"Rasende Idioten"

Anrainer gegen die Gefährlichen unter den Bikern

Steiermark
31.03.2008 18:58
Etwa 50.000 SteirerInnen freuen sich darüber, dass sie per motorisiertem Zweirad durchs Land brausen können. Ihnen steht allerdings rund eine Million Leute als Anrainer gegenüber, die sich über den wilden Lärm und die verantwortungslose Raserei mancher Zweiradler grün und blau ärgern. Als Paradestrecke der Motorradler gilt die Sobothstraße in der Südwestecke der Grünen Mark...

Gut ausgebaut, tolle Kurven, ein griffiger Belag. Doch es gibt eine Kehrseite: Die Opferbilanz ist sehr ernüchternd. Und zudem ist es alles andere als ein Vergnügen, an dieser Straße zu wohnen. 

"20 Prozent rasen wie Idioten"
"Wir haben nichts gegen die Motorradler, wenn sie vernünftig fahren. Aber an die 20 Prozent von ihnen rasen wie Idioten", sagt Christa Nitzl, die als Anrainerin den Lärm sowohl von der Soboth- als auch von der Radlpass-Straße mitbekommt.

"Wir freuen uns über schlechtes Wetter"
Oder die Lehrer-Familie Stanek, die ihr Haus etwas über der Soboth-Straße hat. "Wir freuen uns immer über schlechtes Wetter, da bleiben die Motorradler aus", sagt Maria-Luise Stanek. Zeitweise ist es an sommerlichen Wochenenden vor dem Stanek-Haus so laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Auch die Staneks haben nichts gegen "normale" Biker, die vernünftig in Richtung Pass fahren. Aber alles gegen die Raser auf ultraschnellen und kreischend lauten Renngeräten. "Die könnten wenigstens dort das Gas zudrehen, wo Menschen wohnen", hofft Frau Stanek.

Viele slowenische Raser
Wobei man heuer bereits eine neue Beobachtung gemacht hat: Unter den Rasern sind sehr viele Slowenen, die sich um Tempolimits und Anrainer nicht scheren. Sie haben die Rundstrecke vom Drautal über die Soboth und den Radlpass zu ihrem Rennkurs erklärt. Dabei hilft ihnen die EU-Entwicklung: Wenn früher einer durch besondere Raserei auffiel, verständigte die Gendarmerie die Grenzposten am Radlpass, wo der Raser dann gestoppt und abkassiert wurde. Dank Schengen-Erweiterung gibt es keine Grenzkontrollen mehr - und die wilden Reiter entfleuchen unbehelligt nach Slowenien. 

Zähmversuche mit Laser und Radar
"Wir versuchen, diese Leute mit Laser, Radar und Zivilstreifen zu zähmen", sagt Wolfgang Staudacher, Polizei-Oberst und Chef der Verkehrsabteilung, "aber wir sind nicht permanent vor Ort." Auch auf die lärmenden Auspuffanlagen achtet die Exekutive streng: Ist eine nicht genehmigt und eingetragen, wird das Kennzeichen kassiert. 

Edlinger-Ploder: "Tempolimits nicht möglich"
Biker-Strecken, wo es viel Frequenz und damit viel Ärger gibt, sind auch Pack, Gaberl, Turrach, Salzatal, Gesäuse oder Triebener Tauern. Sie mit Tempolimits zu entschärfen, ist legistisch unmöglich. "Das geht nicht wegen des Grundsatzes der Gleichheit", sagt Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder, "man kann nur an die Motorradler appellieren, an die Lebensqualität der Menschen entlang der Straße zu denken." 

Was natürlich auch für die Wohngebiete in Graz oder in den Bezirksstädten gilt. Dass da manche supersportlichen Reiter das Gas ihrer Eisen voll aufreißen, um auf sich aufmerksam zu machen, ist schlicht verantwortungslos.

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