Im Jänner hatte das deutsche Bundeskriminalamt in Wiesbaden Ermittlungen gegen das Forum aufgenommen, im Mai wurde das BK in Wien informiert, dass sich in der Community auch User aus Österreich befinden dürften. Ein Mann mit dem spanischen User-Namen "el nino" (zu Deutsch "das Kind") verwendete typisch österreichische Begriffe und fiel durch seine besonders aggressive Ausdrucksweise und seine grausamen Schilderungen von sexuellen Misshandlungen auf.
Wiener war "der Star des Forums"
"Er beschrieb auf abscheuliche Weise den Missbrauch seiner zehnjährigen Stieftochter", sagte Gremel. Der Wiener hatte in dem Forum seine Taten jeweils angekündigt und geschildert, was er am Abend mit dem Mädchen vorhabe. Am nächsten Tag stellte er dann Aufnahmen von dem Missbrauch ins Internet. "Er war der Star des Forums", sagte Gremel. Der Verdächtige wurde im Mai verhaftet und befindet sich seither in U-Haft.
Der Fleischhauer, Vater dreier eigener Kinder, bevorzuge Mädchen im Alter von zwei bis elf Jahren, schilderte der Beamte. Die Mutter des Kindes will von dem Missbrauch nichts mitbekommen haben. Obwohl es ihr komisch vorgekommen sei, dass der Mann mit ihrer Tochter in einem Zimmer schlief und dieses auch absperrte, wie sie bei den Einvernahmen aussagte.
Fleischhauer als Monster
Wenn man die Texte des 41-jährigen Fleischhauers liest, "stellt man sich ein Monster vor", so Gremel. Bei der Einvernahme gab sich der Verdächtige aber wortkarg und gab an, dass ihm beim Betrachten der Bilder schlecht wurde. Er sei angestiftet worden von den anderen Mitgliedern und habe dann mitgemacht. Reue zeigte er aber keine, betonte Gremel. Der 41-Jährige war im Übrigen zwar nicht einschlägig, aber wegen Eigentumsdelikten vorbestraft.
Verhaftet wurden auch ein 22-jähriger Kärntner, der den zwölfjährigen Sohn eines Freundes missbrauchte, und ein 36-jähriger Vorarlberger, dessen Opfer die achtjährige Tochter der Lebensgefährtin war. Beide Männer waren arbeitslos. Der Kärntner wurde erst vor wenigen Tagen verhaftet, der Vorarlberger im Juni. Im Gegensatz zu dem Wiener stellten sie keine Bilder von den Taten zur Verfügung, sondern schilderten ihre Handlungen und tauschten Erfahrungen aus. Auch diese beiden Männer hätten kein Unrechtsbewusstsein. Die Rechtfertigungen seien immer die gleichen: "Sie wollten dem Kind etwas lernen, es hat freiwillig mitgemacht", so Gremel.
In der Steiermark wurden bis Mittwochvormittag noch zwei Unterkünfte durchsucht, bei zwei angezeigten Steirern - einem 30-jährigen Tontechniker und einem Firmenchef aus Graz - wurde zahlreiches kinderpornografisches Material sichergestellt. Die Männer beteiligten sich am Forumsleben und verbreiteten kinderpornografische Darstellungen. Weil nicht klar gewesen ist, ob die Steirer auch selbst Material herstellten, hat man bis zuletzt zugewartet.
Techniker halfen bei Geheimhaltung
Die mutmaßlichen Täter sind sehr konspirativ vorgegangen, der 41-jährige Wiener verschleierte durch einen "Anonymisierungsdienst" seine echte IP-Adresse. Das Forum selbst war in sich geschlossen. In der Community haben sich viele Techniker befunden, die ihr Wissen preisgaben. Es handelte sich nicht um kommerziellen Handel mit kinderpornografischem Material, sondern um ein reines Tauschgeschäft von Bildern und Videos bzw. den gegenseitigen Erfahrungsaustausch bei Missbrauchshandlungen.
Spitze der Pyramide ausgeforscht
Die Community ist mit einer Pyramide vergleichbar, deren Mitglieder sich in unterschiedliche Gruppen fassen lassen. Die Basis sind die Konsumenten, die Bilder im Internet betrachten, erklärte Ewald Ebner, Leiter des Büros für Kapital- und Sittlichkeitsdelikte im Bundeskriminalamt (BK). Auf der zweiten Stufe stehen jene, die Material anbieten und austauschen, die Mitglieder der nächsten Stufen treten bereits mit anderen Usern persönlich in Kontakt und tauschen ihre Bilder aus. Die letzte Stufe sucht den Kontakt zu den Kindern. "Gegen diese Spitze der Pyramide wurde vorgegangen und die Haupttäter ausgeforscht", sagte Ebner.
Die Anzahl der ausgeforschten Täter ist nicht groß, aber es handelt sich dabei um die gefährlichste Gruppe der Pyramide. Sie begnügten sich nicht mit dem Abspielen und Verbreiten, sondern wollten Kinder missbrauchen, sagte Harald Gremel, Operations-Leiter vom BK in Wien. Österreich galt bisher als Land der Konsumenten und nicht der Kinderporno-Hersteller.
Das Forum wurde am Mittwoch abgeschaltet. Damit ist die Szene "nicht trocken gelegt", sagte Gremel. Die Ermittlungen gehen weiter.
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