"Nur Weckruf"
Merkel sieht keinen Grund für Strategiewechsel
Ungeachtet einer Reihe von Stimmen aus der Union, die eine härtere Gangart im Bundestagswahlkampf einforderten, hob CDU-Chefin Merkel hervor: "Es ist klar, dass wir an der Strategie überhaupt nichts zu ändern haben." Schlüsselthemen auch im Bundestagswahlkampf seien "Wachstum und Arbeit". Dabei spiele soziale Gerechtigkeit für die Menschen "eine sehr zentrale Rolle". Ähnlich äußerten sich weitere CDU-Spitzenpolitiker in Berlin. "Wir wollen einen sachlichen Wahlkampf führen", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff.
CDU-Spitzen noch unbesorgt
Hessens Regierungschef Roland Koch nannte die Ergebnisse vom Sonntag, bei denen die CDU im Saarland und Thüringen herbe Verluste erlitten hatte, einen "Weckruf". CSU-Chef Horst Seehofer sprach sich in München für "Besonnenheit und Vollgas" im Wahlkampfendspurt aus. Deutliche Kritik kam hingegen vom Wirtschaftsflügel der Union: Der bisherige Wahlkampf sei "inhaltlich profillos", sagte der Chef der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, der "Financial Times Deutschland" vom Montag.
Rückenwind für die SPD
Die SPD dagegen verspürt nun freilich einen gehörigen Rückenwind für ihren Bundestagswahlkampf. "Es gibt die Chance, dass wir gewinnen", sagte Parteichef Franz Müntefering in Berlin. Zugleich versicherte er, eine Zusammenarbeit mit der Linken auf Bundesebene sei für die Zeit bis 2013 ausgeschlossen. "Aber die Zeit wird vorbeigehen", fügte Müntefering mit Blick auf die derzeitigen Differenzen zwischen SPD und den Linken hinzu.
Auch Linken-Chef Oskar Lafontaine zeigte sich überzeugt, "dass die Bundestagswahl noch nicht gelaufen ist". FDP-Chef Guido Westerwelle warnte davor, bereits von einem schwarz-gelben Wahlsieg im Bund auszugehen. Grünen-Kandidatin Renate Künast zeigte sich zuversichtlich, dass im Bund eine Mehrheit gegen Schwarz-Gelb zustande kommen werde.
Sächsischer Ministerpräsident will bleiben
Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) kündigte unterdessen Gespräche mit den möglichen Koalitionspartnern SPD, Grünen und der FDP an. Der SPD-Landesvorsitzende Thomas Jurk trat als Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden der SPD mit nur 10,4 Prozent von seinem Amt zurück. "Der Wahlkampf war auf mich zugeschnitten, ich übernehme daher auch die Verantwortung für das Wahlergebnis", erklärte er in Dresden.
"Linker" bekräftigt thüringischen Führungsanspruch
In Thüringen ist die Regierungsbildung inzwischen weiter völlig offen. Der Spitzenkandidat der Linkspartei, Bodo Ramelow, bekräftigte seinen Anspruch auf den Posten des Ministerpräsidenten und schloss einen Verzicht zugunsten der SPD aus. Sowohl Linke als auch die CDU von Ministerpräsident Dieter Althaus wollen die SPD zu Sondierungsgesprächen einladen.
Alles offen im Saarland
Im Saarland wollen sowohl Ministerpräsident Peter Müller (CDU) als auch SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas mit möglichen Koalitionspartnern die Chancen für eine Regierungsbildung ausloten. Dabei schienen die Chancen für ein Bündnis aus SPD, Linkspartei und Grünen am größten. Die Grünen hielten sich aber auch die Option einer Jamaika-Koalition mit CDU und FDP offen.







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