren von den Einheimischen gepflegt, nach und nach restauriert und so der Nachwelt in seiner einzigartigen Pracht erhalten. Bei einem Spaziergang durch die mit Steinen gepflasterten Gassen empfindet man diesen Ort als eine Oase der Ruhe.

Burgen und Schlösser

Die Auvergne zählt unter allen Sehenswürdigkeiten etwa 250 sakrale Bauten aus dem 11. bis 13. Jahrhundert und ist ein im Dornröschenschlaf liegendes Paradies der Burgen und Schlösser. Auf dem Weg in den Norden zum Puy de Dôme entdecken wir auf einer wunderbaren Anhöhe die Burg von Polignac. Schon von Weitem fasziniert die mächtige Festung mit dem markanten viereckigen Turm. Vom Dorf aus können Besucher die Burg über einen Pfad für sich "einnehmen" und eine fantastische Aussicht über das Umland genießen. Die meisten Châteaux sind als Museum zu besichtigen oder sie wurden von Privatpersonen erworben und zu einem Hotel umgebaut. Eine Übernachtung in einem dieser historischen Gemäuer ist wie eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ich kann es nur empfehlen!

Einzigartige Vulkanlandschaft

Fragen Sie ruhig nach der Geschichte. Die Menschen in der Auvergne erzählen gerne über die Schönheiten ihrer Region. Sie sind stolz und doch bescheiden zugleich. Sie genießen das Leben in einer Gelassenheit, die man heutzutage nur mehr selten findet. Und sie sind Individualisten, die ihre Liebe zum Detail nach außen hin präsentieren. Nicht aufdringlich, aber authentisch. Diese innere Haltung ist vergleichbar mit der sanft hügeligen Vulkanlandschaft der Auvergne. Seit über 7.000 Jahren in sich ruhend, erstreckt sich von Cantal im Süden bis Puy de Dôme im Norden eine einzigartige Landschaft, durch Vulkantätigkeit geschaffen im Laufe von Millionen von Jahren. Wie Perlen einer Kette reihen sich die 80 sanften Riesen aneinander. Die "Kette der Puys" sieht auf den ersten Blick aus wie ein Meer an grünen Wellen. Lavabuckel überzogen wie mit grünem Samt, klares Wasser in den Kratern umringt von der grünen Flora der Bergkuppen.

Der imposanteste Vulkan im Zentralmassiv, der Puy de Dôme, wacht mit seinen 1.465 Metern über der Hauptstadt der Auvergne, Clermont- Ferrand. Den Gipfel erreicht man bequem mit einer Panorama- Zahnradbahn, die spiralförmig um den Kegel des grünen Vulkans hinauffährt. Wer sportlich ambitioniert ist, nimmt zu Fuß den guten alten Maultierpfad, um nach oben zu gelangen. Der steile Anstieg in Serpentinen ist bestens ausgebaut. Holzbänke laden zu einer Zwischenrast, während man die Aussicht auf die Vulkankette genießen kann. Oben angekommen hat man einen atemberaubenden Blick auf die Puys und die umliegende Landschaft. Neben dem bemerkenswerten Panorama finden Besucher auf dem Gipfel auch Ruinen des römischen Tempels des Merkur Dumias aus dem ersten Jahrhundert. Einen Abstecher wert ist auch das nahe gelegene Vulcania, ein vom kürzlich verstorbenen österreichischen Architekten Hans Hollein konzipiertes Museum, das seit 2002 dem Vulkanismus gewidmet ist.

Genuss entlang der Käse- Straße

Die letzte Station unserer Reise führt uns direkt auf die "Route des Fromages d'Auvergne". Regionale Spezialitäten sind bekanntlich Wahrzeichen ihres Herkunftslandes. Die Auvergne ist wie eine große Käseplatte, denn alleine in der Region entsteht ein Viertel der nationalen Produktion. Zwischen Cantal und Puy de Dôme empfangen auf nicht weniger als 39 Etappenzielen Käsebauern und Käsereien die Besucher mit ihren Kreationen. Es darf gekostet und gekauft werden.

Als wir am Morgen zu der familiär geführten Käserei GAEC hinauffahren, hat es gerade einmal acht Grad Celsius. Madame Chassard empfängt uns mit einem Lächeln und bittet uns in die warme Käsestube. Ein angenehm milder Duft umschmeichelt die Nase. Calou Chassard stellt uns die fünf kulinarischen Repräsentanten der Auvergne vor: Fourme d'Ambert, Salers, Cantal, St- Nectaire und Bleu d'Auvergne. Alle mit Prädikatsbezeichnung und unterschiedlichen Aromen. Während wir bei der Käsezubereitung durch ein riesiges Glasfenster zusehen können, kommen auch Einheimische, um regionale Produkte einzukaufen.

Urlaub im ursprünglichen Frankreich

Wer Ruhe sucht, wird sie in der Auvergne garantiert finden. Hier gibt es kein von Touristen überlaufenes Versailles, aber dafür Burgen und Schlösser mit Geschichte, keine Côte d'Azur mit all ihren Promenaden und Prominenten, sondern glasklare Seen, Thermalquellen und sanfte Vulkanhügel. Eine beeindruckende Kulisse, die den Gaumenfreuden, Käsegenuss und der Kulturgeschichte Raum gibt – im tiefen, ursprünglichen Frankreich.

11.10.2014, 17:00
Diana Zwickl, Kronen Zeitung
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