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24.05.2017 - 15:51
Obmascher (re.) mit Patenkind Tua und dem Schweizer Niggli am Ziel ihrer langen Reise in Vietnam
Foto: Hanna Molden/Simon Niggli

Für die gute Sache zu Fuß von Tirol bis nach China

07.04.2016, 06:16

Der Tiroler Christoph Obmascher und der Schweizer Simon Niggli sind 7000 Kilometer zu Fuß gegangen. In zehn Monaten. Von der Schweiz bis China. Sie taten es, um armen Kindern zu helfen. Die "Krone" begleitete sie beim Happy End in Asien.

Als sich Obmascher und Niggli vor ein paar Jahren auf dem Jakobsweg begegneten, stellten sie fest, dass sie beide über World Vision, die weltweit größte christliche NGO, Patenkinder in Vietnam haben. Damals beschlossen sie, für diese Kinder mehr als nur den Monatsbeitrag für eine Patenschaft zu leisten. Christoph und Simon, beide der ersten Jugend entwachsen, ließen ihre Jobs sausen und machten sich auf den Marsch ihres Lebens. Ihr Blog "The Walk of our Life"  war geboren, Spenden wurden dankbar angenommen, mal sehen, was sich ergeben würde. Vielleicht würde es reichen für den Bau einer Schule in der nordvietnamesischen Kommune Tram Tau, wo sie ihre Patenkinder wussten.

In der Schule gilt es angesichts der hohen Analphabetenrate, schreiben und lesen zu lernen.
Foto: Hanna Molden/Simon Niggli

18. Jänner 2015: Die beiden Wanderer brechen in Simons Schweizer Heimat auf. Über den verschneiten Arlberg nach Wien, über die damals noch keineswegs berüchtigte Balkanroute in die Türkei. Dann Georgien, Aserbaidschan, Kasachstan. Zweimal schon sind die Schuhsohlen durchgelaufen. Die Hitze ist unerträglich, die Müdigkeit quälend, aber immer ist da auch beglücktes Staunen über Begegnungen mit fremden Menschen und fremden Kulturen, ungekannter Natur. Der Körper ist längst an 30 bis 40 Kilometer lange Tagesmärsche gewöhnt. Usbekistan, Kirgistan, die unendliche Weite und die dünne Luft der Hochebene von Pamir. Und dann der 12. Oktober 2015: Nach mehr als elf Millionen Schritten noch ein letzter - Christoph und Simon sind in China! Aber noch nicht an ihrem eigentlichen Ziel.

Sprache als Ausweg für besseres Leben

Februar 2016, Hanoi: Über Tibet, Nepal, Indien und Thailand sind sie gereist und in der Hauptstadt Vietnams angekommen. Mit einem Team örtlicher Mitarbeiter von World Vision machen sie sich auf in den Nordwesten von Vietnam, in die Gegend um Tram Tau, zu den hoch in den Bergen gelegenen Dörfern der H'Mong, einer Ethnie, die dort seit vielen Jahrhunderten siedelt. Eigene Schrift, eigene Sprache, bettelarm.

In Dörfern werden Wege für Kinder schnell unpassierbar.
Foto: Hanna Molden/Simon Niggli

Wer nicht Vietnamesisch spricht, hat keine Chance auf ein besseres Leben. Für die Kinder der H'Mong gibt es seit ein paar Jahren staatliche, von World Vision unterstützte Schulen, in denen die Schüler auch während der Woche wohnen. Dort werden Christoph und Simon ihre Patenkinder treffen.

Ein Küchenherd mit offenem Feuer: So wird in Vietnam das einfache Essen zubereitet.
Foto: Hanna Molden/Simon Niggli

Wilde Täler, steile Hänge. Exotischer Wald, graziös gewundene, bis zu den Kämmen der Berge reichende Reisfelder. Löchrige, schmale Straßen, Büffelgespanne, Schweine, Federvieh. Sprühregen ohne Unterlass, die Feuchtigkeit kriecht in die Knochen, die rote Erde wird zu rotem Matsch. Über den armseligen Hütten der Dörfer liegt beißender Rauch. Offene Feuerstellen. 78 Prozent der Kinder sind unterernährt, viele husten, haben rinnende Nasen, die meisten sind bloßfüßig. Spontan beschließen Christoph und Simon: Sie werden mit dem Erwanderten Wärme schaffen, sie werden in Schulen Öfen bauen.

Auf terrassenförmigen Reisfeldern wird in Vietnam noch traditionell angebaut.
Foto: Hanna Molden/Simon Niggli

Fußball als Geschenk verzaubert elfjährigen Tua

In einer dieser Schulen trifft Christoph auf sein Patenkind Phang A Tua. Im Geschenksack für den Buben ist auch ein Fußball. "Er ist ja erst elf", sagt der Pate hoffnungsvoll. Die Direktorin begleitet Tua über den Schulhof. Er wurde fein gemacht, der kleine Kerl. Ist befangen, Christoph auch, man kann ja nicht direkt miteinander kommunizieren, ist auf Übersetzer angewiesen. Tua bleibt stumm. Der Vater des Buben ist gekommen. Er hoffe, dass sein Sohn einmal auf die Universität gehen und Mathematik studieren werde, wird übersetzt. Tua ist immer noch stumm. Bis Christoph den Fußball aus dem Einkaufssack fischt.

Das Aufbrechen des Kindergesichts in fassungsloses Staunen und schließlich Seligkeit wird unvergesslich bleiben. Er wisse jetzt, warum er so weit gegangen ist, murmelt Christoph, jetzt sei er am Ziel. Minuten später dribbeln die beiden Wanderer aus Europa mit den selbstvergessenen H'Mong- Buben über den Schulhof. Fußball eben, die wortlose Weltsprache...

Spendenkonto:
World Vision Österreich
IBAN bei Erste Bank:
AT 92 2011 1800 8008 1801
Kennwort der Hilfsaktion:
The Walk of our Life

07.04.2016, 06:16
Hanna Molden, Kronen Zeitung
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