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Empire: Total War

24.03.2009, 10:24
Video: Gametrailers.com
Bajonette aufpflanzeeeen! Attackeeee! Und schon schickt der Spieler im neuen Teil der Total- War- Serie seine Soldaten in die Reihen der Feinde. Empire: Total War widmet sich dabei der – bekanntlich nicht ganz unblutigen – Zeit des 18. Jahrhunderts und verspricht dabei vor allem eines: realistische Schlachtgetümmel, die dem Gamer alles strategische Geschick abverlangen.

Nach den blutigen Echtzeit- Gemetzeln der Vorgänger im Mittelalter und der Antike, stehen dem Hobby- Strategen nun modernere Mittel zur Verfügung, um dem Gegner an den Kragen zu gehen. Kanonen und Büchsen natürlich, aber auch Granaten und Bajonette helfen dabei, das virtuelle Gegenüber noch besser bluten zu lassen. Und das in einer wunderbar detailverliebten und hervorragend recherchierten Darstellung der Geschichte.

Im Kampagnen- Einführungsmodus versetzt Empire den Zocker in die Rolle eines amerikanischen Anführers, der die Geschicke seines Volkes von der Ankunft der ersten britischen Siedler bis zur Unabhängigkeit der USA begleitet. In drei Kapiteln lernt man so, auf was es abseits des Schlachtgetümmels sonst noch ankommt. Entwickler Creative Assembly hat dabei ganze Arbeit geleistet und – man muss es sagen – sich auch den Rundenstrategie- Klassiker Civilization zum Vorbild auserkoren.

So warten unterschiedliche Technologie- Bäume nur auf ihre Erforschung: ob neue Geschoße für die Kanonen, verbesserte Herstellungsverfahren für Stoffe oder gesellschaftliche und politische Ideen wie die Arbeitsteilung oder das Wahlrecht. In drei verschiedenen Kategorien bringen die Neuentwicklungen die Armee, Wirtschaft und Staatsform des Spielers voran. Und eines vorweg: Ohne zeitgemäßes Wissen, wird man entweder am Schlachtfeld einfach überrannt oder hat nicht genügend Geld, um sich seine kriegerischen Abenteuer auch leisten zu können. Neues Wissen bringt aber nicht immer nur Vorteile mit sich. Wird die Bevölkerung zu aufgeklärt, meutert sie leichter oder zettelt gar einen Umsturz an. In diesem Fall bleibt es dem Gamer überlassen, auf welcher Seite er ins Feld ziehen möchte. Je nach Ausgang der Revolution bestimmt sich auch die weitere Staatsform mit all ihren Vor- und Nachteilen.

Ebenfalls nicht zu kurz kommt die Diplomatie. Schon in den Kampagnen- Einführungen auf Amerikas Weg zur Unabhängigkeit merken Sie, wie wichtig Allianzen und Handelsbündnisse sein können. Neu ist zum Beispiel die Anzeige, warum sie ein anderer Staat verachtet und auch die eigene „Volksmeinung“ gegenüber dem Verhandlungspartner zeigt das Diplomatie- Menü. Darüber hinaus stehen Edelmänner und Missionare zur Verfügung. Diese können den Gegner sabotieren, an der Erforschung von Wissensgebieten helfen oder die Bevölkerung anderer Gebiete zur Religion der Spieler- Macht bringen. Nimmt man zum Beispiel eine neue Provinz ein, in der die eigene Religion nicht verbreitet ist, sind Aufstände vorprogrammiert.

Auch auf der Kampagnenkarte hat sich einiges gegenüber den Vorgängern getan: So kann nicht mehr nur in Provinzhauptstädten, sondern auch außerhalb gebaut werden. Ob Fabriken, Universitäten  oder Bauernhöfe  - je nachdem wie stark ihre Bevölkerung in der Provinz wächst, desto mehr Platz gibt es, um neue Einrichtungen  aufzuziehen. Entsprechend schwierig kann deshalb auch die Verteidigung werden. Denn einmarschierende Nachbarn brennen gerne mal eine Fabrik nieder oder besetzen einen Hafen. Die eigene Armee in der Hauptstadt zu verschanzen, lohnt sich deshalb in den seltensten Fällen.

Die freie Kampagne spielt sich mit einer von 12 Großmächten der Zeit, darunter natürlich Russland, England, Frankreich und Österreich. Für jede Nation gilt es im Verlauf der Jahre bestimmte Siegbedingungen zu erreichen, wie etwa im Fall der österreichischen Kampagne die preußischen Gebiete zu besetzen. Auch die Geschichte lässt sich ändern: Österreich hielt sich bekanntermaßen aus dem Wettlauf um überseeische Gebiete heraus. Da die Spielwelt aber um Indien und die beiden Amerikas erweitert wurde, lässt sich das leicht ändern. Wer nämlich gerne eine Kolonie in der Karibik hätte, der packt einfach seine Flotte ein, segelt über den großen Teich und erobert eine. Auf diesem Weg lässt sich ein Weltreich ganz nach eigenem Geschmack gestalten.

Das Großartigste an Empire: Total War sind wohl die Echtzeit- Schlachten, auch wenn Anfänger zuerst nur schwer den Überblick behalten werden. Trotzdem: in keinem anderen Game sind Kämpfe von tausenden Soldaten so schick und strategisch ausgereift erlebbar. Hier heißt es nicht einfach alles nach vorne werfen. Nur wer die Fähigkeiten seiner Truppen kennt und diese auch einzusetzen weiß, wird am Ende triumphieren. Je ausgefeilter die Taktik – von der Platzierung der Truppen bis zu ihrem richtigen Einsatz – des Gamers, desto schwieriger wird es für die eigentlich schlau agierende KI, ihn sogar in Unterzahl zu bezwingen. Natürlich können die teils langwierigen Gefechte vom Computer simuliert werden, was vor allem bei kleinen Scharmützeln gegen unterlegene Armeen praktisch ist. Aber ansonsten will sich der Spieler kaum um das Befehlen der Truppen bringen lassen. Neu sind in diesem Teil der Serie auch spielbare Seeschlachten: Endlich kann der PC- General seine Galeonen Breitseite nach Breitseite auf hoher See abfeuern lassen. Dass die Kämpfe am Wasser nicht ganz einfach zu meistern sind, steigert die Motivation eigentlich nur.

Grafisch und soundtechnisch bietet der neue Rundenstrategie- Hit eine detailreiche und stimmig perfekt umgesetzte Kulisse für das  18. Jahrhundert. Wenn der Schlachtenlärm aus den Boxen dröhnt und der Gamer frei zoombar in die Scharmützel schaut, kommt jedenfalls echtes Generals- Feeling auf. Auch die Kampagnenkarte ist nett anzusehen und – da ebenfalls frei zommbar – äußerst übersichtlich geraten.

Fazit: Mit Empire: Total War liefert Creative Assembly einen Genie- Streich im Rundenstrategie- Genre ab. Das Game bietet historischen Tiefgang und ist grafisch wie soundtechnisch mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Die taktisch herausfordernden Schlachten motivieren dabei immer wieder aufs Neue und auch der aus Civilization bekannte "Nur noch eine Runde"- Effekt tritt schon bald ein. Unterm Strich ist Empire: Total War ein absoluter Rundenstrategie- Hit mit genügend Action, um auf lange Sicht spannend zu bleiben. Einziger Wermutstropfen ist der Schwierigkeitsgrad, der Serien- Anfänger zu Beginn des Spiels etwas überfordern könnte.

Plattform: PC
Publisher: Sega
krone.at- Wertung: 9/10

von Stefan Taferner

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