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Foto: AP / Video: Ruptly.TV

So erlebten 200 heimische Polizisten das G20- Chaos

11.07.2017, 14:54

215 Polizisten aus Österreich, darunter WEGA- und Cobra- Beamte, haben vergangene Woche ihre deutschen Kollegen beim G20- Gipfel in Hamburg unterstützt und waren dabei mit "bürgerkriegsähnlichen Szenarien" konfrontiert. Die Beamten seien massiv, unter anderem mit Stahlkugeln und Pflastersteinen attackiert worden, berichteten WEGA- Kommandant Ernst Albrecht und Cobra- Direktor Bernhard Treibenreif am Dienstag in ihrer Bilanz des Einsatzes. Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) lobte die Arbeit der Polizisten.

Geholt hat man die österreichischen Polizisten auf Basis des 2003 abgeschlossenen "Deutsch- Österreichischen Polizei- und Justizvertrages" sowie des Prümer Vertrages, einem zwischenstaatlichen Abkommen aus dem Jahr 2005 zwischen elf EU- Mitgliedsstaaten und Norwegen.

Foto: AP
WEGA-Kommandant Ernst Albrecht
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

74 WEGA- und 20 Cobra- Beamte im Einsatz

Insgesamt kamen 215 österreichische Beamte nach Hamburg, darunter waren 74 Polizisten der WEGA und 20 Beamte des Einsatzkommandos Cobra. Letztere etwa waren am Flughafen sowie im Schanzenviertel eingesetzt. Die WEGA war ab 3. Juli bei Kontrollmaßnahmen und bei der Räumung im Schanzenviertel eingesetzt.

Foto: AFP

Massive Angriffe auf Einsatzkräfte

Zum Schlafen kamen sie dabei kaum. "Ab 6. Juli waren wir an vorderster Front bei der als problematisch eingestuften Demo", erklärte Kommandant Albrecht mit Verweis auf die "Welcome to Hell"- Demo. Die Räumung des Schanzenviertels etwa dauerte bis 4 Uhr Früh, man blieb bis 7. Juli im Einsatz. "Der 7. war der schlimmste Tag", es habe Brandstiftung und Plünderungen gegeben, so Albrecht. Die Angriffe auf die Einsatzkräfte seien massiv geworden. So seien auf Dächern Betonplatten zum Runterwerfen vorbereitet worden, auch von Molotowcocktails war die Rede. Die Kollegen der Cobra mussten daher die Hausdächer sichern.

Foto: APA/GUENTER R. ARTINGER

"Bürgerkriegsähnliche Szenarien"

Was das Werfen von Pflastersteinen betrifft, habe man laut Albrecht "eine neue Qualität" erreicht, denn hinter Barrikaden seien Steine für Werfer vorbereitet worden: "Da wurde arbeitsteilig vorgegangen. Mir fällt kein anderer Begriff als bürgerkriegsähnliche Szenarien  ein", so der WEGA- Kommandant.

Foto: AP

Zahlreiche Beamte erlitten Blessuren

"Das war ein sehr schwieriger Einsatz", aus dem man aber auch viel an Erfahrung mitgenommen habe, resümierte er. Durch Angriffe seien etwa Funkgeräte zerstört worden, man will daher auch wieder mit Handzeichen untereinander kommunizieren, nannte Albrecht ein Beispiel. Laut seinen Angaben habe das halbe Kontingent Blessuren wie Prellungen und Schürfwunden erlitten, auch ein Treffer auf den Kopf wurde verzeichnet. Fünf Polizisten der Wega wurden bei dem Einsatz leicht verletzt.

Ein ausgebranntes Auto, im Hintergrund Einsatzfahrzeuge der österreichischen Polizei
Foto: AFP

"Hatte nichts mit einer normalen Demo zu tun"
Cobra- Direktor Bernhard Treibenreif ist auch Präsident von Atlas, einem internationalen Netzwerk für Spezialeinheiten. Dass bei großen Demos Sondereinsatzkräfte zum Einsatz kommen, sei nicht üblich, hier sei es jedoch um den Beschuss von Fahrzeugen und Brandstiftung gegangen . Auch gibt er zu bedenken, dass etwa Stahlkugeln Schutzbekleidung durchdringen können: "Das hat eine Qualität, die hat nichts mehr mit einer normalen Demo zu tun. Das ist Gewalt um der Gewalt Willen." Insgesamt sei ein gewaltiger Aufwand betrieben worden, die Stäbe müssen daher entsprechend hochgefahren werden bei derartigen Großeinsätzen, zog Treibenreif Bilanz.

Cobra-Direktor Bernhard Treibenreif
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Sobotka- Lob für österreichische Polizisten

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) bedankte sich bei den Polizeieinheiten für ihre Arbeit. Der Einsatz habe gezeigt, dass die Ausbildung der österreichischen Polizisten hervorragend ist, hier werde man daher weiter Top- Maßstäbe anlegen und immer wieder nachjustieren. Der Mannschaftsstand soll auch nach 2018 weiter ausgebaut werden, um die Bedürfnisse der Basis und der Spezialeinheiten abzudecken.

Foto: APA/BKA/ANDY WENZEL

Sobotka meinte, linksextremistischer "Fast- Terror" sei lange Zeit negiert worden. Aber: "Es kann nie sein, dass uns Linksextreme vorschreiben, wo wir Veranstaltungen abhalten." Der Ressortchef pochte auf weitere Änderungen im Versammlungsrecht, kündigte für Donnerstag einen Initiativantrag an und geht davon aus, dass dies "in guter Form" verabschiedet werden kann.

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